2.35. Konfrontation! Eltern - Kinder

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Es herrscht eine angespannte Atmosphäre zwischen Eltern und Kindern. Keiner weiß so recht ein Gespräch zu beginnen.

Vicente durchbricht nach wenigen Minuten des Schweigens die unsichtbare Mauer: "Hattet Ihr Spaß gestern?", fragt sie Phil. Ihr sind die Anweisungen der Polizei - nicht über den gestrigen Tag zu sprechen - egal und ihre Neugier siegt letztendlich. 'Es geht schließlich um mein Kind', denkt sie besorgt.
Phils Augen beginnen zu leuchten, seine Fröhlichkeit ist sofort zurück. Er schwärmt: "Das war so schön, Ma. Wir waren im Gaisano, haben Pizza und Eis gegessen und dann der Pool. Mama, Papa, Ihr glaubt nicht, wie groß der ist. Und das Wasser, sauber und klar."
Jan fängt ebenfalls begeistert an zu berichten. Auch in ihm kehrt die kindliche Fröhlichkeit zurück. Stolz sagt er: "Tommy hat uns extra Basketballhosen zum Baden gekauft."
Sam fügt hinzu: "Da war Baden mit Straßenhosen und mit Reißverschluss verboten."

"Habt Ihr Sachen für die Schule gekauft?", fragt Lang, die Mutter von Jan und Dan. Sie wirft die Kippe in die rostige Stahltonne und drückt Dan fest an sich.
Dan antwortet traurig: "Wollten wir doch morgen machen."
"Also heute", korrigiert Jan seinen jüngeren Bruder schnell. Nun ist Jan wieder traurig: "Wann darf denn Tommy nach Hause und wir, Ma?"
Lang sagt schnell: "Die Polizei sagt doch, Ihr bleibt im BSWD nur solange die den Fall prüfen."
Rica bestärkt Lang: "Keine Sorge Kinder, wir tun alles, um Euch schnell zurück zu uns zu holen!"
Ernesto wiederholt mit finsterer Miene: "Alles!"

Michael zündet eine neue Zigarette an: "Wisst Ihr eigentlich, dass Ihr im Fernsehen gewesen seid?"
Die Kinder erschrecken. Lang spürt, wie sich Dans Körper unter ihren Armen anspannt.
Aboy aber lacht: "Im Fernsehen? Warum denn?"
Sam stößt Aboy an: "Hast Du das schon vergessen? Da waren die Reporter mit der fetten Kamera."
Aboy schüttelt den Kopf: "Habe ich nicht vergessen. Aber was wollen die nur?"
"Die haben Dich interviewt, Sam!", hustet Aboys Vater, Romolo, und fügt hinzu: "Ich sollte lieber nicht rauchen." Er wirft die halb gerauchte Zigarette in die Tonne. Aboy grinst frech seinen Vater an. Der deutet eine Ohrfeige an. Aboy deutet Wegducken an. Beide lachen, wenn auch nicht so ausgelassen, derb-männlich und herzlich wie sonst, wenn sie unter sich sind.
Sam verteidigt sich trotzig: "Ich wollte eigentlich nicht, aber die Frau vom BSWD sagte, ich muss mit der Reporterin reden. Die Reporterin war nett, aber ist dann ganz plötzlich weg." Er seufzt: "Die sind alle komisch hier."

Michael nimmt das heiße Eisen auf. Ihm sind die Anweisungen von Superintendent Ma'am Papillio ebenfalls egal. Er vertraut der Polizei nicht, zu viele üble Geschichten kursieren. Auch wenn die in dieser Polizeistationen recht freundlich erschienen. Trotzköpfig sinniert er: 'Es ist mein Sohn und es sind unsere Kinder aus dem Dorf. Die Kinder meiner Freunde und Nachbarn.'
Michael bohrt weiter: "Sam, Du hast im Fernsehen erzählt, Ihr habt geduscht. Und Tommy war im Bad?"
Rica schützt ihren Sohn: "Du hast doch gehört, was Sam sagt: "Er musste vor der Kamera reden."
Sam antwortet trotzdem: "Phil, Dan und Aboy haben ohne Hosen geduscht."
"Na und?", Aboy zeigt Sam eine lange Nase, "ist doch egal!"
Michael fragt weiter: "Ja, aber warum erzählst Du dann im Fernsehen, Tommy war im Bad, Sam?"
Sam stottert: "Na, wegen dem heißen Wasser. Aboy brüllte doch so laut, das Wasser sei so heiß. Und Tommy ist doch dann ins Bad und hat das Wasser auf Kalt gedreht. Aboy und Dan wussten ja nicht, wie zurück auf Kalt geht."
Lang wundert sich: "Komisch, davon haben sie in den News nix gesagt."
Matthew bemerkt: "Die erzählen halt nicht die ganze Wahrheit. Nur die Hälfte. Und schon wird 'ne Story draus."

Ernesto hat die gesamte Zeit mit zusammengekniffenem Gesicht geschwiegen. Er schüttelt kurz heftig den Kopf: "Phil, Dan und Aboy haben also ohne Hosen geduscht?"
Dan flüstert: "Nur kurz, Phil und ich, wir wollten uns schon die trockenen Hosen anziehen, da rief Aboy uns zurück. Er hatte entdeckt, wie die Strahlen in der Dusche anders gehen und hatte alle verschiedene Strahlen ausprobiert. Da kommen auch Strahlen aus der Wand."
Aboy antwortet ärgerlich: "Dan wollte auch die Strahlen probieren. Dann war das Wasser aber ganz heiß."
"Und dann habe ich keine Lust mehr gehabt und habe Cartoon Network geschaut", ergänzt Dan.
Phil schaut zu seiner Mutter, Vicente. Die blickt ihn fragend an. Phil antwortet auf Mutters Blick: "Ich war nur ganz kurz ohne Hose im Bad. Wollte auch lieber Cartoon Network schauen."
"Ha", ruft Sam, "Du wolltest lieber auf den Betten toben. Du bist von Bett zu Bett gehüpft. Und Jan auch."
Phil: "So schöne weiche Betten."
Jan: "Na und!"

Lang schüttelt plötzlich Dan, der immer noch vor seiner Mutter steht: "Also, Du und Aboy, Ihr wart allein mit Tommy im Bad?
Dan beginnt sofort zu schluchzen: "Aber ich war doch nur kurz im Bad." Er wiederholt: "Tommy hat das Wasser auf Kalt gedreht und ich wollte auch lieber Fernsehen gucken."

Romolo kann dem Geschehen im Bad nicht mehr folgen. Ihm geht das ganze Hin und Her, wer wann mit wem nackt geduscht hat und ob Tommy im Bad gewesen ist oder nicht, gehörig auf die Nerven: "Mein Gott, das ist doch egal, wer mit wem wann ohne Hose duschte. Das sind doch noch Kinder."
Matthew und Michael nicken. Ernesto schweigt. Vicente und Rica nicken ebenfalls ein wenig. Lang hingegen steigt die Zornesröte ins Gesicht.

Plötzlich packt Lang Jan an den Schultern und schüttelt ihn: "Hat Tommy Euch hier angefasst?", fragt sie laut und ein wenig zu aggressiv und fasst ihrem Sohn, Jan, an den Reißverschluss der kurzen Hose.
Dan erschrickt und plärrt los. Jan weicht entsetzt einen halben Schritt zurück und ruft mit überschlagender Stimme: "Nein!"
Matthew ist von Langs Wutausbruch ebenfalls überrascht und kommt seinen Söhnen zu Hilfe: "Lang, beherrsche Dich! Der Wachmann glotzt schon."

In der Tat schaut der Wachmann mit kritischem Blick aus der unverglasten Öffnung im ersten Stock des Wachturms.

Lang nimmt sogleich beide Söhne in ihre Arme und drückt sie an sich. Nun weinen alle Drei.
Vicente massiert leicht Langs Schultern: "Lang, beruhigt Euch. Das ist nicht gut, wenn Ihr hier alle heult, vor der Polizei."
Lang schnäuzt sich, Matthew gibt ihr sein kleines Tuch. Das ist bei weitem nicht so gebraucht und verschmutzt wie Langs Tuch.
Die schluchzt noch: "Tschuldigung, ich glaube es ja selber nicht. Glaube es nicht, dass Tommy so etwas tut."

Die Situation ist noch nicht entschärft. Ernesto wird laut: "Samuel, Sam, hat Tommy mit Euch komische Sachen gemacht? Hat er Euch angefasst?" Auch Ernesto schüttelt seinen Sohn. Auch Sam plärrt augenblicklich los. Die entsetzte Rica springt zwischen Mann und Sohn und trennt beide. Kniet nieder, putzt erneut Sams Gesicht und drückt den bebenden kleinen Körper an sich. Sam drückt sein Gesicht auf Mutters Brust und atmet tief Mutters Duft ein. Rica massiert liebevoll Sams Nacken. Sam beruhigt sich. Er zögert das Geschehen noch ein wenig hinaus, möchte nicht aus Mutters Schutz.

Romolo ist mit Ernesto etwa gleichaltrig. Er darf ihn deshalb kritisieren und tut das dann auch, wenn auch nicht als direkte Anrede. Zuvor räuspert er sich und spuckt aus: "Leute, nun kommt runter. Das bringt doch nichts. Gott weiß, Tommy ist unschuldig. Amen!" Dann bekreuzigt er sich.

"Amen", und Bekreuzigungen von Vicente, Lang und Matthew.
Michael zündet sich die vorletzte 'More' an. Ärgerlich murmelt er: "Mist, Zigaretten fast alle."
Rica krault Sams Nacken und schweigt.
Ernesto schaut zur Schranke und schweigt ebenso. Die Jungs schauen zu Boden und trauen sich nicht etwas zu sagen. Aboy kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Ernesto lässt den Blick über das Gelände der Polizeistation schweifen: "Eins sage ich Euch. Ich werde alles unternehmen, so dass die Jungs so schnell wie möglich aus dem BSWD kommen. Ich weiß auch schon, wen ich ansprechen werde. Der Head-Off vom BSWD in Sendong ist mein Cousin."
Matthew räuspert sich und kündigt so seine Rede an: "Wir sollten jetzt nicht in Panik verfallen. Warten wir doch die nächsten Tage ab. Morgen ist Montag. Tommy ist unschuldig und das wird die Polizei schnell kapieren. Dann gehen alle heim. So wird es kommen. Und jetzt lasst es gut sein."
Demonstrativ umarmt er seine beiden Söhne. Das ist das erste Mal seit die Jungs das fünfte Lebensjahr beendet haben. Lang hat sich beruhigt und wundert sich über ihren Ehemann. Auch Jan und Dan haben sich schnell beruhigt. Ihnen ist die Geste sichtlich unangenehm. Sie sind froh, aus Vaters Armen entlassen zu werden.

Der Wachmann im ersten Stock lehnt sich aus dem Fenster: "Hey, alles in Ordnung bei Euch?"
Michael ruft schnell zurück: "Ja, alles okay. Möchten Sie eine rauchen?"
Der winkt ab: "Hab's aufgegeben. Aber mein Kollege an der Schranke, der raucht fünf Schachteln am Tag."

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