Vorrede

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Ich gestehe frei heraus, dass ich selbst nur am Rande an den Ereignissen beteiligt war, die dazu führten, dass die Venus zu ihrem Monde kam. Dennoch nehme ich in Anspruch, berichten zu können, wie es wirklich war und wer tatsächlich all seine Kraft dafür eingesetzt hat, dass die Anteros-Krise nicht zueinem verheerenden Krieg der Welten führte.

Denn es waren weder der eurasische Kaiser, noch der Kalif oder der amerikanische Präsident, die aus lauter Herzensgüte ihre Raketenschiffe von der Venus abzogen. Es war auch nicht das marsianische Kollektiv, das einem spontanen Geistesblitz folgend auf einmal alle Ansprüche auf die Venus oder die Erde aufgab, um sich fürderhin erstmals seit 500 Jahren den hausgemachten Problemen auf dem Mars zu widmen. Und es war auch nicht dem unerwarteten Erscheinen der Lunaren Raumflotte geschuldet, dass die Kampfhähne plötzlich ihre Waffen niederlegten und nach Hause flogen. Auch wenn es so wohl mittlerweile in den Geschichtsbüchern stehen mag.

Eingeweihte mögen ahnen, dass in der wahren Natur des Gravitits die eigentliche Antwort verborgen liegt. Damit haben sie auch Recht und ich werde das Geheimnis dieses magischen Stoffs, ohne den weder unsere Raketen noch die Fliegenden Untertassen der Marsianer den Weltraum erobert hätten, im Laufe meines Berichts offenbaren. Doch ohne das Wirken der kleinen Schicksalsgemeinschaft, von der ich nun erzählen möchte, hätte all dies nicht stattfinden können. Es wäre an jenem schicksalhaften Tag im Orbit der Venus zu einem Gemetzel gekommen, das unweigerlich den Flächenbrand des Weltenkrieges über Venus, Erde, Mond und Mars hätte hinwegfegen lassen. Nur diesen Heldinnen und Helden ist es zu verdanken, dass es anders kam.

Doch wo beginnen? Wo und wann genau nahm die Geschichte ihren Anfang? Gemeinhin setzt man wohl mit der ersten Schlacht beim Anteros ein, als die Vereinten Erdstreitkräfte und die Marsianische Marine bei dem ersten Versuch, den Asteroiden für sich zu beanspruchen, aneinandergerieten – und sich die beiden Expeditionsflotten fast vollständig aufrieben. Auch wenn dieses erste heiße Gefecht im Erd-Marsianischen Kalten Krieg seit 40 Jahren unzweifelhaft den Auftakt der Krise markiert – und einer der Helden gar vor Ort war –, möchte ich aber an der Stelle anfangen, an der das Schicksal diesen Helden auf seinen ersten Mitstreiter treffen ließ.

Schließlich sei mir gestattet, dass ich die Ereignisse, bei denen ich selbst nicht zugegen war – und das sind die meisten –, mit meinen eigenen Worten wiedergebe. Ich gelobe nichts von dem auszulassen, das mir erzählt wurde und nichts hinzuzufügen, das nicht stattgefunden haben könnte. Doch mag es sein, dass ich einige Details um des Erzählflusses willen etwas farbiger gestalte.

Johann "John" Karl Werner ben Kara von Ribnitz III.

Inter Planetarum - oder wie die Venus zu ihrem Monde kamLies diese Geschichte KOSTENLOS!