2.33. Konfrontation! Eltern - Polizistinnen

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Rica, Ernestos Ehefrau, ermahnt ihn besorgt: "Ern, beruhige Dich. Denke an Deinen Blutdruck. Du hast schon wieder die Pillen vergessen."

"Wie soll ich denn? Bei diesem Stress?", antwortet Ernesto barsch.

Rica schaut traurig zu Boden: "Ich kann auch nicht immer an alles denken."

Michael stimmt Ernesto zu: "Ja, die lassen uns hier schmoren. Schaut mal, die junge Polizistin, die guckt ständig zu uns."

Romolo und Matthew blicken teilnahmslos.

Matthew sagt plötzlich: "Hauptsache die Kinder kommen heute nach Hause."

Die Mütter, Lang, Rica und Vicente nicken heftig.

Vicente schnäuzt sich in ihr schmutziges Taschentuch: "Warum sollten die Jungs nicht mit uns kommen können? Das ist doch alles nur ein Missverständnis."

Wieder nicken die Mütter.

Ernesto schüttelt den Kopf: "Ich habe da so meine Bedenken. Aus Erfahrung wisst Ihr doch alle, wen das BSWD erst einmal hat, den gibt es so schnell nicht wieder her."

"Ernesto, denke doch nicht immer negativ", schimpft Rica.

"Ob hier Rauchen gestattet ist?", fragt Michael. Er kann aber keinen Ascher entdecken. Es antwortet auch keiner. "Ich will später unbedingt noch mit Tommy reden!"

"Das wollen wir alle", Lang bringt ihr wirres Haar in Ordnung. Sie riecht den leichten Fischgeruch. 'Hoffentlich merken das die Polizistinnen nicht', denkt sie beschämt.

Romolo reibt das schmerzende Knie. Er ärgert sich, hat er doch die Paracetamoltabletten in der Eile vergessen. Er stöhnt: "Das verdammte Knie und was für eine dumme Geschichte. Ich würde viel lieber mit Tommy und Aboy reden, als in diesem muffigen Büro meine Zeit zu verschwenden. Tommy ist unschuldig. Was verdammt nochmal wird Tommy denn eigentlich vorgeworfen? Das, das möchte ich jetzt endlich wissen."

"Auch das wollen wir alle wissen!", entgegnet emotionslos Matthew. Der ist die Ruhe selbst, liegt fast gerade auf dem Kunststoffstuhl (dessen Rückenlehne sich dadurch bedenklich nach hinten verformt) hat die Augen halb geschlossen und die Hände im Nacken verschränkt.

Die Gruppe nickt.

In dem Moment treten die Polizistinnen aus der Kammer.

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"Guten Tag", eröffnet Ma'am Papillio freundlich das Gespräch. Sie stellt sich noch einmal vor: "Mein Name ist PSI Papillio, Head of Women and Children Helpdesk. Und das ist meine Kollegin, Police Officer 3 (PO3) Ma'am Tolisan."

Drei Väter springen gleichzeitig auf. Die Mütter verharren zusammengesunken auf dem abgewetzten Kunststoffgestühl.

Noch bevor die Polizistinnen sich zur Gruppe setzen und noch bevor sie etwas sagen können, beginnt Ernesto mit seiner Rede. Er ist aufgebracht. Obwohl er sich die Worte zuvor gedanklich zurecht gelegt hat, sprudelt der ganze Frust unkontrolliert aus ihm heraus: "Warum müssen wir das aus dem TV erfahren? Das ganze Geschehen! Warum erst um 9 Uhr am Morgen? Die wurden doch um 10 Uhr abends verhaftet? Da ist doch genug Zeit, uns sofort zu informieren."

Matthew wiederholt immerzu die Satzenden: "TV erfahren, das Geschehen, am Morgen, 10 Uhr abends verhaftet, uns sofort zu informieren."

Romolo ruft dazwischen: "Gott weiß, Tommy ist unschuldig!"

Die Frauen weinen, schluchzen und schnäuzen sich permanent und lautstark.

Rica sagt unter Schluchzen: "Wir holen unsere Kinder heute heim."

REISE INS VERDERBEN - by NOKBEW™Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt