17. Kapitel

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Summer:

Als Kiera wieder zu uns stieß, hatte sie diesen zufriedenen Gesichtsausdruck, der mir sagte, dass sie in irgendeiner Weise Erfolg gehabt hatte. Aber als sie uns dann von ihrem Gespräch mit Nathan berichtete, reagierten wir wohl nicht so wie sie es erwartet hatte. Ich verzog nur skeptisch mein Gesicht, ich fand Nathan immer noch nicht besonders vertrauenswürdig. Er hatte unseren 'kleinen' Lend gequält! Und auch wenn er beschlossen hatte Kiera Sympathie zu schenken, hieß das nicht, dass er Lend verschonen würde. Ich meine, jeder normale Mensch würde niemals auf die Idee kommen eine so liebenswürdige Person zu ärgern! Was sagte das also über Nathan und Co aus? Deshalb enthielt ich mich jeden Kommentares.

Lend allerdings nicht: Er durchlief die Stufen von erstaunt über erleichtert zu aufgebracht bis fast schon wütend. Er wurde auf einmal knallrot im Gesicht und ich begann mir langsam Sorgen zu machen. "Mensch, Kiera!", seine Gestikulierungen würden Francesco alle Ehre machen, während meine beste Freundin zusammen zuckte, "Ich weiß ja, dass du es nur gut meinst, aber so kann das nicht weitergehen! Diese Dreckskerle schikanieren mich und ihr zieht mich immer aus der Patsche! Ich will nicht, dass ihr das jedes Mal machen müsst!" Er beruhigte sich etwas und seine Gesichtsfarbe näherte sich wieder dem Ausgangsfarbton an. "Lend", meinte Kiera beschwichtigend, doch weiter kam sie nicht. "Nein! Ich bin ein Mann und muss in Zukunft für mich selbt einstehen können!" Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter: "Es ist doch keine Schwäche sich von Freunden helfen zu lassen." Lend aber schüttelte meine Hand ab und stürmte aus dem Raum.

Kiera blickte ihm mit großen Augen nach: "Also damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet." "Mach dir nichts draus", setzte ich an, dann fiel mein Blick auf die Uhr, "Wir müssen los! Unsere AGs fangen gleich an!" Und so ließ auch ich Kiera zurück, da ich noch meine Reitsachen anziehen musste. Ich rannte nach oben in unser Zimmer wechselte in Rekordgeschwindigkeit meine Kleidung, packte meine Reitstiefel und stürmte wieder hinunter. Ich riss die Tür zum Treppenhaus auf und flog beinahe die Treppe hinunter und es wäre auch alles gut gegangen, wenn ich die vorletzte Stufe nicht verpasst hätte.

"AAAH!" Ich strauchelte und sah mich schon auf dem Boden aufschlagen, da packten mich zwei starke Arme und zogen mich an den wohl dazugehörigen Körper. "Ufff", machte die Person. "Liam!", ich sah zu ihm hoch und er lächelte auf mich herab: "Hab ichs mir doch gedacht!" "Was denn?", erkundigte ich mich verwirrt. Er grinste breiter: "Dass du zu spät kommst natürlich! So gut kenne ich dich inzwischen." "Ach, ja?" "Ja", sagte er mit so viel Nachdruck, dass mir für einen Moment der Atem stockte. Er drehte mich so, dass er mir in die Augen sehen konnte und ließ seine Hände von meinen Oberarmen über meine Unterarme zu meinen Händen gleiten. Sofort hielt ich sie fest. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und flüsterte ihm ins Ohr: "Wir müssen jetzt gehen, wenn wir noch später kommen, bringt Carl uns um!" Kurz musste ich diese Spannung zwischen uns noch auskosten, dann lehnte ich mich wieder zurück und ließ eine seiner Hände los, um meine Stiefel wieder aufzuheben. "Ok, lass uns gehen", meinte er und  ich sah ihm genau an, dass er in sich hinein lachte. Ich stieß ihm den Ellenbogen leicht in die Seite. Er kicherte immer noch, als er mich mit sich zog, nach draußen und in Richtung der Reithalle. Ich schob die Tür auf, wir huschten hinein und blieben abrubt stehen.

Vor uns stand Carl, unser Reitlehrer, und hatte die Arme vor der Brust verschränkt, während unsere Mitschüler schon auf der Bahn ritten. "Nun?", abwartend legte er den Kopf schief. "Nun ja, also ... es war so: wir...", stammelte ich verlegen. Liam schien schon wieder ein Lachen zu unterdrücken - ich hätte ihn erwürgen können - als er einsprang: "Wir haben gelernt und nicht auf die Uhr geschaut, Entschuldigung." Carl zog seine Augenbrauen hoch, musste aber doch lächeln: "Ich glaube euch beiden kein Wort!" "Aber..", wollte ich uns verteidigen. "Ab mit euch, aber nächstes Mal kommt ihr nicht so leicht davon!" Erleichtert stürmten wir zum Stall und riefen noch ein paar Entschuldigungen und Dankeschöns. Wir machten die Pferde fertig und schlossen uns den anderen an. Zum Glück war uns Carl nicht länger böse und als ich Glannis Sattel später wegbrachte, klopfte er mir auf die Schulter und sagte: "Ich war heute sehr zufrieden mit dir, Summer!" Ich freute mich sehr über dieses Lob und lächelte.

Midnight Academy - Spiel mit dem SchicksalLies diese Geschichte KOSTENLOS!