Von Tanten und Schnecken

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Piep. Nein! Nicht jetzt! Ich war doch so kurz davor... Piep. Ich hatte den Idioten doch schon mit einer Hand... "Kaji! Aufstehen!" Und ich musste loslassen. Und was machte der Einbrecher? Dieser Dummkopf grinste mich mit einem zahnlosen -mich schüttelte es- Grinsen an und rannte davon. Und was war das? Habe ich da etwa eine Zungenspitze gesehen. Sowas gehört sich aber nicht und außerdem putzt man sich die Zähne. Bestimmt hatte er noch nie von Anstand oder KAI gehört. Ich sagte doch schon IDIOT! Aber nicht jeder konnte eine solche einfühlsame und warmherzige Tante haben, die einem alles lehrte was man wissen musste. Achtung Sarkasmus. Lady Monica -wie wir sie nennen mussten- war das genaue Gegenteil von einer Bilderbuchtante. Sie hatte uns bis zu unserem 10. Lebensjahr unterrichtet und erzog uns immer noch -um sie zu zitieren- "damit wir der hohen und ehrwürdigen Gesellschaft der Eroja würdig waren". Als ob wir wissen mussten wie man sich im Jahre 1945 kleidete oder welche Wörter man -ein weiteres Zitat- "auf keinen Fall, unter keinen Umständen und ... einfach niemals" verwenden durfte. Als ob ich das Wort "Scheiße" nach den vielen Strafpredigten noch verwenden würde. Leider war das der Nachteil wenn man mit seiner Familie und deren verrückten Mitglieder zusammen in einem Haus lebte. Gott sei Dank hatten wir noch Granny und Grandpa, die sie des Öfteren in ihrem Arbeitseifer stoppten. Da meine Mum verschwunden war (wir durften nicht darüber sprechen und um Gottes willen niemanden darüber ausfragen. Apropos: Das war die Regel wenn man bei uns überleben wollte ohne irgendeinen Streit anzufangen: Keine Fragen stellen. Alles ist so wie man es euch beibringt. Nur leider konnte ich das als extrem neugierige Person nicht hinnehmen), lebte ich mit Lady Monica, meinen Großeltern, meiner elfjährigen Schwester April und Dad zusammen in einer -ich möchte hier nicht angeberisch rüberkommen- übertrieben übergroßen Villa. Angeblich seit 1800 Familienbesitz. Bei unserer Familie war eigentlich alles wie bei allen Erojafamilien übertrieben. Übertrieben altmodisch. Übertriebene Wertlegung auf gutes Benehmen.

"Soli! Komm, die Schule ruft!" Na dann soll sie doch rufen bis sie heiser wird. Ich legte jedenfalls keine Wert auf gute Erziehung. Wozu braucht man denn jemals eine Gleichung oder was die spezifische Wärmekadingsda von irgendeinem Stoff ist. Laaaaangweilig! Aber ich wollte nicht schon wieder zu spät zu Frühstück kommen (gestern kam ich nur fünf Minuten zu spät und schon wurde mir mein Handy für einen halben Tag weggenommen) mir war mein Internetzugang zu wichtig.

Also öffnete ich widerwillig meine Augenlider und blickte in die eisblauen Augen meiner Granny, die erleichtert aufseufzte:" Endlich! Ich wollte schon den Waschlappen holen." Ich strich mir als Antwort nur die zerzausten Haare aus dem Gesicht und wischte mir den Schlaf aus den Augen. In Gedanken dankte ich meinem schlechten Gewissen, denn mit einem kalten Waschlappen im Gesicht aufgeweckt zu werden war nicht meine bevorzugte Weise aufzustehen. "Morgen", meinte ich nur und machte mich auf den Weg ins Bad. Morgen war mein letzter Tag an der Shakespeare High, mit meinen sechzehn Jahren war ich endlich so weit mich als Schülerin an der Forestal Academy zu bewerben. Die FA war ein Internat nur für Erojas mit allen möglichen Einrichtungen, die jemand brauchte wenn man in der Welt der Elemente überleben wollte. Gott sei Dank war ich nicht allein denn Tiff und Ann - meine Erojafreundinnen- gingen auch mit. Langsam und reichlich übermüdet putzte ich mir die Zähne. Ja, ich hatte schon einmal von KAI gehört! Aus dem Spiegel mir gegenüber starrte mich eine sechzehnjährige Wasserleiche mit großen, grünen Augen, einer etwas zu groß geratenen Nase mit ein bisschen zu vielen Pickeln darauf, einem mittelgroßem Mund, schulterlangen, roten Haaren und Ringen unter den Augen an. Tja, diese Wasserleiche war unglücklicherweise ich. Aber ein bisschen Make-up und kaltes Wasser würde das hoffentlich beheben. Ein paar Wimperntuschestriche -die nicht nur auf meinen Wimpern landeten- und drei falschen Eyelinerstriche später, sah ich endlich so normal aus, dass ich in die Öffentlichkeit entlassen werden konnte.

Als ich die Treppe herunterstolperte -es war keine gute Idee gewesen die weiß-rote Krawatte während dem Gehen zu binden- fiel mir ein, dass ich meine Nerdbrille vergessen hatte. Nachdem ich unglücklicherweise über meine Hausschuhe, die ich nie anzog, gestolpert war, die ziemlich sichtbar und für mich unsichtbar in der Mitte der Treppe standen. Oh, Lady Monica hatte wieder ihre "Trotzphase".

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