»8. Ich wollt' noch Danke sagen, doch ich lieg im Krankenwagen...«

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"Die sieht aus wie ein Schluck Wasser in der Kurve...", murmelte James leise, aber ich hörte ihn trotzdem.

In meinem Kopf dröhnten so viele Geräusche, die ich normalerweise gar nicht hören durfte, was auch nicht besser dadurch wurde, dass ich mir ein Kissen auf die Ohren presste.

"Das spielt alles zusammen", sagte Remus und stellte eine Tasse oder ein Glas oder ähnliches auf den Tisch. "So ist die erste Woche... Ein-Tages-Depressionen, Kopf- und Gliederschmerzen ... "

"Armes Ding..."

Ich hörte das Leder von Sirius' Lederjacke knartschen.

Mein Blick verschwamm und fokussierte wieder, ehe er wieder in die Undeutlichkeit abdriftete.

Einen kurzen Moment wurde es ruhig.

Dann ertönten Schritte von der Mitte des Raumes, die in meine Richtung kamen und der penetrante Geruch von Rauch, Wind und Regen strömte in meine Lunge.

Kurz darauf schob Sirius den Vorhang ein bisschen zur Seite.

"Hey, Mademoiselle...", sagte er leise und lächelte dann. "Willst du vielleicht mit zum See?"

Seine Stimme war so nah und laut, dass ich zusammenzuckte.

"Alles gut?", fragte er und hob dann eine Augenbraue. "Du siehst ziemlich scheiße aus für jemanden, der normalerweise so hübsch ist. "

Ich sah ihn kurz an und nickte dann leicht, das war alles, was meine Kraft zuließ.

Black verschwand hinter dem Vorhang und trat wieder zu seinen Zimmerkameraden.

"Vielleicht sollten wir sie doch zu Madame Pomfrey bringen...", flüsterte er.

"Nein", sagte Remus bestimmt und trank irgendwas. "Sie will nicht, dass es jemand weiß und das sollten wir akzeptieren."

Wäre ich nicht so müde gewesen, hätte ich gelächelt.

Immerhin verstand mich hier einer.

"Aber sie sieht wirklich schlimm aus... Also... Ich weiß nicht. Schlimmer als du, wenn du das hast, Moons."

Ganz kurz breitete sich wunderschön ruhige Stille aus, in der sie wahrscheinlich Blicke tauschten.

Dann kam wieder jemand zu meinem Bett, diesmal war es jedoch nicht Sirius, wie ich am Geruch erkennen konnte, sondern es war Remus.

Dieser zog vorsichtig den Vorhang zur Seite und setzte sich auf mein Bett.

"Ja, ich seh schon... Du siehst ja gar nicht gut aus...", seufzte Remus und musterte mich stirnrunzelnd. "Darf ich mal?"

Ohne eine Antwort abzuwarten, legte er seine Hand auf meine Stirn und nickte nach ein paar Sekunden.

"Du hast Fieber, June... Vielleicht sollten wir dich doch zu Madame Pomfrey bringen... Sie wird Niemanden etwas von dir erzählen, das verspreche ich dir."

Ich schüttelte meinen Kopf und öffnete den Mund.

"Ich bin nur erkältet...", krächzte ich, da ich einige Zeit nicht gesprochen hatte.

"Ich seh schon...", sagte er mit einem ungläubigen Ton in seiner Stimme. "Kannst du aufstehen?"

Ich schwieg, sowohl mit Gesten als auch mit Worten.

"Sirius, hilf mir mal bitte..."

Erneut zuckte ich zusammen und ein stechender Schmerz machte sich nun in meinem Kopf breit.

"Bitte seid einfach leise..."

Kurz darauf tauchte Sirius neben Remus auf und hob fragend die Augenbrauen.

"Wir bringen sie durch den Flankengang in den Krankenflügel. Wir brauchen den Umhang, James."

Ich presste das Kissen weiter auf meine Ohren und schloss meine Augen.

Es drehte sich mittlerweile alles und die Stimmen verschwammen in meinen Ohren zu einem monotonen Laut.

Dann spürte ich Hände, die sich unter meine Kniekehlen und die Schulterblätter schoben, bis ich auf einmal von meiner Matratze abhob.

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"Sie dürfen es Niemanden erzählen, Poppy... Bitte tun Sie mir den Gefallen... ",vernahm ich Remus' leise Stimme.

"Ich kann das doch nicht vor Professor Dumbledore verschweigen, Remus, das wäre nahezu dämlich!", erwiderte eine Frauenstimme etwas schärfer, die ich kurz darauf als die von Madame Poppy identifizierte.

"Bitte..."

Sie seufzte tief und schwieg einen kurzen Moment.

"Gut. Du und deine Freunde kümmern sich darum. Du weißt ja, was zu tun ist", gab sie nach, auch wenn sie so klang, als würde sie das ganz und gar nicht tun wollen. "Sie braucht Ruhe. Ich habe ihr ein Beruhigungsmittel gegeben, aber gegen diese Anfälle kann ich nichts tun."

"Ich danke Ihnen, sie tun mir damit einen großen Gefallen."

Dann ertönten flotte, klackernde Schritte, die anscheinend von hohen Schuhen kamen, die sich entfernten.

"War das wirklich so schlimm bei dir, Moons?", fragte James, der auf der anderen Seite von mir stand.

"Keine Ahnung... Ich war kleiner, ich kann es nicht einschätzen... Aber ich zweifle nicht daran, wie schlecht es ihr gehen muss..."

Etwas auf meiner Liege gab nach, als hätte sich Jemand davon erhoben, der davor an meinem Fußende gesessen hatte.

"Vielleicht sollten wir ihr was aus der Küche holen, wenn sie wieder aufwacht, wird sie bestimmt hungrig sein...", räusperte sich Sirius.

Eine Welle der Überrumpelung überrollte mich.

Was war denn jetzt los?

Sie verhielten sich ja, als wäre ich die erstgeborene Königstochter...

"Warte, ich muss noch schnell ein falsches Krankenprotokoll schreiben. Was sagen wir... Migräne?", murmelte Remus nachdenklich und kurz darauf hörte ich das Kratzen einer Feder auf Pergament.

"Hört sich gut an."

Eine ganze Weile sprachen sie kein Wort und genau während dieser Zeit versuchte ich meine Augen aufzubekommen, doch sie waren so schwer, als wären sie zugeklebt.

"Du, Moons, was ist eigentlich mit Marlene McKinnon?", fragte Sirius interessiert.

"Was soll mit ihr sein...?", erwiderte er konzentriert.

"Naja ... Könntest du dir was mit ihr vorstellen? Ich glaube, die ist an dir interessiert."

"Ist sie nicht und das ist auch gut so. Ich bin zu gefährlich", sagte er simpel und hart, aber ich meinte auch Bitterkeit aus seiner Stimme zu hören.

Kurz war es so ruhig, dass ich die Uhr an Remus' Handgelenk ticken hören konnte.

"Und was ist mit ihr?", fragte Sirius dann leise.

"Ich denke, eher nicht", sagte er grade heraus und klang dabei so bestimmt, dass ich fast schon beleidigt war.

"Also hast du nichts dagegen, wenn ich...?", fragte Sirius und ließ sein Ende offen, da es ja schließlich offensichtlich war.

"Go for it", murmelte er gelangweilt. "Aber vielleicht machst du das nicht wie üblich, darauf springt sie nämlich definitiv nicht an."

Am liebsten hätte mit den Augen gerollt.

Ich hatte mich wohl in denen geirrt...

Aber egal was sie taten, am Ende waren es eben doch nur Typen.

---989 Worte---

Ich kann nicht garantieren, dass ich weiterhin so oft uploade wie jetzt



Mr. Fear | RumtreiberWo Geschichten leben. Entdecke jetzt