»2. Ich lausche nicht, ich analysiere eure Gespräche!«

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"Meine Güte, Mom, schau mal, der hat eine Eule!", rief ein kleines Muggelkind und deutete auf einen Zauberer, der dies gar nicht zu merken schien. "Mom, krieg ich auch eine Eule?"

Ich musste leicht schmunzeln und schulterte den Rucksack nach, den ich aus bekannten Gründen nur auf einer Schulter trug, ehe mich der Säule zwischen Gleis 9 und 10 entgegenstellte.

Ich wusste, dass ich das schön öfter gemacht hatte, trotzdem war die letzten Male immer mein Vater mitgekommen und so hatte ich jetzt ein wenig Bammel.

"Geht das nicht ein bisschen schneller...?", fragte jemand genervt hinter mir, anscheinend auch ein Schüler, der zum Bahnsteig wollte. "Der Zug wartet nicht..."

Ich wollte etwas gehässiges erwiedern, ließ es dann aber bleiben und lief ohne mich zu dem Rüpel umzudrehen durch die Wand.

Natürlich krachte ich nicht gegen sie, sondern rannte ohne Komplikationen hindurch auf die andere, magische Seite.

Der Bahnsteig war brechend voll, überall standen kleine und große Familien, die sich von ihren Sprösslingen verabschiedeten, welche ein weiteres Jahr in Hogwarts antraten.

Vor mir versperrten mir grade ein kleiner, dicklicher Zauberer in einem purpurnen Mantel den Weg, der einem Mädchen mit blonden Zöpfen hinterherlief, die grade in den scharlachroten Zug stieg.

Ich quetschte mich an ihm vorbei und trottete auf einen Eingang weiter hinten zu, von dem ich wusste, dass er er letzte war, an dem Helena einsteigen würde.

Mit einem leichten Schnaufen, da mein Koffer wirklich schwer war, schleppte ich mich den Zug entlang und zog eine Abteiltür auf, in dem nur ein großer, schlacksiger Junge saß, den ich bereits mehrmals im Gang gesehen hatte.

Bei seiner Größe war das aber auch nicht sonderlich schwer...

"Ist hier noch frei?", fragte ich knapp und ließ meine Augen kurz über ihn streifen.

Er hatte hellbraune Haare, die ihm ein wenig in's Gesicht fielen, welches widerum von 2 großen Narben durchzogen wurde. Sein Kinn war kantig, nahezu scharf, aber es passte zu seinen eher weichen Gesichtszügen.

Auch wenn ich ihm so viel Aufmerksamkeit zu Teil werden ließ, sah er mich noch nicht mal an, was mir schon ein bisschen wehtat, aber so konnte ich mich wenigstens daran gewöhnen.

"Könnte knapp werden, meine Freunde kommen gleich..."

"Nicht so schlimm, ich mach mich klein", sagte ich und ließ mich ihm gegenüber am Fenster nieder.

Er zuckte mit den Schultern, als wäre es ihm eigentlich egal und las weiter in seinem Buch.

Unter anderen Umständen, hätte es mich genervt, dass er so abweisend war, in diesem Fall war ich jedoch dankbar, da er so wenigstens keine Fragen stellen würde.

Ich legte meine Stirn an's kühle Glas und stellte mir kurz das Szenerio vor, das es geben würde, wenn Helena es wirklich schaffen sollte mich allein anzutreffen und mich zur Frage stellte.

Sie würde die Wahrheit erwarten und wahrscheinlich merken, wenn ich log.

Aber was sollte ich ihr auch sagen?

'Hey, Helena, tut mir Leid, dass ich dich ignoriere, ich wurde nur in den Sommerferien von einem Werwolf gebissen, der sich an meinem Vater rächen wollte, diesem habe ich aber noch nichts gesagt, damit ich mich nicht in diesem bescheuerten Werwolf-Register eintragen muss und ein normles Leben führen kann. Ich will auch weiterhin nichts mit dir zutun haben, weil ich Angst habe, dich ausversehen auszuweiden oder zu fressen. Bitte versteh das, tschüss'?

Mr. Fear | RumtreiberWo Geschichten leben. Entdecke jetzt