[08.04.2011 - D03 - Marke Eigenbau]

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Die Arme auf die Beine abgestützt, starrte sie geistesabwesend in den Raum, trank dabei einen Schluck.

Der Kaffee war bereits kalt. Verdammt. Sie hatte keine Kaffeemaschine mehr hier in ihrer Garage, wie früher einmal.

Sie verzog die Lippen und wandte sich den anderen zu.

Agent war vor einer Stunde aufgestanden und hatte gefragt, ob man ihn überhaupt brauchte. Die Antwort war „Nein" gewesen. Daraufhin war er wortlos gegangen.

Spider und Mik saßen in der Fahrerkabine des Tranporters und schliefen.

Selbst McDall schien zu schlafen. Vielleicht tat er auch nur so. Sie wusste es nicht. Am Ende war es egal. Er lag still auf der dunklen Isomatte, auf der sie ihn abgelegt hatten. Pakhet konnte recht sicher sagen, dass er wie sie war. Er arbeitete auf Auftragsbasis. An sich lag ihm wenig an der Schwarzmarktauktion, von der sie ihn fernhielten. Wahrscheinlich hatte die Auftragsgeberin statt seiner einen Spitzel hingeschickt. Das war der logische Grund für ihren Auftrag.

Heidenstein saß nehmen ihr. Er war wach, hatte einen Notizblock herausgeholt und schrieb.

Er bemerkte ihren Blick und lächelte kurz. Er hatte das übliche, freundlich distanzierte Lächeln eines Arztes, schaffte es dabei dennoch eine gewisse Wärme auszustrahlen. Er wirkte zu weich für diese Arbeit.

„Was ist?", fragte er.

Sie zuckte mit den Schultern. „Die Pistole. Darf ich sie mal sehen?" Sie hatte bereits seit einer Weile überlegt danach zu fragen.

Sein Lächeln veränderte sich. Es wurde verschmitzt. „Sicher." Er griff zum Holster, das er an der Brust trug und holte die längliche Waffe heraus. „Hier."

Sie nahm die Pistole entgegen. Sie hatte einen länglichen, runden Lauf, wie er bei älteren Revolvern üblich war. Der Rahmen war etwas breiter, um den Druckluftbehälter unter zu bringen, der für die Beschleunigung des Schusses sorgte. Am unteren Ende war eine seltsame Vorrichtung angebracht.

Pakhet nahm sie genauer in Augenschein. Es war ein Ventil, aber auch eine elektrische Schaltung, glaubte sie. Sie hatte eine Ahnung, wofür es gedacht sein könnte. Befüllung des Druckbehälters?

Halb unter den Lauf angebracht war ein kleines Magazin. Sie kannte die hier verwendete Mechanik. Natürlich baute sie auf demselben System auf, wie normale Magazine, doch es schien, als sei es ein modifiziertes Magazin von einer dieser Spielzeugwaffen, die Styroporbolzen verschossen.

Gar nicht so dumm. Es war ein wenig zu groß, doch allgemein lag die Waffe erstaunlich gut in der Hand. Sie schien größtenteils aus Plastik zu sein. Weiß noch dazu. Wahrscheinlich würde eine einfache Kontrolle es wirklich für ein Spielzeug halten.

„Nicht schlecht", stellte sie fest und hob die Waffe probehalber. Sie musste irgendwie beschwert sein, um keinen zu starken Vorwärtsdrall durch den langen Lauf zu haben. „Woher?"

Heidenstein lächelte geheimnisvoll und streckte die Hand aus, um die Waffe zurück zu nehmen.

Pakhet verdrehte die Augen und nahm wieder den Kaffee auf, den sie auf dem Boden abgestellt hatte. Wenn er nicht reden wollte, würde sie ihn nicht zwingen.

Er ließ ein leises Lachen hören. „Marke Eigenbau", kommentierte er.

Überrascht warf sie der Waffe einen Blick zu. „Wirklich?" Die Waffe war intelligent gebaut.

„Ja", erwiderte er.

Sie nickte anerkennend. „Wow." Dann zögerte sie. Sie trank einen Schluck. „Warum?"

„Sagen wir es so", meinte er, „ich bevorzuge es nicht unnötig zu töten."

„Falscher Job", murmelte sie.

Er zuckte mit den Schultern, lächelte aber. „Vielleicht auch genau der richtige."

Sie musterte ihn. Wie auch immer er dazu gekommen war, ausgerechnet als Medic hier zu arbeiten. Er schien nicht die richtige Person dafür zu sein. Aber er hatte zuvor Orion widersprochen. Dafür hatte er ihren Respekt.

Kurz überlegte sie. „Könntest du so eine Waffe noch einmal bauen?" Die Pistole faszinierte sie.

Ein weiteres Schulterzucken war seine Antwort. Sein Lächeln wurde zu einem weichen Grinsen. „Sicher."

„Wie viel?", fragte sie.

Wieder lachte er und überlegte. „Dreihundert. Inklusive Erstausstattung."

„Deal." Sie wandte sich ihm halb zu und streckte ihre Hand aus.

Weiterhin lachend nahm er ihre Hand, musterte sie dabei. „Darf ich dich etwas fragen?", meinte er schließlich.

Sie ahnte, worauf er hinauswollte. „Hat es mit dem Arm zu tun?"

Kurz schürzte er die Lippen, nickte jedoch. „Ja."

Pakhet seufzte. Sie wich seinem Blick aus. „Dann nein."

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