2.27. Kinder im Verhör (2)

16 5 0

(Fortsetzung Kapitel 2.25.)

Die fünf Jungs knabbern schüchtern an Keksen und trinken Mineralwasser. Sie sitzen schweigend im Büro der beiden Polizistinnen, werfen sich verstohlene Blicke zu und rutschen nervös auf den Stühlen aus Kunststoff hin und her, so dass diese unangenehme knarzende Geräusche auf dem polierten, aber abgewetzten Betonfußboden verursachen. Aboy blickt zur Kammer, deren Türe geschlossen ist. Die Polizistinnen Ma'am Papillio und Ma'am Tolisan unterhalten sich in gedämpfter Lautstärke. Ma'am Papillios und Aboys Blicke treffen sich. Ma'am Papillio schaut besorgt, Aboy deutet das als streng.
Er fühlt sich ertappt und schaut scheu beiseite.
"Die reden über uns und Tommy", flüstert Aboy leise zu seinen Freunden.
Die zucken nur unmerklich mit den Augenbrauen. Die Stimmung der Kinder ist gedrückt und angespannt. Der Respekt vor den zwei Autoritätspersonen in der Kammer ist riesig. Die Jungs haben Angst.

"Warum will die Polizei das alles wissen?", flüstert Jan.

Aboy vermeidet es, noch einmal durch die Glasscheibe der Tür zu den Polizistinnen zu schauen. Er antwortet leise: "Die wollen Tommy fertig machen. Ist doch klar."

"Ja, aber warum?", fragt Sam.

"Weiß nicht", antwortet Jan.

Phil schaut kurz zur Kammertür. Die Polizistinnen diskutieren weiter, für die Jungs unhörbar. Phil schaut zu Boden: "Ich verstehe garnix. Der arme Tommy. In der Zelle. Aber warum nur?" Jetzt hellt sich sein Gesicht auf: "Unsere Leute kommen schon. Dann wird Tommy entlassen und wir fahren alle zurück nach Sendong."

Sam nickt eifrig und wird lauter: "Mein Pa, der regelt das! Der holt uns ab."

Jan entgegnet, sein kleiner Bruder Dan schweigt hingegen und knabbert in winzigen Stücken lustvoll am Keks: "Unser Pa kennt auch viele wichtige Leute. Er arbeitet für die Cousine der Bürgermeisterin und für den Boss der Polizei, in Sendong." Jans Gesicht zeigt Entschlossenheit.

Aboy schüttelt nur den Kopf. Phil schaut zur Decke. Aboy und Phil haben nichts dergleichen vorzuweisen.

Dan schwieg bisher. Er möchte etwas zum Gespräch beitragen, holt tief Luft und sagt: "Tommy hat doch nichts gemacht, warum ist der gefangen?"

Keiner hat eine Antwort.

Aboy fixiert Sam: "Und die Fotos in Sendong?", flüstert er unvermittelt.

Sam fühlt sich ertappt, spielt den Unwissenden: "Was? Was meinst Du?"

Jan schaut streng zu Sam: "Psst, leise. Na, die Fotos?"

Phil nickt: "Die Fotos?"

Sam schaut schnell zur Kammer und flüstert: "Kein Wort zu denen! Gelöscht!"

Aboy, Phil und Jan grinsen nun verschmitzt und zucken wieder kaum sichtbar mit den feinen Augenbrauen. Auch Sam grinst und schaut dabei zu Boden.
Dan versteht nicht, worüber gerade gesprochen wird, fragt aber auch nicht nach. Er wendet den letzten Schokoladenkeks dicht vor den Augen. Seine rechte Pupille schielt dabei leicht. Mit einem "Lecker" verschlingt Dan den Keks. Jan zerwuselt Dan liebevoll das Haar.

〰〰〰❇❇❇〰〰〰

Die Polizistinnen werden auf die Unterhaltung aufmerksam und verlassen sogleich die Kammer.
Die Jungs schweigen nun und verharren steif in den Stühlen.

"Tommy, der ist Euer Freund?", beginnt Ma'am Papillio den zweiten Teil der Befragung.

Die Jungs zögern.

Aboy flüstert "Ja."

Seine vier Freunde zucken wieder sehr schnell und kaum sichtbar mit den Augenbrauen.

REISE INS VERDERBEN - Copyright by NOKBEWLies diese Geschichte KOSTENLOS!