Heiße Spuren #3

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"Guten Morgen Mr Nightblood!" Isaac drehte sich um, um seinen Gesprächspartner ansehen zu können. "Guten Morgen, Mr McKinley", erwiderte er jedoch weniger enthusiastisch, denn er wusste, dass hinter diesem 'Guten Morgen' mehr steckte, als einfach nur Freundlichkeit.

Normalerweise trieb sich der Chef nie morgens in den Gängen herum, es sei denn, er lauerte einem der Mitarbeiter auf, um mit ihm zu reden. Und genau das vermutete der Detective.

"Wie geht es Ihnen?"

"Kommen Sie doch gleich zur Sache. Ich muss an die Arbeit gehen." Nightblood nahm seine Sonnenbrille ab und ließ sie in eine seiner Manteltaschen gleiten.

"Na schön", McKinley seufzte, "Wie sieht es mit ihrem neuen Partner aus?"

"Katastrophal."

"Geht das auch etwas präziser bitte? Wie können uns nicht alle drei Wochen um einen neuen Partner für sie umsehen, Mr Nightblood. Das NYPD kann Ihnen keine Fälle mehr anvertrauen, wenn Sie nicht konstant mit einer Person zusammen arbeiten können. Bitte bemühen Sie sich. Ich vertraue auf Ihre Qualitäten."

Mittlerweile standen die beiden vor McKinleys Bürotür, in dem Gang, in dem sich auch Isaacs Büro befand.

"Ich verstehe." Der Schwarzhaarige nickte und ging ohne ein weiteres Wort den langen dunklen Korridor entlang, der zu seinem eigenen Arbeitsplatz führte. Normalerweise ging er mit dem Chef ja um einiges respektvoller um, doch schon am frühen Morgen so eine Moralpredigt, das hielt selbst Nightblood nicht aus. 

Nachdem Isaac das Büro betreten und die Tür hinter sich geschlossen hatte, ließ er sich in seinen Sessel fallen, den Blick auf den Schreibtisch seines Partners gerichtet.
Die meisten würden wahrscheinlich sagen, er könne ja überhaupt nicht beurteilen, ob er Miller mochte, weil er ihn ja erst einen Tag kenne und so weiter.
Doch Isaac konnte es beurteilen. Er wusste, welche Art Mensch der Sergeant war. Er war genau diese Art Mensch, die hier in diesem Gebäude nicht verloren hatte. 

Doch Nightblood hatte hier etwas verloren. Das hier war sein Leben, seine Bestimmung. Und das würde er nicht wegen so einem Streber-Fuzzi verlieren. Er würde Miller mit ziehen, so lange es nötig war. Irgendwann musste McKinley ja auch begreifen, dass der Blondschopf hier nicht her passte. 

Mit einer fließenden Bewegung griff er nach dem Telefon und wählte die Nummer, die ihm sein Partner am Vortag auf den Papierfetzten gekritzelt hatte.

"Hallo?", meldete sich eine Stimme vom anderen Ende der Leitung.

"Guten Morgen, Sergeant."

"Oh, Morgen... I.. ähh Detective." Vom anderen Ende der Leitung ertönten seltsame Geräusche, als ob irgendetwas zu Boden fallen würde, dann wurde die Verbindung durch ein unangenehmes Rauschen unterbrochen. 
Nightblood zog die Augenbrauen hoch, obwohl er wusste, dass Miller nicht sehen konnte.

"Miller?", fragte er nach einiger Zeit in den Hörer und klopfte ungeduldig mit seinen Fingern auf die Tischplatte.

"'Tschuldigung, Detective."

"Wann haben Sie Zeit ins Büro zu kommen? Wir haben im Moment zwar keinen laufenden Fall, das bedeutet jedoch nicht, dass wir faullenzen können, Sergeant."

"Ja, natürlich, Sir. Ich werde gleich da sein. Bye", mit diesen Worten legte Samuel auf.

Isaac seufzte. Dieser Mann war sein bis jetzt schwierigster Fall gewesen. Er ließ sich in seinen Bürosessel sinken, griff sich eine Feder und setzte seine Unterschrift unter jedes der am Vortag ausgefüllten Formulare.

Kurze Zeit später schwang die Tür auf. "Guten Morgen Detective", begrüßte Samuel seinen Vorgesetzten. 

"Warum denn so energiegeladen heute?", reagierte Isaac trocken, ohne von seinem Schreibtisch aufzusehen.

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