Kapitel 1: Schweigen

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Nach der dreistündigen Zufahrt nach Köln, in der ich die gesamte Zeit aus dem dem Fenster des ICE's, auf Felder und kleine Bauernhöfe starrte, war der Zug fast angekommen. An der letzten Haltestelle vor Köln wuchtete ich meine riesigen schwarzen Koffer, in dem sich all meine Besitztuemer befanden, von der Ablage über den Sitzen. Am Kölner Hauptbahnhof irrte ich erst einmal zehn Minuten herum, bis ich endlich durch die dichte Menschenmenge zum Eingang des Bahnhofs fand und mich zur Strasse durchschlug. Dabei wurde ich von mehreren Leuten angeremmpelt, was bestimmt ein paar blaue Flecken geben würde,wie ich genervt dachte. Am Straßenrand blieb ich schnaufend stehen und hielt nach meiner Schwester Luise und ihrem dunkelgruenen Audi Ausschau. Schließlich entdeckte ich sie ein paar Meter weiter lässig an ihrem Wagen lehnent. Ihre Beine steckten in lila Roehrenjeans. Sie trug ein pinkes Top mit Spaghettiträgern und eine dunkelblaue Jeansjacke. Ihre blonden Haare fielen in perfekten Locken über ihre Schultern. Ich hatte ganz vergessen wie schoen meine Schwester Luise eigentlich war. Wir waren zwar zumindest Halbschwestern, aber wir hatten kein bisschen Ähnlichkeit miteinander. Weder vom Verhalten, noch vom Aussehen. Wir sind beide bei unserer Mutter und Luises Vater aufgewachsen. Er war aber vor drei Jahren einfach abgehauen und Luise war vor einem halben Jahr achtzehn geworden und hatte hier in Köln einen Job als Kellnerin in einem kleinen Bistro namens Julianas angenommen. Sie bekam keinen besseren Job, da sie die Schule abgebrochen hatte, als sie nach Köln zog. Gegen sie war ich nur ein etwas zu grosses Mauerbluemchen, das eine durchschnittliche Figur, blaue Augen und zu bleiche Haut hat. Über mein Aussehen will ich mich jetzt aber auch nicht beschweren, das Problem ist nur, dass ich mir neben meiner Schwester total Unbedeutend vorkomme. Luise ist unglaublich selbstbewusst und alle Leute hören ihr sofort zu, wenn sie nur den Mund ausmacht. Aber das war auch schon in der Schule so. Sie hatte ihr eigenes Gefolge. Ich dagegen wurde immer nur ihretwegen akzeptiert, das hat mir aber noch nie besonders viel ausgemacht, weil ich die Pausen sowieso lieber alleine auf einer Bank mit meinem Lieblingsbuch verbracht habe. Zu Hause habe ich mich schon an die Schule gewöhnt und habe die schiefen Blicke gar nicht mehr beachtet. Es graute mir aber davor in einer neuen Schule noch einmal ganz von vorne anzufangen und die neugierigen Fragen meiner neuen Mitschüler über mich ergehen zu lassen. Doch nach dem Tod unserer Mutter vor einem Monat, musste ich erst einmal kurzfristig bei meiner Großmutter unterkommen, aber das war keine Lösung für längere Zeit, da sie selbst schon sehr alt und krank war und bald in ein Heim musste. So blieb mir nichts anderes übrig als zu Luise nach Köln zu ziehen. Nicht das die Beziehung zu meiner Halbschwester schlecht gewesen wäre, aber wir haben uns auch noch nie besonders nahe gestanden. Doch nach dem plötzlichen Tod unserer Mutter bei einem Autounfall hatten wir auf die schnelle keinen anderen Weg finden können. Ihr Tod hatte uns beide sehr geschockt. Angeblich ist ein Gesterfahrer auf ihrer Spur gefahren und die beiden Autos sind voll ineinander gekracht. Das ironische an der ganzen Sache ist, dass meine Mom direkt am Unfallort gestorben ist und der Mann hat mit ein paar Rippenbruechen überlebt. An diesem Abend hatte ich zusammen mit Luise, die für einige Tage zu besuch gekommen war einen Film ausgeliehen, als plötzlich ein Anruf von der Polizei kam, die uns mitteilte, dass unsere Mutter tot sei. Wir haben es erst für ein Missverständnis gehalten, aber wahrscheinlich wollten wir es einfach nicht wahrhaben. Die nächsten Tage habe ich mich im meinem Zimmer verkrochen, während Oma und Luise sich um die Beerdigung gekümmert haben. Ich habe die Trauerfeier die ein paar Tage später anfing nicht ausgehalten und bin mittendrin einfach verschwunden. Luise ist nach der Feier zurück nach Köln, um eine Wohnung für uns beide zu suchen. Für sie hat von Anfang an festgestanden, dass ich bei ihr wohnen würde, was ich ihr sehr hoch anrechne, da ich sonst niemanden mehr hatte. Mein Vater ist schon vor Jahren gestorben, zumindest hat das meine Mutter gesagt. Sie sind zusammen gewesen, als Luises Vater und Mom eine Zeit lang wegen eines heftigen Streits getrennt waren. Da ist Luise grade einmal zwei Jahre alt gewesen. Nach ihrer Versöhnung und der Trennung von meinem Vater hat Mom dann erfahren, dass sie schwanger ist, aber für sie und Mark, so heißt Luises Vater, stand für fest, dass ich als seine Tochter aufwachsen sollte und keinen Kontakt zu meinem richtigen Vater brauchte. Das hat mich aber auch nie gestört, da ich ja schon einen Vater hatte, mit dem ich mich sehr gut verstand. Als er dann einfach verschwunden ist, ist für mich und Luise eine Welt zusammengebrochen.

Verlorenes Herz (noch in Arbeit)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!