*19. Erfolg und Misserfolg*

5.6K 416 15

Es war Samstagabend und Kathrine saß bei mir zu Hause auf der Matratze die sie über Nacht eingenommen hatte. Ich hatte ihr, nach langem hin und her, die ersten drei Kapitel des Buches gegeben. Wir gingen die Zeilen zusammen durch und es tat gut ihrer nachdenklichen Stimme zu zuhören. Mum war damit einverstanden gewesen, dass Kathrine übers Wochenende blieb und ich war froh, nicht alleine zu sein.

Es kam mir vor, wie eine Pyjama-Party, wie die, die Monique und ich veranstaltet hatten. Wir sahen uns über Kaths Handy sogar einen Film an und sie erzählte mir von Jesse und sich, den Blick starr auf meine Decke gerichtet.

Auf Dauer zerrte allerdings alles an mir, einfach zu lachen und ohne Bedenken mit Kath zu sprechen, doch ich musste mich daranhalten, nie auffällig zu werden.

»So, ich bin nun die zweite Nacht bei dir«, murmelte Kathrine und streckte sich auf der Matratze aus. Wir sollten uns langsam überlegen, wie wir als nächstes Vorgehen wollten.

»Sie wird es mir nicht erlauben, Kath«, murmelte ich und sah unsicher zu der Tür. »Meine Mum darf niemals erfahren, dass wir bis nach Santa Monica fahren wollen!«

Kathrine nickte und wippte nachdenklich mit dem Kopf hin und her. Links, rechts, links, rechts. Dabei drehte sie ihren Ring zwischen den Fingern und starrte unaufhörlich zur Decke. Dann seufzte sie, setzte sich mit einem Ruck auf und nahm einen meiner beschriebenen Zettel zur Hand. Ich musste noch viel nachholen, war nicht einmal ansatzweise weit gekommen.

Ich genoss Kaths Anwesenheit, ich genoss es mit ihr über meine Vergangenheit zu sprechen, mit ihr meine Fehler auszubügeln und es zu verbessern – wenn es mit meiner Vergangenheit nur so einfach wäre.

»Du erwähnst Lukas sehr oft«, bemerkte Kathrine. Ich erstarrte. Im Grunde hatte ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass sie nach ihm fragt.

»Er ist nun mal ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit.«

»Trotzdem erwähnst du nicht, was damals passiert ist.« Kathrine strich sich mit den Händen übers Gesicht. »Oder wieso Monique und Dani dich hassen.«

Mein Herz bleibt stehen, ich kriege keine Luft. Zitternd versuche ich Luft in meine Lungen zu kriegen, versage, höre wie mein Herz wieder anfängt, panisch den restlichen Sauerstoff durch meinen Körper zu pumpen. »Ich will nicht drüber reden«, stoße ich hervor.

»Irgendwann wirst du es aber müssen, Cynthia, das bringt dich sonst noch um.« Ein Schlag in die Magengrube, es presst mir kostbare Luft aus den Lungen. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass mich jede Erinnerung umbrachte, jeder Gedanke, jede Entscheidung.

»Lass uns bitte für heute aufhören«, murmelte ich und sammelte die Blätter meiner Geschichte zusammen. Sobald ich sie grade gerichtet hatte, schob ich sie in die dunkelste Ecke meines Bettes, der Ort, von dem ich hoffte, dass meine Mutter nie hinsehen würde.

»Es tut mir leid«, murmelte Kath und ich seufzte leise. Inzwischen ließ meine Lunge wieder Luft in sich strömen, mein Herz pumpte gleichmäßig, die Panik von eben war fast gänzlich vergessen.

»Ich bin dir nicht böse«, sagte ich wahrheitsgemäß und langte nach meinem Collegeblock. Bewaffnet mit Papier und Stift ließ ich mich zu Kath auf die Matratze nieder.

»Was tust du?«

»Seit ich diese Liste mit den Wünschen führe und mir notiere, was ich erlebe, neige ich dazu alles aufzuschreiben, hilft mir beim denken«, erklärte ich und zauberte Kathrine somit ein Grinsen ins Gesicht. »Ich weiß, es ist idiotisch. Jedenfalls: Plan A war, dass du hier übernachtest.«

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!