●8 - Ich gehe auf eine Schnitzeljagt auf Leben und Tod. Yay...

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»Fen, hast du eine Ahnung, wo wir überhaupt hingehen?«
Wir staksten nun bereits seit gut zwei Stunden durch den hügeligen Wald.

»Es ist nicht mehr weit, versprochen. Du kannst dich übrigens, sollten wir die Scheiße hier überleben, bei meiner Oma bedanken... Die wohnt hier nämlich und weiß blendend über die Gegend hier Bescheid, auch über den antiken Teil. Sie hat mir immer erzählt, wo hier welche Dörfer waren, beziehungsweise sind.« Fen hüpfte über einen dicken Ast und ich kletterte nach ihm darüber.

Ich atmete seufzend aus.
Und dann, dann lichtete sich der Wald und wir blickten auf ein kleines Fischerdorf. Mit allem drum und dran. Nur halt etwas spartanischer als die Dörfer heutzutage. Und so, wie Fen stolz grinsend vor mir stand, bemerkte ich erst, wie angsteinflößend angepasst unsere Kleidung war.

»Wann haben wir uns denn umgezogen?«, fragte ich frustriert und zupfte an meinem dunkelblauen Leinenhemd. Das einzige, was mir von meiner alten Kleidung geblieben war, war meine Kette, worüber ich recht froh war.
Fen schaute ebenso verblüfft an sich herunter, schien den Klamottenwechsel aber um einiges gelassener zu sehen.

Wir gingen nun also in dieses Fischerdorf und rannten direkt in eine Frau; sie war vielleicht etwas älter als meine Mutter.
Und sie begann, in einer Sprache zu reden, die ich noch nie gehört hatte...

Fen schien zumindest annähernd zu verstehen, was die Frau sagte, doch auch seine Stirn bekam Falten.
Doch dann – wie als hätte jemand einen versteckten Schalter in meinem Hirn umgelegt, von dem ich nicht wusste, dass er existiert –, begann ich die Frau zu verstehen und auch Fens Stirn glättete sich.
»– Namen? Von wo kommt ihr beiden denn eigentlich her?« Sie zog eine Augenbraue nach oben.

Fen war der erste, der die Sprache wiederfand: »Mein Name ist Fen–« Er stockte. »Fenris Ny–... Äh, Erikson.«
Erikson? Was? Hä?

Die Frau blinzelte ein paar mal, dann wendete sie sich an mich.
»Und dein Name?«

»Cassiel Wei–« Ich konnte meinen Satz nicht beenden, da rief Fen: »Piason!«
Ich schaute ihn verwirrt an.

»Ein ungewöhnlicher Name«, sagte die Frau skeptisch.
Dann meinte sie aber wieder freundlich: »Mein Name ist Gilla. Euch muss schrecklich kalt sein, ihr seid ja voller Sand! Seid ihr Schiffbrüchige?«
Fen keuchte schon fast zu hastig: »Ja. Ja, das sind wir.«
»Oh, wie tragisch! Kommt mit, dann könnt ihr euch Aufwärmen!«

»Eine wirklich nette Frau«, meinte ich zu Fen, als wir der Frau durch das Dorf folgten.

»Gewöhn dich nicht dran, die meisten hier werden nicht wirklich die sanfte Art Mensch sein... Obwohl wir es mit einem einfachen Fischerdorf schon echt gut getroffen haben... Oh, wären wir auf Wikinger gestoßen... Wir wären jetzt schon als Sklaven auf dem Weg nach sonst wo...«, murmelte er zurück. Ich nickte nur, nicht wirklich sicher, was ich dazu sagen sollte.

Die Frau war anscheinend die Ehefrau des Jarls, oder so ähnlich...
Aufjedenfall gehörte dem das Dorf, also war er sowas wie der Bürgermeister? Ich verstand diese Regelung nich so ganz, es klang alles wie Salat mit Marmelade in meinen Ohren.

Das Ehepaar hatte auch eine Tochter, welche etwa so alt wie Fen und ich war, eher sogar etwas jünger. So um die zwölf, dreizehn.

Sie hatte pechschwarze Haare und grüne Augen, die einen erdolchen könnten. Sie hatte diesen Blick, der dir zeigte: ›Ich weiß genau, zu was ich in der Lage bin, und du solltest Angst haben‹.

Und ich hatte Angst, aber Fen hingegen begegnete ihrem grünen Blick mit einem Eisblauen und sie schaute kurz erstaunt, dann wieder warnend.
Fen wandte sich von ihr ab.

»Ihr könnt fürs Erste in einem der Sklavenhäuser schlafen. Dann sehen wir, was wir mit euch anstellen«, sagte der Jarl Gustav Gustavson... Wo ich sagen muss, echt einfallsreich, der Name.

Wir verbrachten also die Nacht auf Strohmatratzen, die mir immer wieder in den Rücken stachen.
Kurz gesagt, ich konnte beim besten Willen nicht einschlafen.
Fen neben mir hatte sich wie ein Hund zusammengerollt und schnarchte leise vor sich hin, mit seinem Gesicht in meine Richtung.

Ich dacht darüber nach, ob die Zeit in unserer wirklichen Zeit eigentlich normal weiterlief und ob meine Mutter dann schon eine ihrer Panikattacken hatte... Ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machte, doch selbst, wenn ich könnte, wüsste ich nicht, was ich sagen sollte, um sie zu beruhigen.

Ich lag auf dem Rücken.
»Du, Fen, woher wusstest du eigentlich, wie meine Mutter heißt?«, fragte ich in die kühle Luft.
Ich wusste nicht ganz, ob ich überhaupt eine Antwort erwartete, Fen schlief ja, da war ich mir eigentlich sich, und grade als ich anfangen wollte mich über meine Dummheit aufzuregen, bewegte sich Fen ein bisschen und sagte: »Ich hab den Namen auf der Klassenliste gesehen. Ich hab die bekommen, damit ich die Namen besser lernen kann. Aber ich bitte dich, ich kenn die Namen von mindestens 15 Göttern auswendig, und die haben gerne mal mehr als drei Namen, mit verschiedenen Bedeutungen... Dann schaff ich auch eure Namen.«
Ich nickte nur stumm.

Da bewegte Fen sich nochmal. Er nahm eine meiner Hände in seine und platzierte sie zwischen unseren Köpfen.
»Wir schaffen das, Cassi, wir erfüllen, was auch immer die Götter wollen. Dann geht's wieder nach Hause«, sagte er leise.

Dann war er auch wieder eingeschlafen und ich starrte auf unsere Hände, die ineinandergriffen. Fen hatte wirklich warme Hände; sie waren rau, aber warm.

Fragt mich nicht wie, aber irgendwann schlief ich dann auch.

Am nächsten Tag, nachdem wir etwas Essen von Gilla bekommen hatten, besprachen wir, was nun mit uns passieren sollte.
Wir gingen ohne weiteres als alt genug, um alleine durchs Land zu wandern, durch, dass ich mir wirklich Sorgen machte. Aber das war ja eigentlich gut für uns.

Fen fragte so beiläufig wie es ging nach der nächsten Völva in der Gegend oder zumindest einem Seiđrmann (Was auch immer das jetzt schon wieder war...).
Gilla erzählte von einer Seherin, die nicht weit von hier leben solle. Genaueres konnte sie aber auch nicht sagen.

Und so begaben Fen und ich uns auf eine Schnitzeljagd im Hardcore-Level...
Oder wie ich es auch gerne nannte: Eine Schnitzeljagd auf Leben und Tod...
(Hilfe.)

Zwei Welten - Wie im Himmel so in Midgard Where stories live. Discover now