3) Relentless pursuit

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Ich renne. Ich renne auf ihn zu. Unentwegt sehe ich direkt in seine Augen, in diese Augen, die meinen gleichen. Doch auf einmal verliere ich den Blickkontakt, da vor mir eine Gruppe Schülern stehen bleibt. Sofort laufe ich um sie herum, doch er steht nicht mehr da. Der Junge den ich schon am Bahnhof gesehen hatte, ist schon wieder verschwunden. Panisch schaue ich mich nach alle Seiten um und drehe mich im Kreis. Nein! Er darf nicht weg sein! Nicht schon wieder! Tränen steigen in meinen Augen hoch. Nein. Doch gerade als ich aufgeben will, sehe ich ihn wieder, oben auf der Treppe stehen und er schaut  mich an. Einen Moment verharre ich in meiner Starre und werde von seinen Augen wiedermal in einen Bann gezogen, doch dann reiße ich mich los und laufe auf ihn zu. Er denkt aber erst gar nicht daran zu warten, bis ich bei ihm bin, nein, er dreht sich um und rennt los. "Scheiße" murmle ich und nehme die gnadenlose Verfolgungsjagd auf. 

Er ist schnell, aber das bin ich auch und ich kenne mich hier in der Gegend sehr gut aus, sodass ich weiß ich auch wo hier die Abkürzungen sind, die ich auch nutze. So sollte ich ihm jetzt einiges an Weg vorraus sein und als ich aus dem Gässchen  hervor trete, läuft er mir in meine Arme und reißt mich mit sich zu Boden. "Tschuldigung", murmelt er mir zu. Keine Sekunde später wird ihm klar, wen er da umgerannt hatte. "Scheiße.", sagt er als er sich aufrappelt, doch bevor er noch einmal die Flucht ergreifen kann, packe ich ihn am Arm und halte ihn fest. "Warte! Bitte." Ich versuche aufzustehen und halte mich dabei an seinem Arm fest. Der Junge ist gut durchtrainiert, sein Arm ist echt muskulös. "Bitte", wiederhole ich noch einmal flehend, er sieht mir immer direkt in die Augen und seufzt einmal. "Gut, was willst du von mir? Wieso verfolgst du mich?" Ich will etwas erwidern wie: Du tauchst plötzlich auf und dann bist du wieder verschwunden! Doch stattdessen sage ich: "Schau dir meine Augen an! Sie sind genauso wie deine!" "Und deswegen verfolgst du mich? Weil ich die gleiche Augenfarbe wie du habe? Du bist doch krank!" Er wendet sich ab, doch ich halte ihn immer noch am Arm fest. "Nein! Es ist nicht nur die Augenfarbe! Du hast auch diesen goldenen Ring um die Iris, wie ich!" Er umfasst mit seinen Händen mein Gesicht und hebt mein Kinn an, sodass ich wieder in seine Augen sehe. Für einen Moment halte ich den Atem an und habe den bescheuerten Gedanken, dass er jetzt mit mir reden würde, doch als er mein Gesicht loslässt, schaut er mich nicht mehr an. "Dein Ring ist aber geschlossen, meiner ist an einer Stelle offen. Also haben wir doch nicht die gleichen Augen! Und jetzt lass mich in Ruhe!"

 Ich kann es nicht fassen! Nicht die Tatsache, dass unsere Augen doch nicht gleich sind, sondern dass er mich so anschreit und was ich als nächstes sage, schreie ich: "ICH soll DICH in Ruhe lassen? Du bist doch der, der auf einmal vor dem Zugfenster stand und verschwunden ist! Du bist der, der im Pausenhof MEINER Schule war! Du bist der, der weg gerannt ist!" "Und du bist die, die mir hinter her gerannt ist!" jetzt reicht es mir aber langsam! "Bloß, weil ich wissen will wer du bist und weil du überall auftauchst und wieder verschwindest!" "Also dir Verrückten sag ich meinen Namen ganz bestimmt nicht! Und ich glaube dass du jetzt scheiß Ärger bekommst!", sagt er und zeigt hinter mich. Ich drehe mich um und sehe den Direktor und meinen Leher auf mich zu laufen. Scheiße! Heute passiert echt zu viel scheiße! Ich drehe mich wieder zu dem Jungen um "Nur, dass du's weißt-" er ist weg.

Mal wieder.

Enttäuscht stehe ich da, bis mein Lehrer mich am Arm packt. "Du bleibst jetzt gefälligst hier!" "NEIN!", schreie ich und trete um mich. Ich schaffe es mich von ihm loszureißen und renne los, dieses mal renne ich aber nicht hinter jemandem her, sondern vor jemandem weg. Immer wieder laufe ich durch kleine Gassen und hoffe, dass die beiden meine Verfolgung aufgegeben haben, aber plötzlich steht mein Lehrer vor mir. Er packt mich an den Schultern und schlägt mich. "DU BLEIBST JETZT WO DU BIST!!!" also das ist jetzt eine Seite die ich von ihm zuvor noch nicht gekannt habe und diese Seite macht mir noch mehr Angst, als die, die mich immer pisackt. Ich kann meine Tränen nicht mehr unterdrücken, mein Leben macht echt keinen Sinn mehr. Schluchzend sage ich: "Lassen sie mich los." Ich habe keine Kraft mehr um mich zu wehren, geschweige denn weg zu rennen, doch zu meinem Überraschen lässt er mich tatsächlich los. "Es tut mir Leid. Es ist einfach so-" mehr höre ich ihn nicht sagen, da ich einfach weglaufe, ich renne nicht, ich laufe ganz normal.

Ich habe nur ein Ziel vor Augen. Von dem mich nichts und niemand mehr abbringen kann.

Angel's cryingLies diese Geschichte KOSTENLOS!