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Pen Your Pride

Jenny POV

"Was machst du denn hier?!", zischte eine Stimme.

Ich drehte mich erschrocken um und schaute in die Augen meiner Mutter. Sie trug einen grünen Parker und sah nicht anders aus. Konnte man überhaupt so aussehen, wenn man seit Tagen auf der Straße lebte? Auch ich hatte die letzten vier Tage auf einer Parkbank geschlafen, weil ich nirgendwo hinkonnte. Ich hatte in den Nächten zugegeben Maßen Angst gehabt vor der kriechenden Kälte und vor fremden Männern. Mir war dann klar geworden, dass sich an meinem Zustand schnell etwas ändern musste. Aber wie?

"Das könnte ich auch dich fragen.", antwortete ich eingeschnappt.

"Es freut mich, dass es dir gut geht." Ich schoss ihr einen verständnislosen Blick zu. Was hielt sie eigentlich von sich? Die Erinnerung, in der sie mich geschlagen hatte jagten mir einen gewaltigen Schauer über den Rücken.

"Warum glaubst du denn, dass es dem  kleinen Miststück gut geht? Freut es dich, dass ich seit Tagen auf der Straße lebe und du anscheinend mit deinem beschissenem Leben zufrieden bist?" Ich räusperte mich und verschränkte die Arme.

"Jenny, ich wusste nicht, dass du-", sagte sie erschrocken.

"Ach nein? Du willst so vieles anscheinend nicht wissen, oder? Weißt du was?! Leck mich. Ich will nicht noch eine Minute länger in dein erbärmliches Gesicht blicken müssen." Mit beiden Händen streifte ich meine Hände an der kalten Hose ab und stand auf; bereit zu gehen.

"Nein!", jammerte meine Mutter kläglich und krallte ihre Nägel in meinen Arm.

Ich zuckte unter der Berührung zusammen und unterdrückte einen schrillen Schrei.

"Gerade wohne ich bei meinem Neuen. Er heißt Dan und er nimmt dich auch auf, wenn ich ihm alles erklären würde.", erklärte sie schnell.

Klar, sie hat schnell ein bisschen herumgehurrt. Jetzt weiß ich wenigstens wovon ich es geerbt habe. Die braunen Augen meiner Mutter blitzten, sie hatte meinen Arm noch nicht losgelassen. Ich zog an meinem Arm und sie gab ihn endlich frei. Wenn ich mit Mum und diesem Dan unter einem Dach leben sollte, wusste ich, dass irgendetwas immer schief lief und ich es nicht lange aushalten würde. Aber dann hätte ich auch eine Hütte... Ich zuckte mit den Schultern, weil ich ihr nicht vertrauen konnte und sie mich verletzt hatte.

"Es tut mir leid. Könntest du es wenigstens versuchen?", flüsterte meine Mum.

Wieder zuckte ich mit meinen Schultern. Als mehrer Minute Stille vergingen, holte meine Mum einen Zettel heraus und notierte mit einem Kugelschreiber, soweit ich das erkennen konnte, eine Adresse darauf. Dazu legte sie £20.

"Für die Bahn. Ich hoffe, dass ich dich zum Abendessen sehe." Mit diesen Worten verschwand sie und ließ mich allein auf der Bank sitzen.

Wenigstens hatte sie mich nicht in ein Taxi gezwungen und ließ mich selbst entscheiden. So viel zu freien Entscheidungen… Ich griff schnell nach dem Zwanziger und der Adresse. Ich wusste wo das war. Sie wohnten ungefähr zehn Blocks von Kevin entfernt.  Natürlich hatte ich keine Ahnung von dem Block; nur, dass er nicht besser war, als die in seiner Umgebung.

"Was denkst du?", murmelte ich und streichelte über meinen Bauch.

Er war für den siebten Monat schon sehr groß und es fiel mir schwer ihn zu ignorieren. Dann geschah es. Ich spürte, wie etwas sanft gegen meine Hand kickte. Ein Lächeln platzierte sich auf meinen Lippen, doch verschwand sofort  wieder. Ich darf nichts bei diesem Ding fühlen. Ich runzelte die Stirn aber das, was ich fühlte war pure Faszination. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte. Ich fühlte nur puren Hass für dich. Du bist ein Fehler. Ein Fehler. Einmal hatte ich gelesen, dass ich mein Kind zur Adoption freigeben könnte. 

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