Krankenhaus

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Ich öffne meine Augen. Über mir gebeugt steht Markus und meine Mum. ,,Sie ist wach! Oh Schatz, du bist endlich wach!", ruft Mum. Ich blinzle verwirrt. ,,Was.. Was ist passiert?". ,,Es tut mir so Leid das war alles meine Schuld!", meint Markus und in seiner Stimme höre ich wahre Besorgnis. Aus einer Ecke höre ich meinen Vater brummen: ,,Unsinn, das war ein Unfall das konnte niemand wissen!". Und da fällt es mir wieder ein. Das Wildschwein, der Abhang bei dir Lichtung. ,,Schatz...", beginnt meine Mum, ,,...Wir müssen dir etwas sagen." In dem Moment kommt ein Arzt ins Zimmer. ,,Aha, meine Patienten ist aufgewacht, da freue ich mich! Nur leider haben wir schlechte Nachrichten, Herr und Frau Richter, wenn sie kurz mit raus kommen könnten? Eventuell wäre es besser wenn sie es ihrer Tochter mitteilen.", sagt er und ich schaue meine Eltern mit offenem Mund an. ,,Nein, ich glaube es wäre besser wenn sie es Kayla sagen, jetzt am besten, wenn wir anwesend sind.", sagt mein Vater und wendet seinen Blick von mir ab. War das eine Träne die ihm über die Wange gerollt ist?  Der Arzt nickt. ,,Kayla... Bei deinem Sturz ist ein Felsenstück auf deine Beine gefallen und als wir dich geborgen haben, waren deine Beine ab der Mitte deiner Obeeschenkel vollkommen abgestorben, wogegen wir nichts mehr tun konnten.", sagt er dann. Ich starre ihn an und versuche meine Beine zu bewegen. Ich spüre sie nicht. Der Arzt schaut mich besorgt an. ,,Du bist gelähmt. Und wie es ausschaut wirst du dein Leben lang im Rollstuhl sitzen müssen, weil keine Heilungsart für einen Fall wie deiner existiert. Es tut mir sehr Leid." Meine Mutter schluchzt laut auf, mein Vater atmet mehrmals tief ein und verlässt schließlich den Raum. Ich blicke zu Markus. Er hält seine Hände vor die Augen und sitzt aufgestützt an einem Tischchen. Der Arzt verlässt das Zimmer. Ungläubig starre ich auf meine Beine. ,,Die Ärzte konnten sie erhalten, Liebling aber... Mehr auch nicht. Es tut mir unendlich Leid!", weint meine Mum. Das Schlimmste ist, dass ihr die Tränen einfach so über die Wangen strömen. Ich muss nicht weinen. Weshalb weiss ich nicht. Was wird wohl auf mich zukommen?

Ungefähr eine Woche später darf ich nach Hause. Ich habe einen Rollstuhl mit Elektromotor bekommen, in pink, was die Sache aber nur im minimalsten verbessert. Zuhause hat sich viel verändert. Meine Eltern haben mit Freunden eine Rampe neben der Treppe zur Haustür gebaut, mein Zimmer ist jetzt nicht mehr oben sondern in das Wohnzimmer wurde ein neues, grosses Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch-ohne Stuhl-und eine Hängematte, wie auch immer ich da reinkommen soll, gebracht und in meinem Zimmer steht das Sofa und der Fernseher. In die zweite Etage werde ich demnächst nur mit seehr viel Mühe und mithilfe meiner Eltern kommen, aber das Bad und die Küche sind im Erdgeschoss und wurden behindertengerecht gemacht. Das Wort 'behindert' ist, wenn ich ehrlich bin sehr verletzend für mich. Ich trage sowieso schon so eine grosse Last auf mir und das ist nur noch belastender, diese ganzen Ausdrücke sie vorher nur Bezeichnungen für irgendwelche xbeliebigen Menschen waren. Netzt bin ich selbst so einer. Und morgen geht die Schule wieder los. Markus und Ben werden mich im Stuhl die Treppen hochschleppen, Katja und Marie haben versprochen aufzupassen und auch zu stützen und somit hat meine Mum entschieden dass ich zur Schule darf. Auch wenn ich mich dabei sichtlich unwohl fühle. Den Rest der Tages verbringe ich damit, die Wege im Haus auszuprobieren und mehrfach einige Türschwellen mit anderen Methoden zu überwinden. Dann, am späten Nachmittag kommt mein Bruder Chris nach Hause. Er begrüßt mich, in dem er mich aus dem Rollstuhl hebt und wie eine Braut auf seinen Arm verfrachtet. ,,Prinzessin? Wie gehts? Alles klar zu Hause?", fragt er. Ich nicke lächelnd. ,,Ich hab ne Überraschung! Aber sag Mum nichts!", sagt er dann und trägt mich in die Garage. Dann geht er zurück zum Haus und kommt wenig später mit dem Rollstuhl wieder. Er werkelt am Motor rum, und sagt schließlich: ,,Tada! 30km/h!". Ich starre ihn an. ,,Wow! Danke,  Chris! Du bist der beste!!" Wir essen zu Abend und reden viel und lachen, erzählen uns Witze und ich fühle mich wie in einem wunderbaren Familienurlaub. So sassen wir lange nicht mehr zusammen... Und es ist eigentlich so schön! ... Als Dad mir helfen will, ins Bett zu kommen, lehne ich dankend ab und bin stolz auf meine Armmuskeln als ich letztendlich im Bett liege, mit meinem iPhone und ein bisschen mit ein paar Freunden auf WhatsApp schreibe. Ich fühle mich beinahe ganz normal.

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