Ein letztes Mal

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Langsam beruhigten Ben und ich uns wieder und atmeten entspannt aus. Draußen sangen die Vögel voller Freude, während ich meine Bauchmuskeln zu spüren bekam. Ich war vollkommen außer Atem und genoss die Ruhe die herrschte, bis Brownie mit lautem Bellen auf sich aufmerksam machte. Ich wandte mich also dem großen Labrador zu, der wild durch die Wohnung hüpfte. 

„Ich glaube er muss mal.“ Sagte Ben in die Stille, die unter uns Dreien geherrscht hatte. 

„Denke ich auch.“ Bestätigte Nils und erhob sich von dem weichen, weißen Sofa. 

In aller Gemütsruhe lief er durch das Wohnzimmer zu einem alten Schrank und kramte aus der untersten Schublade eine Leine. Dann drehte er sich zu uns und schaute uns fragend an.

„Wollt ihr nicht mit?“

„Wir sind dabei.“ Antwortete Ben mit für mich und erhob sich ebenfalls. Völlig schlapp blieb ich auf der Couch sitzen und verspürte keinen Drang einen Spaziergang zu unternehmen, da mein Bauch sich nun grauenvoll anfühlte. 

„Na los komm schon.“ Ben stand vor mir und hielt mir seine Hand hin. Ich stöhnte einmal auf und griff in diese riesen Hand, die sich rau anfühlte. 

Mit einer eleganten Bewegung riss mich Ben von der Couch. Ich geriet kurz ins taumeln, wurde aber sofort von starken Armen umfasst, die mich auf den Beinen hielten.

„Ein bisschen weniger kräftig hätte es auch getan.“ Sagte Nils, der mich festhielt, und warf Ben einen bösen Blick zu. Ben murmelte daraufhin nur eine Entschuldigung und guckte beschämt zu Boden. 

„Geht?“ hörte ich ihn leise neben meinem Ohr fragen und komischerweise löste es bei mir eine Gänsehaut aus. Meine Stimme war für diesen Moment weg, also nickte ich nur stumm und ging zu Brownie, der Mitten im Wohnzimmer stand und fuhr mit meiner Hand durch sein Fell. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Nils wieder zu dem alten Schrank ging und aus einer anderen Schublade eine Pistole nahm. 

„Brauchen wir die?“ 

„Da draußen laufen Wölfe und Wildschweine rum. Und ich hab keine Lust mich aufspießen zu lassen von einem aufgebrachten Wildschwein, weil Brownie seine Nase mal wieder überall reinstecken musste.“ Antwortete Nils Ben, der mit den Schultern zuckte und ihm zustimmte. 

Doch dieses Gespräch zog irgendwie an mir vorbei. Meine Augen waren auf die Waffe gerichtet, die wie in Zeitlupe, in Nils Tasche verschwand. 

Mein Gehirn fing an zu arbeiten und ich spürte wie Adrenalin durch meine Blutbahnen strömte, obwohl noch nichts Besonderes passiert war. 

Vielleicht ahnte mein Körper dass ich bald sterben würde und wollte deswegen noch einmal alles verbrauchen was er hatte. Mir sollte es Recht sein. Doch trotz meiner Entschlossenheit, war noch was anderes da was mir Angst machte. Ich glaube nicht, dass es der Tod war. Ich denke eher, es war das Mitleid, das ich für die beiden Entführer empfand. Einen Menschen zu töten war schließlich nicht so einfach. Vielleicht konnte ich sie dazu ermutigen, doch bevor dieser Gedanke sich verfestigte, verdrängte ich ihn. Was für ein Schwachsinn ich doch wieder dachte. Als ob mich jemand umbringen würde, wenn er wüsste das er es tun sollte. Es waren zwar Schwerverbrecher, doch ein Mord war was vollkommen anderes. Also brauchte ich den Überraschungsmoment für mich. Den nur dann würden sie völlig Instinktiv handeln und zur Waffe greifen. Und nur dann würden sie schießen, damit ihr Geisel nicht entkam. 

Also musste ich meinen Plan, der vorerst nur aus der Flucht und dem darauf folgendem Tod durch einen Schwerverbrecher der mit einer Waffe schoss, bestand, so stehen lassen und auf einen geeigneten Moment warten. 

„Kommst du?“ Ich zuckte zusammen und wandte meinen Blick von der Waffe zu Nils und Ben die mich misstrauisch anschauten. 

„Ja.“ Piepste ich und hätte mir selber in den Arsch treten können für so eine kleinliche, schwache Stimme. 

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