Endlich bin ich wieder zurück in meiner geliebten Heimat. Nach zwei Jahren betrete ich wieder deutschen Boden und noch nie habe ich mich so sehr gefreut wieder Zuhause zu sein, wie jetzt. Ich atme die kühle Luft von Dortmund ein und schaue in den Himmel. Dieser ist blau und die Sonne scheint am Himmel und das mitten im Dezember. Erst jetzt wird mir richtig bewusst, wie sehr ich Dortmund eigentlich vermisst habe. Nicht nur Dortmund, auch meine Familie und meine Freunde. Seit zwei Jahren habe ich sie jetzt nicht mehr in real life gesehen, sondern nur übers Internet. Und es wird Zeit, dass ich sie wieder alle in meine Arme schließen kann. Ich zücke mein Handy und schreibe meinem großen Bruder.

Hallo Bruderherz, ich bin soeben gelandet. Holst du mich ab?

Ich bin schon auf dem Weg. Ich freue mich das du wieder da bist!

Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit meinem Bruder steigt von Sekunde zu Sekunde. Er hat mir die letzten zwei Jahre unglaublich gefehlt und immer wieder gab es Momente, wo ich ihn am meisten gebraucht hätte. Mein Bruder ist mein Ein und Alles. Schon als Kinder hatten wir ein enges Verhältnis zueinander. Er war immer der tolle, große Bruder der seine kleine Schwester vor dem Bösen beschützt hat. Und das hat sich nicht geändert. Auch heute noch ist er der große Bruder der mich beschützt, auch wenn ich inzwischen schon erwachsen bin. Für ihn werde ich wahrscheinlich immer seine kleine Schwester bleiben, welche er beschützen muss. Ein lautes Hupen lässt mich zusammen zucken. Ich schaue mich um und entdecke das schwarze Auto von Marco. Endlich ist er da. Ich nehme meinen Koffer in die Hand und laufe mit schnellen Schritten auf ihn zu. ,,Ich habe dich so vermisst.", schluchze ich, als ich mich endlich in seinen Armen befinde. Zwei Jahre lang konnte ich ihn nicht umarmen. Und sofort fühle ich mich auch wieder sicher und geborgen. ,,Ich bin so froh, dass du wieder da bist. Länger hätte ich es nicht ausgehalten." Er drückt mir einen Kuss auf den Kopf und verstaut dann meinen Koffer in seinem Auto. Wir setzen uns in sein Auto und er lenkt es auf die belebten Straßen von Dortmund. Ich blicke aus dem Fenster und schaue die vorbei rauschende Landschaft an. In den zwei Jahren hat sich absolut nichts verändert und das ist auch gut so. Und auch wenn ich unglaublich froh bin wieder hier zu sein, vermisse ich meinen Freund in Brooklyn schon sehr. Er war einer der ersten Menschen, die ich außerhalb meiner Au-Pair Familie kennengelernt habe.

Mit meinem Kaffee in der Hand, laufe ich durch die Stadt. Heute war einer der wenigen Tagen, an denen ich mal frei hatte und die Zeit für mich genießen kann. Ich schaue meine Umgebung an, welche mir mittlerweile schon fast vertraut wirkt. Immerhin bin ich schon ein halbes Jahr in Brooklyn und das eigentlich nur wegen ihm. Ich bin geflüchtet. Geflüchtet vor ihm und vor den Gefühlen und dem Schmerz. Brooklyn soll meine Chance sein das alles zu vergessen. Ihn zu vergessen, doch bis jetzt gelingt es mir noch nicht. Nachts liege ich immer wieder wach und denke an ihn. Ich denke an ihn und unseren schönen Zeiten, die wir miteinander hatten. Wir hatten immer viel Spaß zusammen, haben immer viel Gelacht und alles war eigentlich perfekt. Wären da nicht meine Gefühle. Meine Gefühle für meinen besten Freund. Gefühle für den besten Freund meines Bruders. Ich fand den brünetten Muskelmann schon immer attraktiv, aber auch nie mehr. Aber plötzlich, von heute auf morgen, hatte ich da dieses seltsame Gefühl im Bauch wenn ich ihn gesehen habe. Das Gefühl von Liebe. ,,Hey! Pass doch auf.", schreit mich plötzlich eine dunkle Stimme an. Ich schrecke auf und sehe in strahlend grüne Augen. ,,Wegen dir ist jetzt mein ganzes Shirt versaut.", beschwert sich der Mann vor mir und sieht an sich herunter. Und tatsächlich. Sein graues Shirt hat jetzt braune Flecken. Oh man, warum muss das auch ausgerechnet mir passieren? ,,Oh man. Das tut mir unglaublich leid. Warte. Ich bezahle dir die Reinigung." Hektisch krame ich in meiner Tasche nach meinem Portmonee, als sich eine Hand auf meine legt. ,,Lass gut sein, ist halb so schlimm. Ich habe noch ein Shirt in meinem Rucksack.", sagt er und lächelt mich schüchtern an. Sein Lächeln ist wirklich bezaubernd. Es ist so warm und ehrlich. Einfach wunderschön. ,,Ich bin Timo und wie heißt du?" Der Hübsche hält mir seine Hand entgegen, welche ich annehme. ,,Ich heiße Ria." ,,Hey Ria. Hast du Lust einen Kaffee trinken zu gehen?", fragt er mich. ,,Ehm. Gerne. Aber nur wenn ich bezahle, immerhin habe ich dir dein Shirt versaut."

,,Wir sind da." Marcos Stimme holt mich aus meiner Erinnerung. Mittlerweile ist es schon dunkel, was darin liegt das es schon kurz nach acht Uhr ist. Marco holt meinen Koffer aus seinem Auto und schließt dann die Tür zu seinem Haus auf. Wir treten rein und sofort umgibt mich eine wohlige Wärme. Und auch in dem Haus. hat sich nicht viel verändert. Alles ist noch genau an seinem Platz, wie vor zwei Jahren. ,,Willkommen Zuhause." Robin erscheint im Flur und zieht mich sofort in seine Arme. ,,Schön das du wieder da bist.", nuschelt er in mein Ohr. ,,Ich bin auch froh wieder hier zu sein." ,,Ich mach uns einen warmen Kakao und dann quatschen wir erstmal." Robin löst sich wieder von mir und verschwindet dann in der Küche. Ich hänge meine Sachen an die Garderobe, als plötzlich eindeutige Geräusche vom obersten Stockwerk nach unten dringen. Verstört sehe ich Marco an, welcher nur seufzt. ,,Ich erzähle dir gleich alles." Ich nicke nur und folge ihm in die Küche. War das etwa Marcel? Natürlich war das Marcel, wer denn sonst? Ich wollte ihn vergessen und das habe ich auch. Aber warum sticht mein Herz, wenn ich das höre? Ich liebe Marcel doch nicht mehr. Mir sollte egal sein was er tut und mit wem er es tut. ,,Also dann erzählt mal, was ich alles verpasst habe?" Wir drei sitzen am Küchentisch mit einer Tasse warmen Kakao. ,,Wo sollen wir anfangen? Seit du weg warst fing alles an scheiße zu werden. Marcel wurde plötzlich richtig komisch. Er hat sich von uns abgewandt und war nur noch unterwegs in irgendwelchen Clubs. Dann hat er regelmäßig Tussis abgeschleppt, wie du gehört hast. Er ist einfach nicht mehr Marcel.", erklärt mir Robin, während ich an meinem Kakao nippe. Oh man. Was ist nur mit Marcel passiert? Er war nie der Typ, der die Frauen regelmäßig gewechselt hat. Im Gegenteil, er ist die treuste Seele die ich je kennengelernt habe. ,,Da gibt es aber sicherlich noch mehr." Marco nickt und dann fängt auch er an zu erzählen. ,,Das Mario wechselt, hast du ja noch mitbekommen. Und naja, wenige Zeit später ist Robert dann hinterher gegangen. Und mit der Zeit ist der Kontakt zu den Beiden immer weniger geworden und heute schreiben wir gar nicht mehr miteinander. Wir sehen uns bei den Spielen und das wars." Da ist man mal zwei Jahre weg und schon verändert sich alles. Vielleicht hat sich die Stadt nicht veränder. Und vielleicht hat sich auch dieses Haus hier nicht verändert. Aber die Menschen, die hier sind und waren haben sich definitiv verändert.

Familie- Freundschaft- Liebe  [Marcel Fornell]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!