Kapitel 6

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Bevor ich jedoch noch was anderes sagen kann, öffnet sich die Tür und eine der Stylistinnen kommt rein. "Also, was soll ich machen?" Ich bin einfach nur sprachlos, was sie alles für mich auf die Beine stellen, nur damit ich wieder Zeit mit Seokjin verbringen kann. Doch mir fällt eine Kleinigkeit auf, in dem Zimmer sind alle Spiegel behängt und ehe ich mich versehe, werden mir Kopfhörer in die Ohren gesteckt. So sehe ich zwar, was die Jungs mit der Stylistin beredet, aber was sie sagen, verstehe ich. Ich bin ihnen schutzlos ausgeliefert. Okay, vertrauen wir ihnen, es kann nichts schief gehen. Bei diesem Gedanken kommt die Stylistin auch schon auf mich zu, ihr folgt Taehyung, welcher mich zu einem Stuhl führt und sich dann neben mich setzt. Meine Hand hält er fest, wofür ich ihm dankbar bin. Die anderen Jungs verschwinden nach und nach. Begleitet von Musik entsteht mein Styling, doch ich werde immer nervöser. Gefühlte Stunden vergehen, in denen ich nur fühlen kann, was mit mir passiert. Die Musik ist mittlerweile auch ruhiger geworden, was mich langsam abschalten lässt. Ohne es zu wollen, schließen sich meine Augen und ich döse ein.

"...Aru?! Harruuu?! Wach auf!" Eine leise Stimme dringt zu mir durch. Langsam öffne ich meine Augen und blicke verschlafen zu Taehyung rüber. "Du bist fertig. Bereit für dein Kleid?" Ich strecke mich und nickt. Taehyung hält mir seine Hand hin und hilft mir beim Aufstehen. Dankend blicke ich ihn an, er macht so viel für mich gerade, alle der Jungs sind gerade eine große Stütze. Taehyung führt mich Richtung Badezimmer, öffnet die Tür und sagt dann: "Zeit, dich fertig zumachen, dein Prinz wird bestimmt schon warten, zumindest, wenn der Plan klappt." Ich nicke und betrete das Badezimmer. Mein Blick nimmt nur das Kleid wahr, alles andere erscheint unwichtig, unscheinbar und nichtssagend. Meine Hand wandert über den Stoff und ich muss mir Tränen verkneifen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich so ein wunderschönes Kleid tragen würde. Wenn ich ehrlich sein soll, hätte ich nicht mal gedacht, dass ich ohne weiteres einfach nach Amerika komme, von den Jungs abgeholt werde und sie eine Überraschung für Seokjin und mich planen. Es ist wie ein Traum, verrückt und doch wahr. Ich streife mir meine Sachen ab und ziehe mir den Traum in Weiß ehrfürchtig an. Doch noch immer weiß ich nicht, wie ich aussehe, ob das Make Up und die Haare zu dem Kleid passen oder ob ich vielleicht doch wie ein Kartoffelsack aussehe. Unsicher richte ich mein Kleid und verlasse anschließen das Badezimmer. Taehyung, welcher draußen vor der Tür gewartet hat, blickt mich nun an und kriegt kein Wort raus. "So schrecklich?" Meine Unsicherheit wird immer größer, doch bevor ich eine Antwort kriegen kann, geht die Tür auf und Yoongi kommt rein. Er blickt zu seinem Bandkollegen und fragt: "Tae, kommt ih...." Weiter kommt er  jedoch nicht, denn sein Blick fällt auf mich. Ich spiele nervös mit meinen Händen, Yoongi's Meinung ist mir eine der wichtigsten Meinungen überhaupt. "Haru, wow." Mehr kriege ich von meinem Cousin nicht zuhören und irgendwie stärken selbst diese beiden Worte mein Selbstbewusstsein etwas. Beide greifen nach meinen Händen und führen mich zu einem der verhangenen Spiegeln. "Bist du bereit, dich und deine Schönheit zusehen?" Mein Gefühl sagt mir, dass sie leicht übertreiben mit ihren Worten, doch ich nicke nur und schon fällt der Vorhang. 

Was ich im Spiegel sehe, treibt mir entgültig die Tränen in die Augen. "Nicht weinen!" Schnell zieht mich Yoongi in seine Arme und versucht mich zu beruhigen. Auch Taehyung kommt dazu und beide halten mich vorsichtig fest. "Wenn du jetzt weinst, weinen wir auch gleich und dann stell dir mal vor, wie drei verheulte Menschen aus einem Raum kommen und die anderen uns sehen." Ich reiße mich zusammen und trockene mit einem Taschentuch, welches Yoongi mir reicht, die Tränen. Mein Blick wandert erneut zum Spiegel und ich betrachte mich. "Ich... Danke euch, für alles." Die Worte verlassen leise meinen Mund, doch sie sind alles, was ich gerade fertig bekomme. Meine beiden Freunde schütteln nur den Kopf und Yoongi meint dann: "Du musst uns nicht danken. Du bist ein Teil der Familie, für unsere Familie würden wir alles machen. Außerdem hast du auch schon viel für uns getan." Taehyung nickt zustimmend und blickt dann auf seine Uhr. "Wir sollten uns beeilen, sonst klappt der Zeitplan nicht mehr." Zeitplan? Jetzt bin ich neugierig geworden und so verlassen wir drei, nachdem das Make Up gerichtet ist, das Zimmer. Auf den Weg zur Treppe erzählen mir die Jungs, was bisher alles passiert ist und ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Ich wäre natürlich gerne dabei gewesen, aber ich bin auch glücklich, dass sie mit jedem Tag, den sie zusammen verbringen noch weiter zusammenwachsen. "Okay, Haru. Wir sind gleich da, aber ab hier wird dein Weg alleine weitergehen. Geh einfach ins Foyer, du wirst ihn sehen. Und genießt euren Abend, ihr habt es euch verdient." Mit diesen Worten verabschieden sich meine beiden Begleiter und schließen mich ein letztes Mal in die Arme, bevor sie mich verlassen.

Kaum bin ich alleine, kommt die Unsicherheit und die Nervosität zurück. Mein Herz schlägt wie wild, meine Hände werden schwitzig und mein Kopf würde am liebsten meinem Körper sagen, dass er umdrehen soll und gehen soll. Doch das Herz siegt über den Kopf und so gehe ich meinen Weg weiter. Je näher das Foyer kommt, um so schlimmer wird das Herzklopfen. Was ist, wenn er sich nicht freuen wird? Wenn er mich gar nicht sehen will? Oder wenn er keine Zeit hat? Sie sind im Stress, da passt eine Freundin gerade nicht rein. Vielleicht war es ein Fehler hier herzukommen. Die Gedanken lassen mich nicht mehr los, doch ich weiß auch, Fehler sind dafür da, gemacht zu werden. Wenn es also wirklich sein Fehler sein sollte, dann werde ich ihn begehen. Nur noch wenige Schritte trennen mich von der großen Treppe Richtung Foyer. Ich atme noch einmal tief durch und begebe mich dann zur Treppe. 

Die Leute blicken kurz auf, es scheint alles still zu sein und meine schüchterne Seite kommt zum Vorschein. Genau aus diesem Grund verheimlichen Seokjin und ich unsere Beziehung vor der Öffentlichkeit, ich kommt mit Aufmerksamkeit nicht klar. Meine Augen suchen unsicher das gesamte Foyer ab, in der Hoffnung ein bekanntes Augenpaar zu sehen. Doch scheint es hoffnungslos zu sein, bis jemand aus einem der seitlich gelegten Flure tritt. Die anderen Gäste und auch die Hotelangestellten haben inzwischen ihren Blick wieder von mir abgewandt, doch die innerliche Unruhe bleibt. Nur ist sie jetzt nicht mehr negativ, sondern positiv. Denn die Person, die soeben das Foyer betreten hat, ist die Person, der mein Herz gehört. Ich gehe langsam die Treppen hinab, versuche meine Unsicherheit zu verstecken und nur auf ihn zu blicken. Er ist noch in einem Gespräch mit niemand geringerem als Namjoon, welcher mich in genau in diesem Moment erblickt. Er grinst und nickt dann kaum sichtbar. Dann beugt Namjoon sich zu Seokjin und wispert ihm wohl etwas ins Ohr. Von meiner Position aus kann ich es nicht genau erkennen, was er Seokjin gesagt hat, doch als dieser sich langsam umdreht, wird es mir klar. Deswegen sollte ich alleine runtergehen, mit Taehyung und Yoongi wäre es zu auffällig gewesen, zu wem ich gehöre. Sein Blick sucht die Gegend ab und bleibt schließlich an mir hängen. Ich lächele vorsichtig und gehe weiter auf ihn zu, vergessen ist die Unsicherheit und die Nervosität, nur noch er zählt. Auch er kommt auf mich zu, während neben uns der Alltag weitergeht, doch das nehmen wir nicht mehr war, in unseren Augen gibt es nur noch uns. 

Als er mich erreicht, nimmt er sanft meine kleine Hand in seine und guckt mich einfach nur an. Es ist wie bei unserem ersten Date. "Du bist hier", flüstert er und streicht über meinen Handrücken. "Und du bist so wunderschön." Ich spüre, wie meine Wangen sich leicht erwärmen und danke der Stylistin, dass sie kein extra Rouge aufgetragen hat, denn die natürliche Röte war Seokjin schon immer lieber. "Ich bin da und ich kann dir nicht sagen, wie wunderschön du bist", sage ich leise und er lächelt mich an. Denn es stimmt, in seinem schwarzen Anzug, mit den schwarzen Haaren und dem weißen Hand in Kombination mit der dunkeln Fliege, wirkt er wie ein reicher Unternehmer und nicht wie ein Mitglied einer Band. "Wusstest du hiervon?" Auf Seokjin's Frage schüttele ich meinen Kopf und grinse. "Sie wollten uns beide überraschen und das ist ihnen durchaus gelungen." Seokjin lächelt mich nur verträumt an und verschränkt unsere Finger. "Dann nehmen wir die anderen Überraschungen doch liebend gerne noch mit. Lass uns herausfinden, was sie noch geplant haben." So gehen wir Hand in Hand zum Ausgang. In diesem Moment sind die einst gebrochenen Herzen geheilt und gefüllt voller Liebe und Zuneigung. Auch wenn wir nicht wissen, wohin unser Weg uns führen wird, so sind wir doch voller Zuversicht, dass es für den Moment perfekt sein wird. Doch kann niemand von uns sagen, wie lange diese Zuversicht da sein wird und ob wir den Tag, oder besser gesagt die Nacht, wirklich genießen können. Denn niemand weis, was hinter der nächsten Ecke auf uns wartet. 

>> Ich möchte mich schon mal entschuldigen, wenn ihr was großartiges erwartet habt. Es ist einfach anders passiert als es sollte :o 
Eure Sin

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