Kapitel 4

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Es fühlt sich an, als wenn ich den ganzen Flug verschlafen habe, doch kaum öffne ich meine Augen, merke ich, dass das Flugzeug immer noch in der Luft ist. So schnell werde ich wohl nicht in New York sein, träumen darf man aber noch. Träumen, mein Stichwort, denn gerade fühlt sich alles eher wie ein wilder Traum an. Niemals hätte ich gedacht, dass ich Korea verlasse, gerade nicht für einen Mann. Doch oft kommt im Leben ja alles anders als wir es uns erahnen.

Während ich meinen Gedanken nachgehe, vergeht die Zeit wie im Flug, wir verlassen Korea und kommen dem Ziel immer näher. Langsam macht sich eine Unsicherheit breit, denn immerhin hab ich keine Unterkunft in New York und ob ich bei den Jungs etwas finde, ist ja nochmal eine Sache für sich. Wieso muss ich auch so unüberlegt los fahren? Jetzt ist es passiert und ich kann es nicht rückgängig machen. "Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten landen wir in New York. Ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Flug und..." Weiter höre ich dem Piloten nicht mehr zu, denn nun wächst doch etwas Freude heran. Ich werde meine zweite Familie bald wieder in die Arme schließen können.

Kaum landet das Flugzeug und wir dürfen es verlassen, werde ich immer nervöser. Ich mache mich auf den Weg zum Gepäckband und warte auf meinen Koffer. Lange muss ich nicht warten, den er kommt sehr schnell, so das ich mich auf den Weg zum Ausgang machen kann.
Die Luft hier ist wärmer als in Korea und so streife ich die Jacke, welche ich zuvor angezogen hatte, ab. Langsam gehe ich weiter und blicke mich nach einem Taxi um, was ich jedoch sehe, überrascht mich leicht. Ich reibe meine Augen, da ich das Gefühl nicht los werde, dass ich träume, doch es scheint Realität zu sein. Zwei vermummte Gestalten stehen nicht weit vom Eingang entfernt und halten ein Schild in die Luft, auf die mein Name geschrieben steht. Unsicher gehe ich auf die beiden zu, mein Griff um den Koffer verstärke ich leicht. Je näher ich komme, umso größer ist die Angst.

Kaum stehe ich vor den Personen, lassen sie das Schild sinken. Eine von ihnen kommt einen Schritt auf mich zu und spricht mich dann an. "Sind Sie Miss Min?" Man hört heraus, dass englisch nicht seine Muttersprache ist, doch ich bin zu verunsichert um etwas zu sagen und so nicke ich nur. "Wir wurden beauftragt, Sie hier abzuholen und sicher zu unseren Auftraggebern zu bringen." Irgendwas an der Stimme, an ihrem Klang und der Formulierung der Worte kommt mir bekannt vor, doch sie einer mir bekannten Person zu zuordnen, das schaffe ich gerade nicht. Die zweite Person, welche deutlich kleiner ist als die erste, öffnet mir die Tür des Wagen. "Würden Sie einsteigen? Dann sind wir schneller am Ziel." Es ist, als erwacht mein Körper aus einem Schlaf, denn ich schüttele den Kopf. Nun fängt der Kleinere von beiden anzulachen und plötzlich erkenne ich sie.

Meine Gefühle spielen verrückt, denn ich hab mit allem gerechnet, aber nicht damit. "Wie lange wartet ihr schon?" Meine Stimme klingt brüchig und nur mit Mühe halte ich meine Tränen zurück. "Ist das nicht egal? Du bist uns das Warten jederzeit wert," ertönt nun eine Stimme hinter mir und ich drehe mich um. Mein Blick wandert zum Gesicht der Person und ich sehe braune, lange Haare. "Idiot." Er lacht leise und öffnet seine Arme. Nur zu gerne lasse ich meinen Koffer los und umarme ihn. Auch die anderen beiden Personen kommen nun auf uns zu und so endet alles in einer großen Umarmung, die kein Ende finden will. Endlich ist ein kleiner Teil von uns wieder vereint.

Nachdem wir uns voneinander getrennt haben, packen die Jungs meinen Koffer in den Wagen. Dann steigen wir ein und der Mann, mit den braunen Haaren, setzt sich neben mich. "Er wird durchdrehen, wenn er dich sehen wird." Zusammen mit den anderen fängt er anzulachen. Bei diesen Worten werde ich stutzig. "Er weiß nicht, dass ihr hier seid, richtig?" Stolz nicken die drei und ich schüttele nur den Kopf. "Wie habt ihr es mitbekommen, dass ich ankomme?" Sie tauschen nur einen Blick aus und dann höre ich die Worte "Das bleibt unser Geheimnis." Meinen Augen verdrehe ich und gucke aus dem Fenster. "Bist du böse?" Mein Sitznachbar legt den Arm um mich und dreht mein Gesicht in seine Richtung. "Wieso sollte ich? Ihr habt Geheimnisse vor mir und auch vor Seokjin, das sollte mir ja nichts mehr ausmachen", flüstere ich leise. Denn wenn ich ehrlich sein soll, es macht mir sehr viel aus. "Haarruu, nicht traurig sein. Es hat einen Grund wieso wir es dir nicht sagen können. Du würdest die Personen köpfen und uns auch." Ich blicke den kleinen blonden Mann an und nicke. Wo er Recht hat, hat er Recht, wahrscheinlich würde ich es echt so machen. Doch bevor ich etwas erwidern kann, mischt sich die dritte Person ein und meint: "Aber wir werden jetzt kein Trübsal blasen. In wenigen Minuten werden wir ankommen und dann werden eh Tränen fließen, das wissen wir alle ja nur zu gut."
Sofort grinsen die Männer wieder.

"Hab ich euch schon mal gesagt, dass ich euch hasse? So sehr!" Doch auch ich muss nun lachen, und so bereitet sich eine positive Stimmung im Wagen aus. "Wir dich auch, Haru, wir dich auch." Ich weiß, Namjoon und dafür bin ich euch danke, denke ich mir und lächele alle drei nur an. Die Spannung aufs Zusammentreffen steigt und ich weiß nicht, ob ich es noch aushalten kann.

Seokjin? Ich bin in Reichweite, wir werden bald vereint sein.

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