Harry POV

Ich wachte auf durch Hämmern in meinem Kopf, das mich aufstöhnend zurück ins Bett fallen ließ. Ich rieb über meine Stirn und versuchte den Schmerz herauszureiben. Die letzten Stunden kamen nur schleichend zurück. Ich hielt die Augen geschlossen, in der Hoffnung, dass die Erinnerungen an die Nacht zurückkamen. Rückfahrt nach London, Streit mit Louis im Studio und dann? So sehr ich mich auch die nächsten fünf Minuten anstrengte... Es brachte nichts. Rein gar nichts. Also beschloss ich aufzustehen und mich umzusehen. Da viel mein Blick auf jemanden, der auf der anderen Seite des Zimmers auf dem Sofa schlief. An ihren dunkeln braunen langen Haar erkannte ich, dass es nur Jenny sein konnte. Sie musste es wissen. In der Hoffnung, dass sie die Lücke in meiner Erinnerung schließen konnte, schlich ich zu ihr und tippte sie an. Sie schreckte keuchend hoch und fuhr sich durch die Haare.

"Holy Shit!", fluchte sie unter ihrem  hastigen Atem. "Hast du mich erschreckt."

"Sorry.", brummte ich voller Kopfschmerzen. 

Sie setzte sich auf und strich ihr Kleid glatt. Dann sah sie mir mit ihren dunklen braunen Augen direkt ins Gesicht und musterte mich.

"Schau, ich kann mich nicht erinnern, was gestern passiert ist...", flüsterte ich und massierte meine Stirn mit Zeigefinger und Daumen. 

"Und du willst jetzt, dass ich dir alles erzähle?", fragte Jenny lächelnd.

Ich nickte und biss mir peinlich berührt auf die Unterlippe. 

"Nun Harry...", seufzte sie. "Vielleicht ist es besser, wenn du nichts weißt."

Mein Gesicht verzog sich in Sorge. War es wirklich so schlimm gewesen?

"Bitte, Jenny.", flehte ich.

Sie verdrehte die Augen und suchte wahrscheinlich nach der passenden Wortwahl.

"Wir wollen alle mal vergessen, richtig? Du hast nichts anderes getan. Du wolltest durch Kiffen und Saufen vergessen..."

Dann traf es mich wie ein Schlag. Ich erinnerte mich an die russischen Drinks, an das Trinkspiel und daran wie ich fast von Jennys Freund Kevin eins abbekommen hätte. Ich fühlte wieder den harten Aspalt über den Jenny und ich gehumpelt waren. Es puzzelte sich vor meinem geistigen Auge zusammen. Das Mädchen gegenüber beobachtete mich neugierig, doch schaute schnell weg, als ich wieder bei mir war und sie zurückanstarrte.

"Okay. Du solltest jetzt zurückgehen, Harry.", stammelte sie und rückte von mir weg. "Ich weiß ganz genau, dass du höllische Kopfschmerzen hast... Am Besten gehst du für den Rest des Tages in dein Bett und schläfst."

Wenn ich zurückgehen würde, ließ ich Jenny wieder in diesem Viertel. Ich hatte Angst, dass ihr hier was passieren könnte.

"Komm bitte mit.", flehte ich und sie verschränkte die Arme. 

"Wie oft soll ich dir das noch klar machen, verdammt?! Ich gehöre hier hin.", schrie sie und deutete mit dem Zeigefinger auf den Boden. 

"Niemand sollte so aufwachsen!", rief ich nun. "Vor allem nicht du!"

Nun ballte ich meine Hände zu Fäusten und schlug gegen das Polster des Sofas. Jenny schreckte nur noch mehr zurück. Ihre Augen wurden mit jeder Sekunde weiter.

"Nein, versteh' es doch. Ich will dir helfen. Ich will dir aus dieser Hölle helfen.", sprach ich verärgert über ihre Sturniss.

"Ich bin ein Teil von diesem Viertel und  bin nicht besser als das alles  hier."

Sie fuchtelte wild mit den Händen rum.

"Doch...", wimmerte ich.

"Nein. Aber Harry, vielleicht solltest du aufpassen, dass du nicht in diesen Abgrund fällst, weil es sieht gerade ziemlich danach aus, dass du hintenrüber kippst und ich will nicht, dass du fällst. Das wünsche ich niemandem.", sagte sie und raubte mir somit meinen Atem aus den Lungen.

Sie wusste auch, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte. Jenny hatte es gewagt hinter meine Fassade zu sehen.

"Warum tust du dir selber so etwas an?", fragte ich schlussendlich.

"Ich bin es schon zu müde hochzuklettern, weil dort oben ist es nicht besser.", flüsterte sie und ging zur Tür. "Bitte geh zurück und komm' nie wieder. Ich hoffe, ich muss dich nicht nochmal sehen."

Damit war sie verschwunden und ich spürte wie die Tränen in mir hochkamen. Ich wollte sie zurückhalten, ihr hinterher rennen. Aber sie hatte ja Recht. Was brachte uns die graue Welt von heute? Ja, gar nichts. Da ich nicht besser als sie war, konnte ich sie sogar verstehen. Ich verstand jede Silbe, die aus ihrem Mund gekommen war. Ich verstand, warum sie so jemanden wie mich nie wiedersehen wollte.

Jenny konnte sich einfach so aufgeben aber ich? Millionen Fans warteten auf mich und zählten auf mich. Ich war ihr Lebensinhalt verdammt. Manche tweeteten mir, dass ich alles war, dass sie am Leben hielt. Ich war ihr ein und alles. Sie sahen in mir einen Held, doch wenn ich mich selber im Spiegel so ansah, war mir klar, dass nichts mehr von dem "Helden" über geblieben war. Was war ich für ein Idiot? Ich sollte ein Idol sein und dieser Druck immer alles richtig zu machen, ließ mich langsam, wie Jenny sagte in den Abgrund fallen. Natürlich wusste sie nicht, dass ich zu dir erfolgreichsten Band gehörte aber sie wusste, dass ich in ein tiefes Loch fallen würde. Sie hatte es einfach gewusst. Ich hatte Verpflichtungen. Als ich daran dachte, klingelte mein Handy. Niall Horan.

"Harry?", meldete er sich.

"Niall.", murrte ich.

Ehrlich war ich jetzt nicht in der Stimmung für irgendwelche belanglosen Telefongespräche. Ich bereuhte es jetzt schon den Anruf angenommen zu haben.

"Ich war heute morgen bei dir Harry, um dir Frühstück zu bringen, weil ich von dem Streit mit-", sagte er, doch wurde von mir unterbrochen.

"Warum bringst du mir dann Frühstück?!", zischte ich grob.

Wenn es eins gab, dass die Jungs wussten, war es, dass ich Ruhe brauchte. Eigentlich ließen sie mich damals auch in Ruhe aber nun, da sie ja alle an dem Abend bevor ich nach Homes Chapel gefahren war, beschlossen hatten, dass ich depressiv war, mussten sie mich kontrollieren. Ich knirschte mit den Zähnen und ging aus dem Raum. Vielleicht brauchte ich frische Luft.

"WARUM, NIALL, WARUM?!", schrie ich und wurde von der kühlen Luft begrüßt.

"Ich weiß nicht.", flüsterte er verletzt. "Eigentlich dachte ich, dass wir Freunde sind..."

"Niall?", sagte ich sanfter. Ich hielt es nicht aus, wenn er wegen mir weinte.

"Hm?", schluchzte Niall.

Ich hatte ihn zum Weinen gebracht und fühlte mich wie ein Monster. Was war nur aus mir geworden?

"Hör zu, es tut mir leid... Ich fahre jetzt nach Hause. Willst du vorbeikommen?", fragte ich entschuldigend.

Auch wenn ich keine Lust hatte auf Besuch, ich musste das tun. Ich wollte, dass er  wieder fröhlich war. Doch dann ging mein Handy aus. Scheiße, der Akku war aufgebraucht. Nun wusste ich nicht, ob er kam oder nicht. 

Dann erreichte ich meinen Wagen auf dem noch immer das Grafitti prangerte. Das sollte ich mal entfernen lassen. 

<Author's Note>

Sorry, dass ich so lange zum abdaten gebraucht habe. :) Aber es gab so viel um das ich mich kümmern musste. Danke an die die noch immer an der Story dran geblieben sind! ♥︎

-Talisa

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