9 - Lies

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Maria

Ich bin wieder bei meiner Träningseinheit. Jean und Marco haben sich zu mir gesellt. Sie reden über Dinge, die ich nicht wirklich verstehe, weshalb ich nur halb hin höre.

Ich muss die ganze Zeit daran denken, was ich gestern erfahre habe, als ich im Tagebuch meines Vaters weiter gelesen habe. Ich habe erfahren, dass ich einen älteren Bruder habe. Es ist keiner, der mir unbekannt ist. Es ist Erwin Smith. Der 13. Kommandant des Aufklärungstruppes. Die Welt ist schon irre klein.

Ich muss mit ihm reden. Er muss erfahren, dass ich seine Schwester bin und noch am Leben bin.

"Fühlst du dich nicht so gut, Alex?" Fragt nun Marco. "Äh..doch, alles bestens. War nur in Gedanken versunken" meine ich nun und lächele. "Manchmal, da hilft es, wenn man über die Sachen redet, die einen zur Zeit belasten" sagt nun Marco. Ich erkenne, wie Jean die Augen verdreht. Der hat wohl kein Bock sich meine Probleme an zu hören. Marco hingegen wirkt ehrlich so, als würde er mir helfen wollen. Marco ist halt ein Lieber.

"Vielen dank Marco, ich werde mir diesen Rat merken" versichere ich ihm. Ich erhebe mich und verabschiede mich von den Beiden.

Ich gehe auf mein Zimmer zu. Dort angekommen, schmeiße ich mich aufs Bett. Kann ich Erwin denn überhaupt vertrauen? Sollte ich vielleicht Pastor Nick um Rat fragen?

Nein, ich muss mutig sein! Erwin ist mein Bruder. Er wird meine Lage schon verstehen. Er wird bestimmt glücklich sein. So muss es sein. Ich werde es ihm sagen, sobald ich ihn sehe. Doch wann werde ich ihn sehen?

Erwin ist doch ein Komandant, heißt das nicht, dass er sehr beschäftigt ist? Werde ich so überhaupt die Gelegenheit haben, mich mit ihm zu unterhalten?

Ich will ihn kennenlernen!

Ich habe eine Entscheidung getroffen, ich werde dem Aufklärungstrupp beitretten, um meinen Bruder näher zu sein.

* * *

Levi

"War das richtig, Hauptgefreiter?" Fragt Alex, nachdem ich ihm gezeigt habe, wie man so schnell wie möglich und so genau wie möglich sein Ziel trifft, ohne es zu verfehlen. "Nochmal" sage ich und er wiederholt es. Er strahlt plötzlich. "Haben sie das gesehen? Ich habs geschaft" ich nicke. "Gesehen habe ich es, aber perfekt ist es noch nicht" er nickt und wiederholt es. Dabei wirkt er höhst motiviert.

Kann es wirklich sein, dass er ein Spion ist? Doch für wen? Es fällt mir schwer, dies zu glauben. Doch ich bin mir aus irgendein Grund sicher, dass er irgendwas verbergt. Wie sonst hätte er dieses Zimmer finden sollen? Es war schon fast so, als wüsse er, dass es dort überhaupt ein verborgenes Zimmer gibt. Nicht mal wir vom Aufklärungstrupp wussten etwas von diesem Zimmer. Ich frage mich, was er von den Sachen des damaligen Königs wollte?

"Machen wir eine Pause" sage ich nun und reiche ihm ein Wasser. Er nimmt es dankend an. "Alex, ich werde dich, bis zu deiner Entscheidung, zur welcher Division du gehst, trainieren. Nur damit du Bescheid weißt" - "Ist in Ordnung. Doch Hauptgefreiter, ich habe bereits eine Entscheidung getroffen. Ich werde dem Aufklärungstrupp beitretten" Alex sieht mich erwartungsvoll an und erwartet, dass ich irgendwas dazu sage. Ich jedoch blicke ihn nur stumm an.

Weiß er überhaupt, was alles auf ihn zu kommen wird, wenn er erstmal im Aufklärungstrupp ist?

"Bist du dir da auch sicher? Fürchtest du dich nicht vor den Titanen?" Er zuckt mit den Schultern. "Das weiß ich nicht" meint er nun.

Das wundert mich jetzt aber. Irgendwas passt hier nicht zusammen.

"Bist du denn schon mal einen Titanen begegnet?" Frage ich ihn. Er schüttelt den Kopf. "Nein bin ich nicht. Aber ich weiß, dass ich das verkraften werde. Ich glaub an mich"

Habe ich doch gleich geahnt, dass er irgendwas verbergt. Er scheint nicht mal zu ahnen, dass ich ihn durchschaut habe. Er kann einen glat Leid tun.

"Wie lange lebst du schon bei Pastor Nick?" Er sieht etwas überrascht aus. Fragt sich sicherlich, wieso ich sowas wissen will. "Schon immer eigentlich. Meine Mutter war seine Schwester und die starb ziemlich früh" erklärt er. Sehr glaubhaft, dass muss man ihn lassen. Ich weiß es besser. Er lügt.

"Interesannt. Ich frage mich, wie du damals in Shiganishina kein Titan sehen konntest? Immerhin hat Pastor Nick in Shiganishina gelebt. Solltest du nicht damals bei ihm gewesen sein?"

Alex entgleiten alle Gesichtszüge und sein Blick wandert nach unten. Von seiner eben noch guten Laune ist nichts mehr zu sehen. Er wirkt schon fast blass. Ich warte einen Moment ab, ob er wohl versuchen wird sich zu rechtfertigen, doch er sagt nichts dazu. Er ist sich wohl bewusst, dass er beim Lügen ertappt wurde.

"Ich weiß nicht, was du verbirgst, jedoch möchte ich dir ein Rat geben. Gib mir kein Grund meine Klinge gegen dich zu richten. Und noch eine Warnung, Ich werde dich im Auge behalten"

Er hebt nun den Blick und ich kann nichts von Verunsicherheit oder der gleichen erkennen. Er wirkt selbstbewusst, tritt sogar einpaar Schritte näher ran. Er sieht mich an und lächelt leicht. "Tun sie das ruhig, wenn sie dies für richtig halten. Ich fürchte mich nicht vor ihnen und habe auch nichts zu verbergen. Ich habe den Tag, an dem Mauer Maria gefallen ist, vollkommend verdrängt. Es war wohl zu belastend für mein zehnjähriges Ich. Deshalb antwortete ich mit Nein auf ihre Frage, denn den Anblick eines Titans habe ich vergessen"

Er ist gut.

"Verstehe. Dies ist natürlich plausibel" Er lächelt wieder, jedoch unterscheidet sich dieses Lächeln stark von seinen gewöhnlichen. Dieses ist nicht echt. "Ich glaube die Pause ist vorbei. Sollten wir weiter machen?" Fragt er nun. Da ich mich ein kleines bissien schlecht dabei fühle ihn auszufragen, stimme ich zu und nicke.

Ich weiß, dass Alex in Zukunft vorsichtiger in meiner Gegenwart sein wird und er weiß sicherlich auch, dass ich ihm kein Stück glaube.
Wieso bloß habe ich ihn überhaupt drauf hingewiesen, dass ich ihn unter verdacht habe?

"Stimmt etwas nicht?" Fragt Alex. Ich schüttle den Kopf. Er seuftz. "Wissen sie, es gibt Dinge, die man besser für sich behält. Jeder hat so seine kleinen Geheimnisse..auch sie nehme ich an"

Was versucht er mir damit zu sagen?
War das indirekt ein Geständnis, dass er etwas verbergt?

"Das ist aber das tolle an Geheimnissen. Sie sind da, um eines Tages gelüftet zu werden" - "Manchmal ist es aber besser, wenn sie für immer verborgen bleiben" entgegnet er nun, leicht niedergeschlagen, habe ich das Gefühl.

"Die Wahrheit kommt irgendwann immer ans Licht" diesmal sagt er nichts dazu. Er sieht mich noch einen Moment still an, ehe er wieder anfängt zu trainieren.

Was versuchst du bloß zu verstecken?

Choice || Attack on Titan Fanfiction (Levi) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt