*18. Ich bin nicht alleine*

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Jay hielt zwar weiterhin mit mir Händchen, küsste mich allerdings nicht in der Öffentlichkeit. Ich glaube, dass ich ganz froh darüber war. Es ersparte mir die fragenden Blicke, die bissigen Bemerkungen. Nicht einmal vor Kathrine hatte er etwas gesagt, der ganze Tag wurde bloß als ganz nett abgestempelt.

Wir verbrachten mehr Zeit miteinander, saßen nebeneinander in der Kantine, doch wir küssten uns nicht. Wahrten einen akzeptablem Abstand voneinander.

Dennis unterhielt sich noch immer in nahezu jeder Pause mit Kathrine, während Jesse meist daneben saß und Löcher in die Luft starrte. Ich hatte immer noch keine Gelegenheit gefunden, mit ihr zu sprechen, doch jetzt, auf dem Weg zur Cafeteria, wollte ich nachholen, was sowieso schon längst überfällig war.

Jay war in den Plan eingeweiht und wusste, was zu tun war. Ich sah zu ihm rauf, er sah zu Jesse, der sich sichtlich gelangweilt mit einem ihrer Freunde unterhielt.

»Hey, Tony«, begrüßte Jay den Jungen. Ein Name, den ich von der Liste der Unbekannten streichen konnte. Blieb nur noch das Paar, welches zu Jays und Kathrines Freundeskreis gehörte.

»Hi, Jay«, knurrte dieser zur Antwort, ohne von Jesse wegzusehen. Jetzt wo er mir nicht mehr den Rücke zukehrte, konnte ich den griesgrämigen Gesichtsausdruck erkennen. »Irgendwann werde ich dich windelweich prügeln, Lorenz.« Jesse schien noch immer wenig beeindruckt.

»Ich warte mit ausgebreiteten Armen auf dich, Arschgesicht.« Jay ließ meine Hand los und gab mir einen sanften Stoß in Kathrines Richtung. Diese hatte aufgehört, mit Dennis zu sprechen und sah kalt in Jesses Richtung. Mich überkam das Gefühl, dass alle Gespräche im Raum verstummten und alle Augenpaare gebannt auf Jesse und Tony starrten.

»Jesse, halt deine verdammte Klappe«, sagte Jay und warf einen Blick in meine Richtung. Kathrine hakte sich bei mir unter. Jesses Blick richtete sich ebenfalls auf uns.

Dann sah Jesse von uns weg und funkelte seinen besten Freund an. »Mich dich nicht ein, Jay. Die Welt dreht sich nicht immer nur um dich!«, knurrte er und sah schlussendlich wieder zu Tony.

Ich erwartete jeden Moment, dass Jesse aufspringen würde und auf Tony einschlug, doch er bewegte sich keinen Zentimeter. Sie starrten einander einfach nur an, bis Jesse sich von seinem Stuhl erhob und die Kantine verließ. Jay seufzte, drehte sich zu mir und Kathrine um, murmelte hastig ein: »Könntet ihr zum Bäcker gehen und zwei Schokobrötchen besorgen?« und lief, ohne auf Kathrines Antwort zu warten, Jesse hinterher.

Diese zuckte mit den Schultern, hakte sich bei mir unter und winkte den Jungs zum Abschied, dann verließen wir das Gebäude.

Wir schwiegen beide. Ich wusste nicht so recht wie ich anfangen sollte. Bei Jay war es ganz leicht gewesen, er hatte mir eine Frage gestellt, die ich einfach beantwortet hatte. Doch Kathrine war so stumm wie ich.

Wie konnte ich ein Gespräch beginnen? Ich wollte sie wegen Jesse fragen, wegen Dennis und ich wollte ihr Fragen über sie selbst stellen. Ich wusste, dass sie Computerspiele liebte und das Jesse und sie Nächtelang miteinander spielten und redeten.

Ich wollte ihr erzählen, dass Jay mich geküsst hatte und dass der Gedanke an ihn, meine Knie weich werden ließ.

Trotzdem erreichten wir die Bäckerei schweigend. Genauso wie am Mittwoch, schien sie nicht gut gelaunt zu sein. Das kurze Bimmeln einer Glocke über der Tür kündigte der Verkäuferin unser Ankommen an und grade als Kath den Mund öffnete, um zur Bestellung anzusetzen, kam ich ihr zuvor: »Hallo, zwei Schokobrötchen und ein Croissant, bitte, das mit Schokoladenfüllung.« Ich sprach so schnell, dass ich befürchtete, die Verkäuferin würde mich nicht verstehen oder meine Zunge würde sich selbst verknoten. Aus den Augenwinkeln sah ich Kathrines schockierten Gesichtsausdruck. »Oh, und einen Kaffee, willst du sonst noch was dazu, Kath?«

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!