Jenny POV 

Harrys Gewicht unter meinen Schultern erschwerte sich mit jedem meiner Schritte. Glücklicherweise hatte ich die Ballerinas an und keine Heels. Meine Rückenschmerzen waren Dank Doctor Kenneth auf ein Milimales verschwunden. Harry's Bemühungen mich nicht zu sehr zu belasten, schwanden mit jeder einzelnen Minute aber sagen wir einfach mal... Er war betrunken und wahrscheinlich mit etwas Gras zugedröhnt. Ich hatte schon viel Kontakt mit solchen Menschen, ich meine ich bin ja einer von ihnen. Aber was mich wunderte war, dass er versuchte sich zu zerstören. Aber was redete ich da? Ich kannte ihn kaum. Ich wusste nichts von seinem familiären Hintergrund, woher er kam und was ihn so gezeichnet hatte. Als wir den Club betraten herrschte schon viel Treiben. Harry schoss mir einen verwirrten Blick zu aber ich suchte nach einer bestimmten Person und ging deshalb nicht darauf ein.

"Versuche keine Scheiße zu bauen, Harry."

Damit ließ ich ihn verdattert stehen und bahnte mir den Weg zu Griffin. Er hatte gerade eine Unterhaltung mit drei Männern. Ich tippte gerade auf seine Schulter. Er drehte sich geschwind mit einem angenervtem Blick um aber als er mich sah beruhigte er sich wieder. Seine Haare waren nach hinten gegeelt und er trug noch immer diesen abstoßend teuren Anzug.

"Schön, dass du unseren Club wieder beehrst Jennylein.", lachte er und klopfte auf meine Schultern.

Bei einem meiner Kosenamen zuckte ich zusammen. Die Männer hinter ihm verdrehten die Augen. Sie waren anscheinend in einem wichtigen Gespräch gewesen oder so. Ich lächelte sie scheinheilig an und wendete mich dann wieder zu Griffin.

"Es ist wichtig... Könntest du mir eines deiner Zimmer geben?", fragte ich und spielte mit dem Saum meines Kleides.

Er zwinkerte mir zu, so dass Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten. Wo war all meine Selbstsicherheit geblieben? Es schien wie eine Ewigkeit bis er den Mund schließlich öffnete.

"Ja, kostet dich aber eine gewisse Summe.", grinste er. "Sagen wir... £50?"

Ich verdrehte die Augen und suchte nach meinem Geld oder dem £100-Schein meiner Mutter, der aber schon reichlich geschrumpft war. Schnell überreichte ich ihm das angeforderte Geld.

"Du weißt ja wo es lang geht. Es ist offen."

Dann drehte ich ihnen den Rücken zu und suchte nach Harry. Zu meinem Glück, saß er benommen gegen die schwarze Wand gelehnt und schaute auf seine Boots. Ich atmete einmal tief ein und half ihm aufzustehen. Er schien gar nichts mehr mitzubekommen, denn seine Augen waren nun geschlossen.

"Harry, bitte halte noch durch.", zischte ich außer Atem und bahnte meinen Weg mit ihm zur Tür.

Sein Haar hing schweißnass runter und er stolperte nur noch und knickte ein. Ich schickte Stoßgebete zu Gott, dass ich es noch in den Raum schaffen würde. Aber ich glaubte, dass selbst Gott mir den Rücken zugedreht hatte. Niemand kümmerte sich einen Dreck um mich. Warum also Gott?

"Ich schaff...", stöhnte er und brach dann zusammen.

"Ich weiß ihr Jungs braucht euren verdammten Stolz aber hör auf dir etwas vorzumachen.", zischte ich angenervt und wir humpelten die Treppe hoch.

Harry konnte nur noch wage laufen. Wir kamen schließlich oben an und ich öffnete auf gut Glück eine der Türen. Niemand war in diesem Raum also steuerte ich auf das Bett zu und Harry viel darauf. Sofort vielen seine Augen zu. Ich setzte mich neben das Bett auf einen hölzernen Stuhl und sammelte erstmal Atem in meinen brennenden Lungen, bevor ich weiterdenken konnte. Nach ein paar Minuten zog ich seine Boots von den Füßen und deckte ihn zu. Er röchelte und zog voller Schmerzen, die Augenbrauen zusammen. Ich kannte das nur zu gut. Die Nebenwirkungen des Grases. Die Halluzinationen, die dich bis in die Träume begleiteten und sich hartnäckig an dir festkrallten, bis das kalte Blut deinen Nacken herunterlief. Doch die Kopf- und Gliederschmerzen, die man hatte wenn man aufwachte, waren die Schlimmsten. Seine Augen klappten vor Schmerz auf und er zog scharf die Luft ein. Man erkannte, wie seine Augen wie  zwei Smaragde glitzerten. Ich verdrehte die Augen und ging zum Waschbecken, tunkte einen Lappen in kühles Wasser und legte es ihm auf die Stirn.

"Warum?", fragte ich immer wieder.

Doch er wagte es nicht in meine Augen zu schauen und blieb still. Dann schlossen sich seine Augen wieder und ich ließ den Lappen auf seiner Stirn. Ich hatte diesem Jungen so viel zu verdanken. Harry hatte mich vor höllischen Qualen bewahrt. Jetzt wo er wimmernd dort lag, war es als würde ich einen Fremden vor mir haben. Nichts war mehr übrig von dem Harry, der zwei Typen in die Luft geschlagen hatte. Ich seufzte, nachdem ich sicher war, dass er heute Nacht nicht zur Ruhe kommen sollte und legte mich auf die schwarze Ledercoach. Dann driftete ich ab in einen flachen Schlaf.

Ich rannte den dunklen Gang entlang. Seine Stimme hallte durch den Raum. Er schrie meinen verdammten Namen, doch wurde mit jedem Mal schwächer.

Verwirrt nahm ich eine der Türen. 

"Jenny.", röchelte er.

Schnell schaute ich mich im Raum um und sah ihn in einer Blutlarche liegen. 

"Harry!", kreischte ich und rannte zu ihm.

Leise wimmernd kauerte ich mich zu ihm runter. Ich suchte nach einer Wunde, einem Messer, einer Pistolenkugel. Ich fand nichts.

"Du sollst mir nicht helfen. Hau ab!", sagte er mit letzter Kraft.

"W-Was redest du da?", stotterte ich.

Da entdeckte ich ein Messer über seinem Herzen, das er umklammert hielt. Ich wollte es rausziehen und versuchte seine Hand zu entfernen, doch er ließ nicht locker mit seinem Griff.

"Verpiss dich endlich!", schnauzte er. "Lass mich in Ruhe!"

"Nein...", weinte ich. 

Doch es war schon zu spät. 

Ich schreckte hoch und fasste mit der linken Hand an meine Stirn. Es war nur ein verdammter Traum. So wie ich ihn schonmal hatte. Er handelte von Harry. Ich schaute nach rechts und sah wie er noch im Bett lag. Mit geballter Faust wischte ich meine nassen Wangen trocken und zog die Knie zu meinem Oberkörper.

Warum wollte er, dass ich verschwinde und ihm nicht helfe? Warum wollte er sterben?

Ich versuchte mich zu beruhigen und legte mich wieder hin. Dann schloss ich die Augen und schlief wieder ein... zum Glück traumlos.

<Author's Note> 

Updaten ist im Moment ziemlich schwer. Diese Story bedeutet mir sehr viel. Hier ist das neue Kapitel. An der Seite findet ihr ein Gif von Harry. Danke, für euren Support, die ganzen Votes und Kommentare! :)

Wie findet ihr eigentlich, dass "Four" geleakt wurde?

Was haltet ihr von Harrys "Outing"?

-Talisa 

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