8. gemähter Grashalm

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Obwohl ich das ganze Wochenende total gelassen getan hatte und auch den anderen aus der Band ganz cool von meiner Entscheidung erzählt hatte – sie hatten leider nicht ganz so cool darauf reagiert – war ich Montagmorgen dann doch ziemlich nervös, als ich in die Schule gehen sollte. Okay ziemlich nervös war eine Untertreibung. Ich war verdammt nervös. Ich erinnerte mich einfach ständig an diese neuen Schüler, die sich hatten vorstellen müssen, die Klatschthema des Tages gewesen waren und viele andere schreckliche Dinge, die der Schulalltag so geboten hatte.

Ich hatte nämlich keine Ahnung, was ich erzählen sollte, für den Fall, dass ein Lehrer mich vor die Klasse stehen ließ. Würde ich denen sofort sagen, was ich sonst so trieb, könnte ich auch gleich einen Striptease dort hinlegen. Die Gerüchte die danach über mich im Umlauf wären, waren genauso groß, und alles was ich eigentlich dort wollte – lernen; meinen Abschluss machen; nicht auffallen – wäre schon am ersten Tag gescheitert.

Nachdem ich schon stundenlang mit mir selbst gerungen hatte, was ich nun tun sollte, beschloss ich schließlich, einfach los zu gehen, und es auf mich zu kommen zu lassen. Was besseres würde mir jetzt sowieso nicht mehr einfallen. Ich lief also den Weg zur Straßenbahn – nach der Hälfte musste ich rennen, da die Bahn sonst weg gewesen wäre – und fuhr den viel zu langen Schulweg. Was hatte ich mir bei dieser Scheißidee eigentlich gedacht? Wieso dachte sich mein Hirn solche dummen Pläne aus? Das war doch Schwachsinn und ich würde vermutlich sowieso nach ein paar Monaten wieder abbrechen.

Seufzend schüttelte ich meinen Kopf und versuchte die Gedanken zu vertreiben. Normalerweise schlug ich mir bei solchen Gedanken gegen den Kopf, aber damit hätte ich wohl zu viel Aufmerksamkeit auf mich gelenkt, also musste ich mich wohl mit dieser Methode begnügen.

Nach einer ziemlich nervösen und hektischen Fahrt – ich hatte mich mal wieder am Bahnhof verlaufen – kam ich kurz vor knapp am Avondale College an und lief so schnell ich konnte und mein Orientierungssinn es ermöglichte zum Sekretariat. Die Sekretärin, schien mich schon zu erwarten, als ich in ihren Raum kam und sie begrüßte.

„Ah da bist du ja. Hier ist dein Stundenplan mein Lieber.“ Sie drückte mir ein Blatt in die Hand und zeigte auf die Räume. „Zur ersten Stunde werde ich dich begleiten, danach solltest du dir jemanden suchen, der dir das erklärt oder die immer begleitet.“

Ich nickte vorsichtig und sah dann meinen Stundenplan genauer an. Jetzt in der ersten Stunde würde ich Maori haben. Eine Sprache die ich vor Jahren einmal gelernt hatte, und nun sicher nicht mehr konnte. Deswegen war ich auch im Anfängerkurs, auch wenn die nun schon fast ein halbes Jahr Unterricht hatten, hoffte ich, dass ich mit kommen würde.

„Gut also wie du siehst hast du gleich Maori. Dieses Fach wirst du bei Mr. Hanson haben.“ Die Sekretärin lächelte mich freundlich an und irgendwie kam ich mir ein klein wenig wie ein Kleinkind vor, so wie sie mit mir sprach. Nur weil ich die Schule fünf Monate vor dem Abschluss abgebrochen hatte, hieß das noch lange nicht, dass ich dumm war. Ich war sogar relativ gut in der Schule gewesen und hätte ich nicht noch nebenbei das Musikstudium gehabt, hätte ich auch kaum Stress gehabt.

„In Ordnung und muss ich sonst noch was wissen?“, fragte ich vorsichtig nach.

„Ja ich habe hier noch einige Dinge für sie“, sagte die Sekretärin und kramte in einem Stapel Papiere, aus dem sie dann einen ganzen Stapel heraus zog.

„Das ist die Liste mit den Büchern, die du brauchst. Gehe damit bitte in die Schulbibliothek, dort kannst du die Bücher wenn du magst für zwanzig Dollar ausleihen oder aber du kaufst sie dir selbst.“

Ich nickte und beschloss im selben Moment, die Bücher aus zu leihen. Selbst kaufen wäre zu teuer geworden.

„Und dann habe ich hier noch die Schulordnung und hier das Formular, gegen das du deine Schuluniform erhältst.“

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!