2.06. Das fiese Spiel

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(Fortsetzung Kapitel 2.01.)

Ma'am Solano, die Sozialarbeiterin vom BSWD, will diesen Thomas Heger unbedingt dingfest machen. In ihren Augen ist der Deutsche höchst suspekt. 'Warum schleppt der fünf einheimische Knaben ins Hotel und warum finden Sie die Kinder fast nackt auf den Betten vor?', fragt sie sich. 'Viele stellen nun die gleichen Fragen hier in der Stadt. Das ist klar.' Mit Freuden erinnert sie sich: 'Wie oft bei diesen Fällen, wird auch hier ein Sümmchen herauszuholen sein.' Sie überlegt weiter: 'Allerdings, ein Ausländer mit gleich fünf philippinischen Kindern. Eine außergerichtliche Einigung mit den Eltern wird sehr schwer, insgesamt für den Deutschen sehr teuer, aber eigentlich unmöglich werden. Da ein Ausländer involvierte ist, werden schnell ausländische Hilfsorganisationen aufkreuzen. Bei Filipinos rühren die sich selten. Kein Wunder, da ist ja auch nichts zu holen.' Das sind ihre Erfahrungen. 'Aber da gibt es ja noch andere Geldquellen für mich', grinst sie in sich hinein, 'die Medien zum Beispiel!'

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Mit einem fiesen Deal will sie nun von den Jungen das Geschehen - die ganze Wahrheit! - aus dem Hotelzimmer erfahren. Es ist eine Art Erpressung: Informationen und im Gegenzug dürfen die Kinder dann telefonieren.

Die Jungen kommen schnell über das Thema Duschen ins Streiten. Da war ein ständiges Kommen und Gehen im Bad. Ob Tommy im Bad gewesen sei, während die Kinder geduscht haben, wird zunächst nicht klar. Jedes Kind hat seine eigenen Erinnerungen an den gestrigen Tag.

Nackt hätten nur Aboy und Dan geduscht, hört Ma'am. Die Anderen seien nicht nackt gewesen. Nur kurz, beim Wechseln der nassen gegen trockene Unterhosen.

Zuerst hatten Aboy und Dan, sagen sie, mit Hosen geduscht. Wollten im Bad dann die trockenen Hosen anziehen, seien aber noch einmal zurück in die Dusche, denn sie hätten weitere Hebel und Drehknöpfe in der Dusche gesehen. Die haben sie dann ausprobiert und herausgefunden, dass sie die Strahlen der Dusche verändern können. Auch aus der Wand seien Strahlen gekommen, wenn sie das wollten. Das sei total toll und lustig gewesen und hat Spaß gemacht.

Aboy berichtet begeistert, er habe noch sehr lange geduscht und das warme Wasser genossen und habe - na klar - alle verschiedenen Strahlen ausprobiert.

Dan habe schnell die Lust am Duschen verloren. 'Tom und Jerry' im Fernsehen sei dann doch interessanter gewesen.

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Da ist diese Geschichte vom Toben ohne Kleidung nach dem Duschen.

Sam erzählt, während er TV geschaut habe, seien Phil und Jan nackt durch das Zimmer getobt und auf einem Bett wie wahnsinnig herumgehüpft.

Aboy entgegnet, er habe nur kurz aus dem Bad geguckt und das seien nicht Phil und Jan gewesen, die getobt hätten, sondern Phil und Dan. Jan sei nur kurz nackt durch das Zimmer gerannt, da er seine trockene Unterhose gesucht habe. Er (Aboy) sei dann wieder unter die Dusche gegangen.

Phil bestätigt, das Toben auf dem Bett und berichtet, Jan sei aber auch beim Toben dabei gewesen.

Jan spricht wiederum davon, nur kurz auf dem Bett herumgehüpft zu sein. Das aber nachdem er sich die Unterhose und das T-Shirt angezogen habe.

Phil gibt dann zu, dass er auf dem Bett nackt herum gesprungen sei. So ähnlich wie auf einem Trampolin, so eins haben sie in der Schule mal gehabt, sei das Bett gewesen und so schön weich, schwärmt er.

Dan nickt nur kurz, als Ma'am ihn fragt, ob er auch auf dem Bett gesprungen sei, er sagt aber nichts.

Und Tommy? Wo sei Tommy währenddessen gewesen?, fragt Ma'am.

Draußen vor dem Raum!, kommen die mehrstimmigen Antworten. Tommy habe am Laptop gespielt."

Sam wirft ein, Tommy ist aber immer wieder kurz in den Raum gekommen, habe beim Toben zugeschaut und sei dann allein mit Aboy im Bad gewesen.

Dan und Phil dagegen behaupten, der Tommy habe "Schluss jetzt!" gerufen, um das Toben zu beenden. Aber zuerst hätten sie nicht aufgehört zu toben. Danach sei Tommy wieder nach draußen oder ins Bad gegangen und sie seien dann doch schnell müde geworden und hätten dann 'Tom and Jerry' geschaut, Cola getrunken und Junkfood gefuttert.

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'Fünf Kinder, fünf Storys', sinniert Ma'am Solano und beendet frustriert ihre Befragung.

Ma'am Solano hört nicht das, was sie sich gerne wünscht: Da sind keine eindeutigen Aussagen, die als Missbrauch zu werten wären und Heger hat die Kinder im Hotel auch nicht nackt fotografiert. Dennoch glaubt sie zu erkennen, dass sich die Kinder teilweise sehr merkwürdig während der zähen Befragung verhalten.

Zu Beginn ihres Verhörs hat sie noch Notizen gemacht. Aber das hat sie schnell aufgegeben, da es zu chaotisch geworden ist. Dann ist es zum Streit über das "Wer-mit-wem-Duschen" gekommen. Uneinigkeit dann auch zum "Wer-mit-wem-Toben." Von da an ist an eine vernünftige Unterhaltung nicht mehr zu denken gewesen. Die Kinder haben stets gleichzeitig, laut und wild durcheinander geredet. Ma'am besitzt auch weder das gewisse Fingerspitzengefühl noch die Geduld, um den Jungen ihre mutmaßlichen Geheimnisse zu entlocken.

Ma'am Solano ist jetzt entnervt, verschiebt das Telefonieren, unter dem Vorwand sie müsse erst ihren Chef Sir Sala um Zustimmung bitten, auf später und schickt vier der Jungen erst einmal zum Spielen auf den Hof. Der Älteste der Kinder, das ist Sam, soll noch bleiben.

Aboy, Phil, Jan und Dan protestieren zwar laut, denn sie wollen mit ihren Eltern telefonieren, trotten dann aber traurig davon. Zu groß ist der Respekt vor Ma'am Solano.

Auch Sam darf nach dem kurzen Gespräch mit Ma'am zu seinen Freunden. Ma'am ist unzufrieden, denn viel hat sie nicht erfahren. Wenige Details der Befragung bleiben ihr in Erinnerung. Sie notiert:

• Aboy und Dan haben nackt geduscht.
• Kinder haben nackt im Hotelzimmer getobt.
• Heger schaut zu und unterbindet das Toben nicht.
• Sam erzählt, Tommy sei einige Zeit mit Aboy allein im Bad gewesen.

Ma'am Solano ist dann doch zufrieden. Die Notizen wird sie Police Superintendent Ma'am Papillio zukommen lassen. Die Informationen reichen, daran glaubt sie fest, um daraus eine Story gegen diesen Deutschen zu basteln. Aber die Polizistinnen sind die Profis, wer weiß was die noch für Wahrheiten ans Licht holen.

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