Der Pfarrer deutete unauffällig auf einen Herrn und Jonas erkannte in ihm den Mann, der ihn neulich schon einmal angestarrt hatte.

„Nein, ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, was er möchte. Irgendwie scheint er ein Problem mit mir zu haben!“

Eine junge Frau, die ein Baby auf dem Arm trug, verließ in diesem Augenblick die Kirche und lächelte den Pfarrer freundlich an. 

Ein Mann, mit einem zweiten Säugling auf dem Arm, folgte ihr.

„Sie entschuldigen mich bitte?“, bat der Pfarrer und Jonas verabschiedete sich schnell.

Er sah sich nach dem Mann um, doch er konnte ihn nicht mehr sehen. „Ich wüsste wirklich gerne, was der eigentlich von mir will. Das ist doch kein Zufall mehr, dass der mich jedes Mal so anstarrt, wenn ich ihn sehe!“

Doch statt des alten Mannes sah Jonas nun jemand anderen. Sebastian stand mit einem Fotoapparat vor der Kirche und fotografierte sie.

„Julia hat gesagt,dass er das von Zeit zu Zeit macht. Um sich zu überzeugen, dass die Statue auch wirklich weg ist. Armer Sebastian, so ganz scheint er noch immer nicht über die Sache hinweg zu sein. Ihn hat es von allen am Schlimmsten getroffen....“

Jonas ging auf Sebastian zu und dieser warf ihm einen unbehaglichen Blick zu. „Ich mache nur Fotos.....ich kenne die Leute da drüben...“

„Schon gut, ich weiß, warum du die Bilder machst, ist ja kein Problem,“ sagte Jonas. „Wenn dir das hilft, dann mach es ruhig!“

„Es hilft wirklich. Und es ist immer wieder ein guter Anblick, dieses Kirchentor zu sehen und keine Statue steht da drüber. Ich traue mich momentan sogar wieder ins „Mallorca“. Dort habe ich übrigens neulich....aber ergal!“, stammelte Sebastian.

„Du hast Lucas getroffen, ich weiß. Der ist da ein paarmal gewesen. Ich hoffe, er lässt es jetzt sein. Er wird übermorgen erst sechzehn, die Disco ist wirklich mehr was für große Kinder!“, erwiderte Jonas.

Sebastian nickte ein wenig abwesend. „Ich weiß, es klingt komisch. Aber hast du letztes Jahr, am 17. Oktober, nicht diese Statue vernichtet? Und dann war ein Jahr später dieser Sturm. In den Lokalnachrichten hatten sie einen vom Wetterdienst, der meinte, hier in der Stadt hätte man die stärksten Sturmböen überhaupt gemessen. Wir wären eine Art Epizentrum gewesen. Das ist alles so unheimlich. Ich habe darum ab Anfang November Urlaub beantragt. Ich fliege auf die Kanaren. Da bin ich hoffentlich sicher.....“

„Sicher wovor?“, fragte Jonas vorsichtig. „Machst du dir Sorgen, dass der Dämon zurück kehren könnte?“

Sebastian wurde blass. „Nein, das nicht. Oder doch? Ich habe einfach wieder Angst seit dem Sturm. Es geht mir fast so mies wie damals, als ich mir....aus Versehen ins Bein geschossen habe. Ich will einfach nur noch weg hier. Und drei Wochen auf den Kanaren werden mir gut tun. Dort gibt es hoffentlich keine Dämonen!“

Abrupt wechselte Sebastian das Thema. „Was macht eigentlich Gerrit, diese....Kreatu...ich meine..“

„Gerrit geht es gut! Und er ist keine Kreatur,“ sagte Jonas unfreundlich. 

Er mochte es nicht, wenn Sebastian in dieser Weise über einen seiner wenigen Freunde sprach. Und Gerrit verdiente eine solche Bezeichnung ganz und gar nicht.

„Er ist ein....was auch immer. Soll mir aus dem Weg gehen, ist auf seine Art genau so schrecklich wie diese Statuen! Aber wenn er mir nichts tut, dann tue ich ihm auch nichts....“, sagte Sebastian mit einem Anflug von Wut und seine Augen funkelten böse.

„Sebastian, du solltest dich mal hören! Du klingst gar nicht gut. Bist du sicher, dass mit dir alles in Ordnung ist? Und wenn dieser Sturm alte Erinnerungen wieder aufgefrischt hat, dann solltest du dir vielleicht Hilfe suchen,“ schlug Jonas vor. 

Seinen Ärger über die Bemerkungen Gerrit betreffend schluckte er hinunter.

„Ausgerechnet bei dir? Du hast jetzt meine Freundin, Glückwunsch übrigens noch und vielen Dank. Sollten die Freundinnen von Leuten, die einem mal im Kampf geholfen haben, nicht eigentlich tabu sein? Das weiß ich von Dennis, den hab ich neulich mal beim Einkaufen getroffen“, sagte Sebastian unfreundlich und packte seinen Fotoapparat weg.

„Ihr seid doch schon lange nicht mehr zusammen! Ihr wart schon längst auseinander, als ich mit Julia....“, begann Jonas, aber Sebastian unterbrach ihn. 

„Ihr seid alle nicht normal und habt mit Dämonen zu tun. Du, Gerrit und jetzt auch Julia! Geht mir alle aus dem Weg......“

Sebastian warf einen letzten ängstlichen Blick zur Kirche zurück und ging davon. Jonas überlegte, ob er ihm folgen sollte. Doch Sebastian hatte ihm immerhin deutlich zu verstehen gegeben, dass er sich fort scheren sollte.

„Soll er doch sehen wie er klar kommt,“ dachte Jonas, der nun ebenfalls wütend wurde.

„Erst beleidigt er meine Freunde, dann mich und da laufe ich ihm bestimmt nicht nach.“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!