„Du warst nicht feige. Jeder andere hätte wahrscheinlich das Gleiche gemacht wie du,“ sagte Jonas. „Aber ich fühle mich auch ein wenig beruhigter, wenn ich weiß, dass du nicht in der Nähe mit einem Schwert herum läufst. Selbst wenn du Buffy oder Xena wärst würde ich mir wahrscheinlich die ganze Zeit über Sorgen machen und gar nichts mehr hin kriegen....“

Julia nickte. „Ich fürchte, ich eigne mich mehr zum armen Hässchen in Not, statt zur Xena. Ich glaube, wenn wir mal bei Fernsehfiguren sind, bin ich eher ein naives Schneewittchen das sich von jedem etwas andrehen lässt und auf die einfachsten Tricks rein fällt. Oder ein Rotkäppchen, das seine eigene Oma mit einem Wolf verwechselt.“

„Nein, bist du nicht. Du bist nicht dumm. Und eigentlich ist es ja auch nicht normal, so was zu machen wie ich oder Stefan. Ich bitte dich, Dämonenstatuen! Hättest du vor einem Jahr gedacht, dass es so was gibt?“, fragte Jonas ein wenig spöttisch.

Julia nickte und wurde mit einem Mal traurig. „Doch, hätte ich. Vor einem Jahr war Katja schon tot und ich glaube, wir beide hatten uns auch das erste Mal nach langer Zeit wieder getroffen. Damals wolltest du mir am liebsten ein Kissen um die Ohren hauen und mich aus deiner Wohnung werfen....“

Jonas lachte und mit einem Mal kam ihm eine Idee, um Julias traurige Stimmung ein wenig aufzulockern. Er griff nach seinem Kopfkissen. „Also das mit dem Kissen kannst du jetzt auch noch haben!“

Julia griff nach ihrem eigenen Kissen. „Na warte, nicht mit dir! Du bist vielleicht gut mit einem Schwert, aber mit einem Kissen kannst du nicht umgehen......“

Jonas und die anderen trafen sich am Abend in Frau Hubers Wohnung und ließen sich ein gutes Abendessen schmecken.

Bei der Gelegenheit drückte die Gastwirtin Jonas eine Flasche Sekt in die Hand. „Den soll ich dir vom Herrn Pfarrer geben! Er gratuliert dir ganz herzlich, dass du die Statuen besiegt hast und wird das in seinem Kirchenbuch vermerken! Im Dorf tuscheln die Leute übrigens auch schon und wenn du mal in den Supermarkt gehst kriegst du einen Gutschein von 100,00 Euro!“

„Aber dann kann es ja jeder nachlesen, wenn der Pfarrer es in sein Buch schreibt,“ sagte Jonas unbehaglich und Frau Huber lachte. 

„Das ist ja auch der Sinn der Sache! Vielleicht nützt es ja mal jemanden wie dir, wenn er in 300 Jahren versucht, einen Dämon zu besiegen. Vielleicht weiß er ja dann, dass er auch eine andere, kleiner Statue zerstören muss!“

Jonas nickte. „Unter dem Gesichtspunkt hab ich es noch nicht gesehen. Gut, dann soll er es halt aufschreiben!“

„Vielleicht solltest du ja einen Ratgeber für Dämonenjänger schreiben. Wäre doch auch mal eine Idee,“ schlug Lisa halb lachend und halb ernst vor.

Jonas zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht. Das würde, wenn es überhaupt gedruckt würde, unter der Rubrik Fantasy erscheinen. Gut, die, die wissen worum es geht, könnten vielleicht was damit anfangen. Aber ich glaube, ich eigene mich nicht zum Schriftsteller!“

Nun wandte sich Lisa an Gerrit. „Da ich gerade diese Flasche Sekt sehe, du hast mir immer noch nicht gesagt, was du zum Geburtstag haben möchtest!“

„Willst du den immer noch feiern? Ich habe noch nie meinen Geburtstag gefeiert!“, wehrte Gerrit ab.

„Dann wird es höchste Zeit, damit anzufangen,“ stellte Frau Huber fest. „Am 17. Oktober ist es schließlich schon so weit. Hoffentlich ist das Wetter dann noch schön genug, dass wir draußen sitzen können!“

„Der 17. Oktober?“, fragte Julia verwundert und Gerrit nickte. „Ja, am 17. Oktober 1573 bin ich geboren. Und im März, als ich siebzehn war, bin ich dann....aber egal. Auf jeden Fall habe ich auch ab diesem Frühling endgültig wieder angefangen, weiter zu leben. Also kann man den 17. Oktober ruhig als Geburtstag gelten lassen. Jedenfalls meint Lisa das!“

„Und damit habe ich recht! Und du überlegst dir jetzt gefälligst, was du dir wünschst! Der 18. Geburtstag ist doch was ganz besonderes! So was muss man einfach feiern!“, sagte Lisa und schließlich gab Gerrit nach.

„Na gut. Ich könnte mal wieder ein paar Schuhe gebrauchen. Bei meinen anderen geht die Sohle ab und.....“

„Und das sagst du erst jetzt? Gerrit, zum einen verdienst du Geld, zum anderen gibt es mich auch noch,“ klagte Frau Huber kopfschüttelnd. „Wann wirst du dir das eigentlich mal abgewöhnen? Wahrscheinlich hast du wieder versucht,die Schuhe mit Klebstoff zu bearbeiten. Beim letzten Mal hast du dir die ganzen Socken versaut!“

„Aber Schuhe sind teuer und ich dachte an so ein paar spezielle, bequeme Turnschuhe....aber die sind wirklich zu teuer. Die hab ich neulich im Katalog gesehen.....vergesst es einfach! Demnächst haben die hier im Supermarkt Schuhe für 10 Euro im Angebot. Die reichen auch. Und das mit den Socken tut mir leid. Ich weiß, man sollte besser mit so was umgehen, aber....“, sagte Gerrit verlegen.

„Morgen zeigst du mir die Schuhe, die du haben willst!“, forderte Lisa ihren Freund auf und dieser gab schließlich nach.

„Ein paar Dinge wird man Gerrit wahrscheinlich nicht austreiben können, aber das gehört bei ihm vielleicht einfach dazu,“ dachte Jonas mit einem Lächeln. 

„Immerhin hat er mit Frau Hubers Hilfe soweit lesen gelernt, dass er die Sonderangebote entziffern kann. Eigentlich eine tolle Leistung.....“

Auch Jonas war der Meinung, dass Gerrit seinen Geburtstag am 17. Oktober ruhig feiern sollte und auch die gewünschten Turnschuhe gönnte er ihm.

Am nächsten Tag machten Jonas und Julia sich am späten Abend auf den Heimweg. 

„Hast du eigentlich deinen Bruder und deinen Vater schon angerufen? Hast du ihnen gesagt, dass alles in Ordnung ist!“, erkundigte sich Julia und sah ihren Freund fragend an.

„Natürlich! Ich hab sie direkt noch am gleichen Abend angerufen. Ich hab mit Lucas gesprochen und ihm gesagt, dass man sich wegen der Statuen keine Gedanken mehr zu machen braucht,“ antwortete Jonas gut gelaunt und schaltete das Radio ein.

Julia nickte, ehe sie ein wenig zögernd das Thema wechselte. „Ich hab Gerrit nichts erzählt! Du weißt schon, was!“

„Ja, ich weiß. Ich denke, das ist besser so. Immerhin mag er dich und was würde es schon ändern? Er würde dich vielleicht als Freundin verlieren und es wäre sicherlich nicht allzu schön für ihn, wenn er auf jemanden, den er eigentlich gerne hat, böse sein müsste,“ sagte Jonas ein wenig nachdenklich.

„Das ist auch einer der Gründe, warum ich geschwiegen habe. Vielleicht werde ich eines Tages mit ihm darüber sprechen. Aber im Augenblick bringe ich es einfach noch nicht über mich. Ich traue mich nicht. Und wem würde es nützen? Trotzdem fühle ich mich immer noch schlecht, wenn er nett zu mir ist. Er hat mir zum Abschied sogar noch Brötchen mitgegeben. Warum kann Gerrit nicht einfach fies zu mir sein? Das würde es mir leichter machen,“ seufzte Julia.

Nach einer Weile hörten sie den Wetterbericht. „Dieser Herbst verspricht ein goldener Herbst zu werden. Bis Anfang November werden wir uns aller Voraussicht nach über schönstes Wetter freuen können. Und vor allem in Bayern dürfte dies die Menschen in den nächsten Tagen freuen. Denn dort beginnt ja dann traditionell in Kürze das Oktoberfest.....“

„Ein goldener Herbst! So was ist doch irgendwie schön. Wenn man die Wintersachen so lange wie möglich einmotten kann,“ stellte Julia fest. „Und Gerrit hat vielleicht auch an seinem Geburtstag noch Glück mit dem Wetter, das ist ja immerhin schon fast Ende Oktober!“

„Ja,“ sagte Jonas und mit einem Mal fiel ihm etwas ein. „Gerrits Geburtstag findet am 17. Oktober statt....“

„Ja, und?“, fragte Julia erstaunt. „Ist da was Besonderes.....ja, da ist was Besonderes! Da hast du doch letztes Jahr deinen ersten Dämon besiegt. Den über der Kirche!“

Für einen Augenblick wurde Julia blass und die Erinnerungen an diesen Dämon und vor allem an Katja stiegen in ihr hoch. 

Doch dann lächelte sie zaghaft. „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn an diesem Tag jemand seinen Geburtstag bei schönstem Wetter feiert. Wir sollten an dem Tag vielleicht auch was Schönes unternehmen. Immerhin ist es doch ein gutes Jubiläum!“

„Ja, es ist ein guter Jahrestag!“, stimmte Jonas seiner Freundin zu.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!