2.05. Der Medienmann aus Tugalm City

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Die elegante Limousine wartet - vor der einzigen Ampelanlage im Umkreis von etwa 150 Kilometern - auf Grün, an der verkehrsreichsten Kreuzung der Stadt. Hier befindet sich auch die größte Shopping Mall der Gegend, das 'Gaisano'.
Um das Gaisano gelegen der Parkplatz, ein paar kleinere Geschäfte, Restaurants, sowie das Mac Donalds. Auch das Einzige im Umkreis von etwa 150 Kilometern.
Der Fahrer biegt nach links ab und steuert das Sendegebäude an. Kurz hinter der Kreuzung - rechter Hand - passiert er nun das teuerste Hotel am Ort. Das 'El-Mount, Beach Resort, Cottages and Convention Center'.
Hotel und Sendegebäude sind an der Rodriguez Street gelegen. Diese staubige Straße wird mit 'Highway' betitelt, obschon sie nur eine Spur in jede Richtung aufweisen kann. Die unbefestigten Standspuren nicht mit gerechnet. Der Highway zieht sich in Ost-West Richtung über die gesamte Insel und kreuzt hier die Nord-Süd Tangente.
Beide Highways sind zur Rush Hour innerhalb der Stadt, absolut chaotisch zugestaut. Jeder fährt dann irgendwie. Kreuz und quer. Regeln existieren nicht.

Ohne Eile genießt Steiner die Leere vor der bald einsetzenden Rush Hour.
'Eine Stunde später - könnte man meinen - trifft sich die gesamte Insel, zum morgendlichen Verkehrschaos an dieser Kreuzung', schmunzelt der Fahrer in seinen Rückspiegel.
"Aber sicherlich nicht wegen Mac Donalds", sagt er leise zu sich, während das Mac Donald-Logo im Rückspiegel verschwindet.

Der Großvater des elegant gekleideten Fahrers war Deutscher. Daher auch sein Name 'Steiner'.
Geblieben von den deutschen Genen sind nur seine überragende Größe von 1,87 Meter, die helle Haut und die viel zu früh einsetzende Glatze. Die hellbraunen Haare wurden stetig immer dünner und weniger. Im Gegensatz zu den meisten Philippinos hat er einen starken Bartwuchs und trägt deshalb stets einen Dreitagebart. Der Bart kleidet ihn.

Sein Großvater hat ihm zum richtigen Zeitpunkt eine stattliche Summe vererbt. Das Geld investierte er in sein Studium an der Universität in Cebu zum 'Master of Business Administration'.
"Das Geld ist gut angelegt, Opa wäre stolz", flüstert er und betrachtet sich zufrieden erst im Rück- und dann im Seitenspiegel. Deutsch versteht er zwar noch ein wenig, aber sprechen kann er die Sprache kaum. Dafür fährt er eines der seltenen deutschen Autos hier. Einen eleganten dunkelblauen Mercedes Benz, mit hellbrauner Innenausstattung und abgedunkelten Scheiben.

Das Sendegebäude des lokalen TV Senders kommt in seinen Blick. Er ist der Boss, das ist sein Revier. Hier hat nur einer etwas zu sagen und das ist er! Das Gebäude ist ein fünfgeschossiger Zweckbau mit umlaufenden, stark getönten Fenstern.
Einige der doppelt verglasten Fenster, mit goldfarbig eloxierten Rahmen, konnten den Anforderungen an das tropische Klima nicht gerecht werden. Sie sind zwischen den Scheiben weiß angelaufen.

'Blinde Fenster! Und das an einem TV-Sender. Immerhin der größte und erfolgreichste Sender in dieser Gegend', ärgert sich Steiner jedesmal, wenn er den Makel sehen muss.

Aber die Etagen sind nur gemietet. Eine Etage ist an einen katholischen Radiosender vermietet. Die andere Etage an einen Radiosender der 80 Prozent Werbung in den Äther bläst, 15 Prozent sind oberschnulziger, amerikanischer Softrock und der Rest ist blödes Gequatsche und lokale News.

'Diese schmierige Musik: Air Supply, Celine Dion, Whitney Houston, Eagles, America, Christopher Cross, Jennifer Rush'. Ihm wird ganz übel bei den Gedanken an diesen Schund.
"Wie können erwachsene Männer nur Songs wie 'The Power Of Love' oder
'My Heart Will Go On' hören oder - noch schlimmer - in die Karaoke grölen?", fragt er sich leise. "Typisch Philippinen", flüstert er und schüttelt angewidert den Kopf.
'Beim Musikgeschmack schlagen wohl die deutschen Gene durch', sinniert er.
Er mag klassische Musik und Hardrock. Ok, Country und Western und Rhythm and Blues und einiges an Rap-Musik lässt er sich auch noch gefallen.
'Der führende TV-Sender der Region teilt sich das Gebäude mit zwei Radiosender', freut er sich. Das war seine grandiose Idee. So teilen sich Drei auch das nötige Equipment. Zum Beispiel den leistungsfähigen Dieselgenerator. Ein absolutes Muss bei den ständigen Stromausfällen. Die klassische Win-Win Situation für die Drei.

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