Kapitel 1

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Ich lag auf einer Wiese und hatte meine blauen Augen geschlossen. Eine sanfte Sommerbriese zog über mich hinweg, zauste meine braunen, leicht welligen Haare und Trug die Gerüche des Waldes zu mir. Ich hörte das Zwitschern der Vögel und genoss die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht. Langsam öffnete ich die Augen und schaute mich um. Ich befand mich auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald. Vorsichtig stand ich auf und betrachtete als aller erstes die seltsame Kleidung, die ich trug. Ich hatte kniehohe braune Stiefel, eine dunkelblaue Leinen Hose, ein bordeauxfarbenes Hemd und einen ebenfalls dunkelblauen Kaputzenumhang an. Passend zu der Kleidung trug ich einen braunen Gürtel, an dem viele kleine Taschen und Säcke, in denen sich verschiedene Kräuter und Fläschchen mit seltsamen Flüssigkeiten befanden, hingen. Eines der Fläschchen holte ich hervor und betrachtete die violette Flüssigkeit darin. Ich öffnete es und roch an der Flüssigkeit. Der fürchterliche Gestank haute mich fast um und brachte mich zum Husten. Schnell verschloss ich das Fläschchen wieder und steckte es in die Tasche zurück. Nach einigen Augenblicken des verwirrten Umschauens und Nachdenkens beschloss ich, heraus zu finden, wo ich mich befand, weswegen ich vorwärts ging. -Irgendwo werde ich schon noch jemanden finden, der mir helfen kann- dachte ich. Ich überquerte die Lichtung und blieb am Rand stehen. Überall sah ich Vögel. Einige von ihnen bestanden komplett aus Feuer, ich konnte mir aber nicht erklären warum die Bäume nicht brannten, andere Vögel hatten hellblaue Federn und hinterliessen eine Spur aus Glitzer, überall wo sie entlangflogen. Es gab noch viele weitere sonderbare Vögel, doch ich beschloss weiter zu gehen. Ich ging durch den Wald. Es gab keine Wege, dies störte mich aber nicht. Fasziniert schaute ich mich um. Die Blätter der Bäume hatten alle möglichen Farben und viele der Blumen waren von einem magischen Schimmer umgeben. Von überall hörte ich sonderbare Geräusche, sie machten mir jedoch keine Angst, sondern ganz im Gegenteil. Ich fühlte mich hier richtig wohl.

Ich hatte keine Ahnung wie lange ich durch den Wald gelaufen war, als ich an einem Dorf ankam. Dieses Dorf bestand aus ungefähr 20 Mittelalterlichen Häusern. Neben jedem Haus waren ein Garten mit Obst und Gemüse und umzäunte Grundstücke auf denen sich viele verschiedene Tiere befanden. In der mitte des Dorfes war ein Platz mit einem Brunnen. Schon von weitem konnte ich das wütende gezanke hören, dass vom Brunnen kam. Auf dem Platz hatten sich so ziemlich alle Bewohner des Dorfes versammelt und im Kreis um die Streitenden herum aufgestellt. Ich drängte mich hindurch bis in die erste Reihe. In der Mitte der Menschenmenge Standen zwei ältere Leute. Eine Frau mit langen grauen Haaren, die eine fast bodenlange weiße Robe und braune Halbschuhe trug. Sie hielt einen weißen Stab , mit einem hellblau leuchtenden Kristal an der Spitze, in der Hand. Ihr Gegenüber war ein Mann der fast keine Haare mehr auf dem Kopf hatte. Seine ganze Kleidung war braun. Die alte Frau rief:" Ich bin zu alt für sowas! Such dir einen anderen Magier, der diesen Dämon vertreibt!" "Aber Morgana du weißt doch, dass unsere Dorfgemeinde nicht das nötige Geld hat, um jemanden anzuheuern. Du bist die einzige, die uns helfen kann", flehte er verzweifelt. Morgana schaute sich um." Nehmt doch ihn. Er müsste stark genug sein für diese Aufgabe", sagte sie und deutete dabei auf mich. "Was?", fragte ich überrascht. "Komm her!", befahl mir Morgana. Unsicher ging ich vorwärts, bis ich direkt vor ihr stand. "Aber Morgana, wie oft soll ich das noch sagen. Wir haben kein Geld", sagte der Mann verzweifelt. "Ich werde bezahlen. Also wie viel willst du?", fragte mich Morgana. "Wofür?", fragte ich verwirrt. "Du sollst einen Dämon vertreiben. Ich bin schon viel zu alt dafür. Wenn du es schaffst gebe ich dir 100 Goldmünzen als Bezahlung", erklärte sie. -Geld könnte ich gut gebrauche- überlegte ich. "Na gut. Wo muss ich hin?", willigte ich ein. Sie deutete mit dem Finger nach Norden und sagte: "Geh einfach immer geradeaus in diese Richtung. Nach einiger Zeit wirst du bei einer Höhle ankommen. Dort wohnt der Dämon."

Ich ging in die Richtung in die Morgana gezeigt hatte und kam schon bald bei der Höhle an. Ein eiskalter Wind wehte mir entgegen. Unsicher betrat ich die Höhle. Zuerst konnte ich nichts sehen, doch als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten sah ich Kristalle an den Wänden. Sie leuchteten schwach in vielen verschiedenen Farben. Ich ging weiter durch den gang bis die Höhle sich weitete. Der Boden war von Moos überzogen, welches bei jedem Schritt aufleuchtetet. In der Ferne hörte ich ein leises tropfen. "Warum bist du gekommen!", hörte ich eine Frauenstimme fragen. "Bist du der Dämon von dem die Dorfbewohner geredet haben?", fragte ich sie unsicher. "Also haben dich diese Dorfdeppen geschickt um mich zu vertreiben? Und ja ich bin der Dämon. Mein Name ist Serafina", antwortete sie leicht wütend. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen, als plötzlich ein helles Licht aufflammte. Serafina hielt eine kleine Flamme in den Händen. Jetzt konnte ich sie genauer betrachten. Sie hatte schneeweiße Haut, lange, lockige schwarze Haare und rötliche Augen. Sie trug ein bodenlanges schwarzes Kleid. "Du bist wunderschön", sagte ich leise. "Was?", fragte sie überrascht und wurde rot. "Ich muss dich aber immer noch vertreiben....", sagte ich nachdenklich. "Das wird nicht nötig sein. Ich habe nur so getan als ob ich böse wäre, damit mich die Leute endlich in ruhe lassen", sagte sie. "Das ist aber die falsche Strategie", sagte ich amüsiert. Sie überlegte kurz und fragte, dann plötzlich:" Kann ich zu deinem Familiar werden?" "Zu meinem was?", fragte ich verwundert. "Ein Familiar ist ein Wesen welches sein Leben mit dem Leben eines Magiers verbindet, somit schwört das Wesen ihm oder ihr ewige Treue", erklärte sie. "Aha, und warum möchtest du zu meinem Familiar werden?", fragte ich. "Überall wo ich hinging bezeichneten mich die Leute als Monster und versuchten mich zu töten. Aber wenn ich mit einem Magier irgendwo hingehe werde ich wahrscheinlich akzeptiert. Also kann ich nun zu deinem Familiar werden?", fragte sie ungeduldig. "Ja, was muss man dafür tun?", fragte ich. "Das was man tun muss wird dir nicht gefallen. Beweg dich bitte nicht vom Fleck", sagte sie und kam langsam auf mich zu. Ich fühlte wie ich langsam nervös wurde. Sie kam immer näher und näher. Ihr Gesicht näherte sich meinem und unsere Lippen berührten sich. Ihre Lippen waren warm und weich. Ich fühlte wie ich rot wurde. Schon nach einem kurzen Augenblick lösten sich unsere Lippen von einander und als ich sie anschaute bemerkte ich, dass sie so rot wie eine Tomate war. "War das alles?", fragte ich verwundert. Serafina nickte und schaute verlegen zu Boden. "Ich hatte etwas brutaleres erwartet", sagte ich. "Es wäre doch schwachsinnig demjenigen, dem man Treue schwört, schaden zuzufügen", sagte sie. "Da hast du recht. Und jetzt müssen wir ins Dorf gehen", sagte ich. Daraufhin verliesen wir die Höhle.

Serafina war sehr Nervös als wir den Platz betraten. Dort erwarteten uns schon Morgana und die Dorfbewohner. "Also war das nur ein Weisheitsdämon", sagte Morgana interessiert. "Was ist ein Weisheitsdämon?", fragte der alte Mann. "Weisheitsdämonen sind harmlos gegenüber Menschen. Sie ernähren sich nicht von Seelen, wie andere Dämonen, sondern von normalem Essen. Früher haben sie den Menschen alles beigebracht was diese zum überleben brauchten. Doch jetzt ist es nicht mehr notwendig, dass sie den Menschen etwas beibringen", erklärte Morgana. Sie musterte mich und Serafina genau und sagte dann erfreut:" Wie ich sehe hat sie sich bereit erklärt zu deinem Familiar zu werden. Wie heißt ihr zwei eigentlich?" "Ich heiße Yukitero." "Und ich bin Serafina", antworteten wir. "Verstehe. Darf ich dich Yuki nennen?", fragte sie mich. "Natürlich", antwortete ich. "Gut, also ich würde dich gerne zu meinem Lehrling machen. Natürlich nur wenn du damit einverstanden bist", schlug sie vor. Ich überlegte. "Du solltest einwilligen", riet mir Serafina. Ich überlegte noch ein wenig und sagte dann an Morgana gewand:" Gut, ich werde zu deinem Lehrling." "Sehr gut", sagte Morgana voller Freude. Sie nahm mich am Arm und führte mich zu einem Haus am Rande des Dorfes. Als wir das Haus betraten ertönte ein Klingeln. Der Raum den wir baten war nicht sehr groß. Gegenüber der Eingangstür befand sich eine Theke und an den Wänden standen Regale mit verschiedenen Tränken. "Das ist mein kleiner Laden. Die Tür rechts von uns führt zu einem Gang. Dort die erste Tür links führt zu meinem Zimmer. Hinter der zweiten Tür links ist die Lagerkammer. Die Tür rechts führt zum Bad und die Küche ist am Ende des Ganges. Die Tür direkt hinter der Theke führt zu zwei Treppen. Die eine Treppe führt zum Dachboden. Dort sind die Zimmer von dir und Serafina. Die andere Treppe führt nach unten in den Keller, wo ich meine Zaubertränke braue. Morgens und abends wirst du mir beim Tränkebrauen helfen. Und mittags wirst du im Laden die Kunden bedienen. Jeden Freitag gehe ich Kräuter sammeln. Du kommst selbstverständlich mit und hilfst mir. Und Samstags und Sonntags werde ich dir und deinem Familiar verschiedene Sachen beibringen. Ab morgen beginnt euer Training", erklärte sie uns.

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