Linseys Trauer & Hazels Mitgefühl

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Jonas und ich warteten bis Carla aus dem Baum zurückkehren würde, doch wer weiß, ob nicht sie starb?

Ich war zwar ein Einzelkind, doch konnte ich es mir ungefähr vorstellen, wie es sein musste, wenn die Schwester stirbt. Ungefähr so unerträglich, als würden meine Eltern sterben. Was machten unsere Eltern eigentlich gerade? Suchten sie uns? Oder nur die Polizei?

Wurden sie auch umgebra....Nein! Ich führte diese Gedanken nicht zuende. Sie durften meinen Eltern einfach nichts angetan haben. Sonst würden sie dafür büßen, das schwöre ich.

Wir warteten nun schon bestimmt 10 Minuten vor dem Baum. Wir hatten nichts gehört und wunderten uns, ob denn überhaupt etwas da drin passiert.

Irgendwann ging der Baum unten auf und wir sahen sie-Carla. Tot, vollkommen verbrannt und voller... was ist das? Lava! Oh nein, die arme...

Linsey und die anderen kamen her und Linsey weinte bitterlich. Sie konnte gar nicht mehe aufhören zu schluchzen. Alle trösteten sie und ich erwischte mich, als mir selbst eine Träne die Wange hinunterlief. Hazel stand neben mir und wischte sie weg. Ich erzwang mir ein kleines lächeln und Hazel lächelte zurück. Sie versuchte immer mir beizustehen, auch wenn es ihr eigentlich viel schlechter ging als mir.

*Flashback*

Heute war ich bei Hazel eingeladen. Sie feierte ihren 14.Geburtstag. Es waren einige Schulfreunde da und manche, die ich nicht kannte. Hazel kam und umarmte mich stürmisch. Die Stimmung war großartig und alle lachten oder waren im Pool und kühlten sich ab. Es war mitte Juli und somit Hochsommer. Das Thermometer zeigte stolze 38°C. Es gab viele Cocktails, wobei es eigentlich nur Ananassaft mit Kirschsaft oder andere Mischungen aus Säften waren. Jonas war auch da.

Als gerade von Hazels Mutter die Geburtstagstorte hereingebracht wurde, kam zur selben Zeit Jonas an den Tisch und ja klar, natürlich musste er den Kirschsaft genau auf mein weißes Kleid verschütten. Und zu allem übel, war dann ich auch noch die, die wütend weggestampft ist und dabei die Torte aus der Hand von Hazels Mutter gekickt habe. Natürlich nicht absichtlich! Hazel begann zu weinen. Tja, wir waren eben erst 14 und sie nahm es sich zu Herzen.

Sie rannte mir nach und hielt mich vor der Badezimmertür auf. Ich weinte mittlerweile auch. Nachdem sie mir ein Kleid von sich gegeben hatte gingen wir kurz in ihr Zimmer und setzten uns auf ihr Bett. Zuerst gab es eine unangenehme Stille, bis ich das schweigen brach. "Hazel es tut mir so unendlich leid! ich...ich wollte deine Torte nicht zerstören und ich wollte auch nicht, dass ich deine Feier kaputt mache. Es tut mir alles so...so schrecklich leid." Sie schüttelte die ganze Zeit über nur den Kopf und sagte dann: "Mach dir keine Sorgen Glori, alles ist gut. Ist ja nur eine Torte gewesen. Viel schlimmer ist, das Jonas sowas mit dir abzieht. Es tut mir so leid, das ich ihn eingeladen habe." Wir umarmten uns lange und intensiv. Ich begann zu weinen. Mein Ruf war zerstört- von Jonas. Ich schüttelte nur meinen Kopf. Wieso musste sie Jonas auch einladen? Nur deswegen war ihre Party zerstört! Nicht wegen mir, nein, wegen Jonas. Ich flüsterte noch einmal: "Es tut mir so leid." in ihr Ohr, wobei es mir eigentlich nicht um sie, sondern darum leid tat, dass Jonas so war. Vielleicht war es gar nicht seine Absicht...
Doch, er hatte sich bis heute nicht dafür entschuldigt!

*Flashback Ende*

Linsey hörte nicht auf zu weinen. Hazel umarmte mich und ich sie zurück. Sie gab mir Kraft, sogar in den schwersten Zeiten.
Und gerade war eine schwere Zeit-nicht weil ich Carla so gut kannte, sondern weil ich wusste, dass entweder noch mehr unschuldige Kinder sterben mussten, oder wir einen Weg finden hier weg zukommen. Ich wäre ja eher für die 2. Möglichkeit, aber ob das so einfach geht?

Irgendwann konnte Lindsey sich ein Stück weit beruhigen und weinte zumindest nicht mehr so laut. Sie tat mir total Leid, aber irgendwann war es einfach nervtötend. Ich dachte an Felix zurück ... Ich hatte doch auch nicht so lange um ihn getrauert. OK, ich kannte ihn nicht wirklich, aber dass was er zu mir gesagt hatte, bevor er starb, werde ich nie vergessen. Wir stiegen in den Bus ein und legten uns hin, heute war es ein anstrengender Tag gewesen und alle waren müde. Zuvor machten wir uns noch aus am nächsten Tag einen Plan zum Entkommen zu schmieden. An diesem Abend schlief ich nicht in Jonas' Arme ein, sondern in Hazels.
Jonas schlief bei Yasmin.

Der Bus zur Hölle *Abgeschlossen*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt