Im Gegenteil er wirkte gesund und kräftig. Seine früher fast weiße Haut hatte eine leichte Bräune angenommen und diese Verzweiflung war aus seinem Blick verschwunden.

„Er wird nie jemand sein, der im Mittelpunkt einer Party steht und sämtliche Leute unterhält. Dafür ist er einfach zu ruhig. Aber es scheint ihm wirklich gut zu gehen, und er ist glücklich mit seiner Lisa,“ dachte Julia.

Leider konnte dies ihre Schuldgefühle auch nicht vertreiben.

„Und ihr beiden seit tatsächlich zu diesen Statuen gegangen?“, erkundigte sich Jonas unterdessen bei Gerrit und Lisa.

„Das war zwar ziemlich mutig. Und auch hilfreich. Jetzt wissen wir, dass es wirklich Dämonen sind. Aber es war auch.....leichtsinnig!“

„Ich weiß,“ sagte Gerrit. „Wenn Frau Huber nicht aufgetaucht wäre, dann lägen wir wahrscheinlich immer noch im Feld. Wenn uns nicht die Statuen da abgeholt hätten. Ich kann leider gar nichts gegen die machen.“

„Ich wollte nicht mit Vorwürfen anfangen. Die machst du dir ja schon selbst,“ sagte Jonas entschuldigend. „Jetzt überlegen wir am Besten, wie wir vorgehen.“

Lisa kam eine Idee. „In einem alten Buch von Frau Huber soll sich doch noch eine Abbildung befinden, oder?“

Frau Huber nickte. „Dass wir da nicht schon früher drauf gekommen sind. Das steht irgendwo in meinem Bücherregal. Ich werde gleich mal nachsehen gehen!“

„Dann weiß ich wenigstens, wie die Statuen aussehen. Das ist doch schon mal was,“ sagte Jonas und wandte sich an Julia.

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte er sich leise.

Sie nickte unsicher. „Ja, alles in Ordnung. Du weißt ja, was los ist!“

Gerrit sah die beiden besorgt an und erhob sich. „Julia, du siehst irgendwie traurig aus. Ich hol dir am besten einen Kakao aus der Küche. Frau Huber sagt immer, das wäre das Beste, wenn es einem nicht gut geht. Bei mir funktioniert das gar nicht, ich mag das Zeug nicht....“

„Julia mag Kakao sehr gerne. Am liebten mit Smarties auf einem Extrateller,“ lächelte Jonas seine Freundin an, und zaghaft lächelte diese zurück.

Dann wandte sie sich an Gerrit. „Aber es ist nicht nötig, dass du jetzt extra den weiten Weg in die Küche gehst, nur um mir einen Kakao zu holen!“

„Weit? So weit ist das doch gar nicht, die Küche ist direkt nebenan,“ murmelte Gerrit verwundert und setzte sich wieder an den Tisch, als Frau Huber mit einem großen Buch in der Hand zu ihnen zurück kehrte.

Es handelte sich um einen großen Bildband und den legte sie nun auf den Tisch.

„Mal schauen, das ist über Raichelbach und Umgebung. Aus dem Jahre 1988. Der Tourismusverband hat das mal raus gegeben....

Sie blätterte ein paar Seiten weiter und kam schließlich zu einem alten Foto aus dem Jahre 1970. „Hier ist ein Bild von der Kirche!“, stellte sie fest.

Jonas und die anderen beugten sich über das Bild. „So sieht die Kirche immer noch aus, sie ist sogar noch ein wenig verfallener als damals,“ stellte Gerrit fest. „Aber da an der Mauer müssten jetzt die Statuen sein. Auf dem Bild sind sie nicht zu sehen!“

Frau Huber nickte und blätterte eine Seite weiter. Dort befand sich die gleiche Kirche, allerdings in einem deutlich besseren Zustand, und sie blickten auf eine Zeichnung aus dem Jahre 1819. Auf dieser Zeichnung waren deutlich drei Statuen zu erkennen, die in die Kirchenwand eingearbeitet worden waren.

„Ich hab da früher nie so drauf geachtet und den Bildband auch nur halbherzig überflogen. Wir dachten, wie gesagt, dass die Statuen im Laufe der Zeit zerstört oder aber von amerikanischen Soldaten, vielleicht auch dem Heimatverein, oder so, mitgenommen worden seien. Wir waren wirklich selten dämlich. Da haben wir hier den Franzl stehen und bemerken nicht, dass es noch andere Statuen in der Nähe gibt.“

„Ich weiß nicht, irgendwie haben diese Statuen manchmal die Eigenschaft, dass man sie nicht bemerkt und nicht auf das Offensichtliche kommt, auch wenn man vor ihnen steht. Und sie haben ja auch viel seltener zugeschlagen,“ stellte Jonas ein paar Vermutungen an.

„Ich wüsste jetzt nur gerne, in welchem Rhythmus die auftauchen. Wo sie dazwischen sind. Und ich wüsste noch gerne, seit wann das schon so geht!“

„Das sind ganz schön viele Fragen,“ seufzte Frau Huber.

Julia erhob sich. „Wir haben auf der Fahrt schon darüber gesprochen. Vielleicht gibt es ja noch alte Aufzeichnungen über dieses Grünenbach, den Ort, zu dem die Kirche gehörte!“

„Dann geht am besten mal zum Herrn Pfarrer. Das ist der Herr Michels. Ein netter Mann. Ich ruf ihn am besten mal an und sag, dass du vorbei kommst, Jonas. Dann hat er ganz bestimmt Zeit! Wahrscheinlich wird er noch darauf bestehen, vorher Kuchen zu holen....“, sagte Frau Huber lächelnd.

„Bitte sagen Sie ihm, dass er keine Umstände machen soll,“ wehrte Jonas verlegen ab, aber die Gastwirtin lachte. „Damit wirst du leben müssen! Du hast dir hier viele Freunde gemacht!“

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