Prolog

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Tief in den Fluten des Ozeans, verborgen im Boden unter tausend Meter eisigen Wassers, wütete ein Feuer. Es schmolz Gestein, wälzte sich hin und her, grub Stollen und Höhlen und nährte sich am Grund. Es wuchs und stieg auf, wand sich in glühenden Strömen empor und blähte die Kruste auf. Sie wölbte sich unter dem Druck und schob sich langsam durch die Wellen gen Himmel, bis ein mächtiges Massiv entstand. Am Fuße war von den Gezeiten umspült und an der Spitze von unbarmherzigen Lüften allseits angegriffen.

Im Inneren brannte das Feuer weiter, trieb ins Gestein unzählige Spalten und tiefe Risse. In denen fing sich der Wind. Er stürmte hinein und fachte das Feuer an, bis es weiß glühte und schließlich mit Wucht aus dem Gipfel brach. Die flüssige Glut ergoss sich zischend ins Meer, formte bizarre Klippen, schwarz wie die Nacht und scharf wie Klingen. Ein undurchdringlicher Wall aus steinernen Dornen rankte sich um eine Insel, auf der nichts gedieh und auf der niemand wohnte.

Hinter dem Dornenkranz ging traurig ein Ascheregen nieder, er bedeckte den zerklüfteten Grund. Beißende Luft trieb durchs Land. Aus dem Krater, den die Eruption hinterlassen hatte, glühte der Berg noch immer heiß und hungrig vor dem nächtlichen Firmament.

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