Nach Plan

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Die Jägerin blickte sich noch einmal kurz um, vermutlich um sicherzugehen, dass Rohan auch wirklich nicht in der Nähe war. Als sie endlich bei den Männern zu stehen kam, galt ihr erster Blick René.

„Was zur Hölle ... René, was machst du hier?" Sie wirkte nicht verärgert, eher verwirrt, der Franzose ging jedoch sofort in Abwehrhaltung.

„Ich kann das erklären! Technisch gesehen hat Rohan nur dir verboten, Vaine zu helfen ... also müsste ich eigentlich dich fragen, was du hier machst." Sie schüttelte zweifelnd den Kopf.

„René! Das hier ist gefährlich, was denkst du dir eigentlich ... du könntest verletzt werden!"

„Das beantwortet nicht meine Frage, Schwesterchen." Der Franzose war oft beharrlicher, als man ihm zutrauen würde.

„Ich habe zuerst gefragt ... " Nichtsdestotrotz beantwortete sie seine Frage; was Rohan anging hatte er schließlich recht. „Mir war langweilig. Bei einem kleinen Spaziergang hab' ich einen Formwandler gefunden, dem bin ich dann hierher gefolgt ... " sie warf einen deutenden Blick über ihre Schulter. „ ... er steht momentan an der Bar." Vaine wusste nicht, ob er beeindruckt oder schockiert sein sollte.

„Man lässt dich fünf Minuten alleine und du findest eine Jagd! Das ist ja schlimmer als in Prag, sag' mal, jagst du die Monster, oder jagen die dich!?"

„ ... oder noch besser: Erklär uns, warum dein Formwandler so vertraulich mit unserem Vampir plauscht." Renés Murmeln brachte die beiden anderen dazu, sich nach der Bar umzusehen:

Tatsächlich sprachen der Barkeeper und der Formwandler immer noch miteinander. Nur einmal pausierten sie kurz, als eine Frau ein Getränk orderte und Ersterer die Chance sofort nutzte, um sie anzugraben.

„Das ist der Vampir? ... ist das eine kleinere Ausgabe von dir, Vaine?"

„Der Gedanke kam mir auch schon, aber die Damenwelt scheint ihm ja ganz zugetan ... ich hingegen beiße mir an der Frau meiner Wahl die Zähne aus." Tatsächlich lachte die Jägerin ob dieser Aussage, nur René konnte der Konversation nicht ganz folgen und blickte die Beiden etwas irritiert an.

„Wie kommst du eigentlich auf den Kerl?" Kurz erklärte Aya wie sie bei ihrem Spaziergang den deutschen Touristinnen begegnete, die ihr von den Morden erzählte. Wie sie die Bars abklapperte und so schließlich den Formwandler fand und ihm in die Bar folgte, ohne zu bemerken, dass es derselbe Club war in dem Fabris arbeitete.

„Ihr habt doch schon recherchiert, René ... die Vampiropfer sahen sich nicht ähnlich, oder?" Er schüttelte kurz den Kopf und die Jägerin seufzte. „Und er bringt seine Opfer auch nicht um ... "

„Wo wir gerade über diesen Punkt sprechen ... was genau ist so ein Formwandler?" Vaine hatte das Wort durchaus schon gehört, doch er wollte es etwas genauer wissen.

„Formwandler entstehen durch einen vererblichen Gendefekt ... sie können ihr Aussehen verändern, daher auch der Name. Egal um wen es geht: Sie können jeden Menschen kopieren und sich auch ganz so verändern, wie es ihnen beliebt."

„Sie können ... einfach so?" Er fand das ganze eher unglaublich, doch René brachte ihm schnell ein gutes Argument entgegen.

„Du kannst dich einfach mal so in einen Vogel verwandeln ... da sollte dich etwas Aussehensveränderung nicht irritieren."

„Diese Formwandler ... " setzte Aya ihre Erklärung fort, nun da Vaines Frage mehr oder weniger geklärt war. „ ... sind meist etwas ... Nun ja; eigen. Keiner weiß so genau warum, aber sie sind oft psychisch labil. Vermutlich fühlen sie sich ein bisschen als genetische Freaks, vor allem da sie ihre Verwandlungen im Kindesalter nicht kontrollieren können. Das Mordmuster passt ziemlich gut auf das Profil eines Formwandlers."

HunterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt