45:Tailor

826 51 0


Die Uni geht weiter. Seit Zwei Wochen liegt Lia im Koma. Ihr Herz schlägt regelmäßig und alles ist gut gegangen. Ich bin immer noch so geschockt davon, dass sie fast nicht zurück gekommen wäre.

Ich sitze auf einer Holzbank und rauche. Die meisten gaffen mich an, während Bryan und ein Paar andere um mich herum stehen. "Alter, habt ihr das mit Marco mitbekommen?" Fragt Toni und ich schaue ihn an.

"Was hat er den jetzt gemacht?" Frage ich Toni grinst. "Er hat eine Freundin und wird Vater. Das Mädchen heißt Lia." Ich lache. "Ja klar, und ich bin der Weihnachtsmann. Zeig mal ein Bild von Lia." 

Er holt sein Handy heraus und dann sehe ich ein Mädchen mit Schwarzen Haaren und blauen Augen. "Sie heißt nicht Lia sondern Lilianna. Schön, Marco kommt hoffentlich zur Vernunft. Der regt mich sowieso nur auf." 

Toni grinst bloß. "Nun ja, sie sitzt im Rollstuhl." Ich nicke. "Dieser Typ regt mich einfach auf. Soll er bleiben wo der Pfeffer wächst. Er wird schon sehen was er davon hat, immer auf schwächere zu gehen." Toni nickt.

Damit verabschiede ich mich. Während ich zu meiner nächsten Lesung laufe, starren mich alle an. Manchmal ist das echt ätzend, nur weil man gut aussieht, starren die Leute einen an. 

Sobald ich im Hörsaal bin, setzte ich mich möglichst weit von allen weg. Umso mehr ruhe ich habe, desto besser geht es mir. Ich bin kein Mensch der von allen Seiten belagert werden muss. Mir reicht meine Familie und Freunde, Fans brauche ich nicht. 

Neben mich setzt sich ein Mädchen, sie schweigt einfach und schaut nach vorne. Als unser Dozent reinkommt, beginnt er einfach und spricht über Herztransplantation. Wie passend dieses Thema doch gerade ist.

Er spricht darüber wie ein Herzfehler zustande kommt, wie man ihn Operieren kann, wie man ein Herztransplantiert. Was man beachten muss, all das habe ich bereits Live vor Zwei Wochen gesehen.

Ich würde nie im Leben einen Studenten, der gerade mit dem Studium fertig ist, allein in eine Herztransplantation schicken. Man sollte immer mit erfahrenen Ärzten zusammen arbeiten und die ersten Operationen nur Assentieren und vielleicht selbst Hand anlegen, aber unter wachsamen Augen. 

Wir bekommen Zettel ausgeteilt. "Ihr werdet nun diese Fragen beantworten. Abschauen werte ich als Sechs." Damit schließe ich alle Bücher und Hefte und fange an zu lesen. Die Fragen sind zum Teil sehr leicht zu beantworten. 

Bei manchen Fragen gibt es als antworten Zwei Möglichkeiten. Nach Zwanzig Minuten wird der Test wortlos eingesammelt. Egal ob man fertig ist oder nicht. 

Damit höre ich weiter meinem Dozenten zu. Er spricht ziemliche gut, sehr verständlich und auch sehr locker. "Was passiert wen man ein Spenderherz hat und es abgestoßen wird?" Fragt er und das Mädchen neben mir hebt die Hand. 

"Der Patient stirbt." Mein Dozent lacht. "Das will man meinen, aber nein." Damit hebe ich die Hand. 

"Man erhält ein Künstliches Herz und behält das Spenderherz bis zu Erneuerung durch ein Zweites Spenderherz im Körper. Sonst hat man nämlich keinen Puls, der für viele weitere Untersuchungen gebraucht wird." 

Mein Dozent nickt. "Richtig. Ein Spenderherz wird nicht entnommen. Es wird mit einem Künstlichen Herz unterstützt, damit Testergebnisse nicht verfälscht werden." Ich schreibe mir das auf. Das Mädchen neben mir wirkt angespannt und wütend. 

Als die Vorlesung vorbei ist, packe ich alles zusammen und verlasse den Saal. Draußen erwartet mich Bryan. Er lehnt an meinem SUV und sieht frisch geduscht aus. "Wie war das Training?" Er hält den Daumen nach oben.

Ich steige ein und Bryan macht es sich neben mir bequem. Wir fahren heute das erste mal Lia besuchen. Die letzten Zwei Wochen musste ich viel lernen und Bryan viel Trainieren, damit sie am Freitag das Spiel gewinnen. 

Die Fahrt vergeht ruhig und als wir vor der Klinik ankommen, laufen wir rein und gehen auf die Station. Leise öffnen wir die Tür und Liam sitzt ruhig da, hält die Hand von Lia und lächelt leicht. "Hey." Er schaut zu uns. "Hey, ich lass euch mal allein. Brauche Kaffee." 

Damit lässt er uns alleine und wir setzen uns zu Lia. Sie kann von allein Atmen. Blumen, Ballons und Karten stehen im ganzen Zimmer verteilt herum. Sie hat ein Shirt an und ein Armband um den Arm. Sie hat es von Liam geschenkt bekommen. 

Leise läuft Musik. Bryan spielt mit ihrer Hand. Ich schaue sie einfach an. Sie wird derzeit künstlich ernährt und ihr Herz schlägt regelmäßig. Es ist toll das sie endlich die Chance hat zu Leben. Es gibt nicht nur ihr Hoffnung, sondern den andern Kindern hier auf Station auch. 

Leise öffnet sich die Tür und Liam kommt wieder. Er nimmt sich einen Stuhl und setzt sich schweigend zu uns. "Wie geht es ihr?" Frage ich. "Sie wird. Bald leiten die Ärzte es ein, dass sie aus dem Koma aufwacht. 

Sie wollen sie noch eine Woche hier liegen lassen, dann holen sie sie langsam aus dem Koma. Damit ihr Herz auch im normalen Zustand funktioniert. Alle sind zuversichtlich. Sie wird aber noch einige Monate hier sein. 

Für Therapien und um mehr Gewicht zubekommen, sie machen sich auch sorgen das Lia in der realen Welt nicht zurecht kommt, weshalb sie langsam an das herangeführt wird. Mit Therapeuten und Freunden soll sie dann lernen in der Außenwelt zurecht zu kommen. 

Die Ärzte sind der Meinung vor ihrem 24 Geburtstag ist sie hier raus. Lia wird zwar noch einiges vor sich haben, aber man ist voller Hoffnung." Ich nicke. "Das hört sich doch gut an, warum wirkst du dann so traurig?" 

Liam lächelt. "Weil Lia noch eine Menge vor sich hat. Ich habe ehrlich gesagt ein wenig Angst, dass wen ich mit ihr raus gehe das sie zerfleischt wird von den Fans, der Presse und auch von ihren Leuten. 

Die Blicke hier in der Klinik sind schon immer sehr abschätzend. Draußen sind die nicht mehr so nett."

"Diese Wixxer haben keine Ahnung. Lia weiß was sie kann. Sie weiß das ich jedem eine verpasse der einen dummen Kommentar abgibt. 

Diese Wixxer heulen schon wenn sie sich nur auf dem Footballfeld ein Fingernagel abgebrochen haben. Die würden keinen Tag hier in der Klinik überleben, geschweige dessen Zwölf Jahre."

Bryan kann sehr ungemütlich werden, wenn es um Menschen geht die er mag. Liam nickt leicht. "Ich kann aber schlecht Leute verprügeln." Bryan lacht. 

"Nein, du bist derjenige der Lia beschützt. Ich bin derjenige der Prügelt und Tailor ist derjenige der mich dann wieder zusammennäht."

Ich muss lächeln. Bryan hat einen Beschützer Instinkt der verdammt gut ist. "Was macht ihr eigentlich wenn ihr nicht hier bei Lia seid?" Fragt Liam. "Wir studieren. Ich Medizin und Bryan, Musik und Psychologie." 

Liam schaut Bryan an. "Hätte ich nicht gedacht, aber irgendwie steht dir das Psychologendasein. Kann ich mir gut vorstellen." Ich nicke. "Ihr beide seid zusammen oder?" 

Ich lache. Bryan schaut Liam an und nickt. Liam grinst und schaut zu Lia. "Sie hat es dir verraten." Stelle ich fest und Liam schüttelt den Kopf. "Ich habe mich gefragt warum sie keinen von euch datet, so hässlich seid ihr nicht. 

Sie meinte ihr wärt wie große Brüder, ich habe dann überlegt. Jack hat kein Interesse an einer Beziehung. Für ihn geht es nur um seinen Sohn. Alles andere ist ihm scheißegal.

 Ich habe dann überlegt und dann sah ich euch bei der OP und dann hatte ich diesen Einfall. Am ende wusste ich es." 

Ich nicke bloß. Ich schaue zu Lia, sie wirkt unglaublich müde und erschöpft. Nach Zwölf Jahren des Kämpfens, der Enttäuschung und der Hoffnungslosigkeit ist das hier glaube ich das beste was uns allen passieren konnte. 




Briefe von Liam PayneWhere stories live. Discover now