Carlas Aufgabe

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Carlas Sicht:

Ich kletterte von unten in den Baum. Ich sah nichts, aber ich wusste, dass der Baum hohl war. Ich war nicht die sportlichste, aber konnte leicht hinaufklettern, da ich eine Leiter fühlen konnte.

Ich hoffte Linsey würde überleben, sie war die einzige die mich immer beschützt hatte, als ich gemobbt wurde. Sie hatte es nicht verdient zu sterben. Ich konnte nur im dunkeln eine Leiter hochklettern und warten, was für mörderische Dinge auf mich zukommen würden. Der Baum war riesengroß, denn ich konnte hinter mir nicht spüren, wie der hohle innere Teil weiterging. Ich kletterte weitere zwei Stufen der Leiter hinauf, bis ich etwas glitschiges an meiner Hand spürte. Es war dunkel, deswegen konnte ich nicht erkennen was es war. Es brannte. Meine Hand tat weh, aber ich war eine Kämpferin und kletterte weiter nach oben. Ich ging zwei Stufen weiter hinauf, doch es geschah nichts. Nun konnte es nicht mehr lange dauern, bis ich wieder oben war. Oder doch? Ich wusste nicht wie hoch dieser Baum genau war, aber ich würde es noch herausfinden. Was wird mit mir geschehen? Oder wird gar nichts passieren und Linsey wird sterben? Nein, das darf nicht sein! Sie ist die einzige die immer zu mir gehalten hat, wenn alle gegen mich waren. Die einzige die mich unterstützt hat und mich motiviert hat, dass man das Leben auch gut sehen kann. Es gibt einen Spruch der mir gerade durch den Kopf lief: Ohne Leid wüssten wir nicht, was Freude ist.

Linsey hat mit dieses Zitat immer bei meinen Tiefpunkten gesagt und hat mich somit aufgeheitert. Doch was, wenn das gar nicht wahr ist? Wenn ich auch Freude verspürt hätte wenn mich nicht alle gemobbt hätten sondern auch, wenn ich so ein perfektes Leben wie Linsey gelebt hätte? Ich werde es niemals erfahren.

Ich riss mich aus meinen Gedanken und dachte an die Aufgabe, die vermutlich zu meinem Tod führen würde und in der ich gerade stecke. Als ich in meinen Gedanken versunken war, bin ich keine einzige Leitersprosse weiter hoch geklettert. Immer noch umgab mich nur Dunkelheit. Ich setzte meinen Weg nach oben zögerlich fort. Bis jetzt war ja noch nichts Halsbrecherisches auf mich zugekommen. Mal sehen, was noch kommt.

Ich kletterte noch zwei Stufen, bis ich auf einmal merkte, dass es hell wurde. Es war, als hätte man auf einen Lichtschalter gedrückt und das Licht angemacht.

Ich konnte bis ganz nach oben sehen und mir fiel auf, dass es bis zur Baumkrone bestimmt noch 40 Sprossen waren. Wie kann ein Baum nur so hoch sein? Ich sah nach unten und bemerkte, dass ich erst um die 15 Stufen hoch war. Dann sah ich wieder nach oben und kletterte schnell weiter. Ich wollte so schnell wie möglich hier raus, aber irgendwie auch nicht, weil das heißen würde das Linsey stirbt. Aber so wie ein Mensch nunmal war, egoistisch und selbstverliebt, versuchte auch ich mich zu retten. Aber ich denke jedes Lebewesen hat einen Überlebensdrang.

Als ich nun nach oben sah, merkte ich, dass etwas auf mich herunterfiel. Es war flüssig und glühte orange. Oh nein, war das Lava?

Ich hatte recht, wenige Augenblicke später fiel das heiße Zeug auf meinen Körper herab. Es brannte und ich schrie wie am Spieß. Ich schaffte es nicht mich länger festzuhalten. Ich ließ die Sprosse los und fiel runter. Ich prallte hart auf und dies tat schrecklich weh. Das Lava brannte, als würde ich bei lebendigem Leibe verbrennen. Ich konnte mich nicht bewegen.

Ich sah, dass noch ein Schub Lava auf dem Weg nach unten war, auf dem Weg in mein Gesicht. Ich war zu kraftlos um noch irgendetwas dagegen tun zu können. Ich sah, dass die Lava kurz vor meinem Gesicht war. Ich dachte an Linsey, dass sie vielleicht das ganze überleben würde und lächelte. Ich flüsterte noch ein letztes: "Viel Glück Linsey." Bis das Lava und die unendliche Dunkelheit mich einhüllten und meine Seele aus meinem dicken Körper befreit wurde.

Jetzt war ich glücklich.

Der Bus zur Hölle *Abgeschlossen*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt