Volksmärchen und Eisblumen

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Das Haus war nicht weit von Benricos Arbeitsplatz entfernt und Vaine und René fanden bald einen guten Platz um den Eingang unauffällig zu beobachten.

„Also, gibt es sonst noch Infos von denen ich wissen sollte?" René nickte und zog einige beschriebene Blätter aus der Innentasche seiner Jacke. Auf dem Weg dorthin hatte er ihm erzählt, dass er und Rohan schon einige Stunden früher in Rom ankamen und vorab schon Informationen über den Vampir eingeholt hatten.

„Vor seinem Dasein als Vampir ist er nicht wirklich aufgefallen, aber nach einem Gespräch mit einem seiner ehemaligen Freunde lässt sich folgendes sagen: Fabris war ein ziemlicher Frauenheld, alles was nicht bei drei geflüchtet war, hat er angegraben. Was seinen Charakter angeht scheint er ein eher arroganter und ziemlich sturer Typ zu sein ... es könnte sich als etwas hürdenreich herausstellen mit ihm zu reden." Vaine war, als hätte René gerade in wenigen Worten ihn selbst beschrieben. Hatte ihn Rohan deswegen auf Benrico angesetzt? Aber sie kannte ihn ja nicht und konnte daher kaum wissen, dass er eine Art skurrile, jüngere Version von Vaine zu sein schien.

„Ja, verstanden ... ihm mit Vernunft beizukommen ist also vermutlich nicht die endgültige Lösung des Problemes." René nickte kurz.

„Vor einigen Monaten hat er fast gänzlich den Kontakt zu seinen Freunden abgebrochen, seine Arbeitsstelle gekündigt und einen Barkeeperjob in einem Nachtclub angenommen. Seitdem hat ihn keiner mehr tagsüber gesehen und in der Gegend um die Bar häufen sich die Übergriffe auf junge Frauen ... " Diesen Teil kannte Vaine ja bereits von Aya.

„Also warten wir, bis er rauskommt und beobachten ihn während er arbeitet. Wir sehen uns an, wie er sich verhält und ob er tatsächlich das ist, was wir denken ... und dann reden wir mit ihm."

„ ... oder mehr als das, wenn notwendig. Sonst konnten wir nicht viel über ihn herausfinden." Nun nickte Vaine, doch es gab noch etwas, dass ihm keine Ruhe ließ ... auch wenn es nur indirekt mit dem Fall zu tun hatte.

„Sag ... das mit Rohan und Aya ... "

„Du fühlst dich doch nicht immer noch schlecht deswegen?" Der Franzose lächelte mitfühlend und Vaine war es beinahe unangenehm, ihn schon wieder damit zu behelligen.

„Nun ja ... du sagtest zwar die beiden fänden immer einen Grund zu streiten, aber das hier scheint mir doch ein anderes Kaliber von Streit zu sein ... "

„Mach dir keinen Kopf, Vaine. Die zwei werden sich schon wieder zusammenraufen und mal ganz unter uns gesagt ... du bist nicht einmal das Schlimmste, worüber sie jemals gestritten haben."

„Soll mich das jetzt beruhigen?" Plötzlich fiel ihm wieder ein, dass er René bereits früher eine Frage gestellt hatte, die er jedoch noch nicht vollends beantwortet hatte. „Bevor ich es vergesse: Wir hatten uns doch zuvor unterhalten und wurden unterbrochen ... "

„Stimmt ja, die Frage warum Aya mich unbedingt aus dem Schussfeld halten will ... weißt du, ich war auch einmal Jäger. Vor acht Jahren jedoch ... warte, sieh mal!" Es war wie verhext mit diesem Gesprächsthema, denn plötzlich öffnete sich die Haustüre und Fabris persönlich trat aus dem kleinen Haus.

Bevor er unter dem Vordach hervor trat, warf er noch einen misstrauischen Blick gen Himmel, wahrscheinlich um zu prüfen, ob ihm wirklich keine Gefahr drohte. Erst als er wirklich sicher schien, machte er sich auf den Weg in die Arbeit, Vaine und René dicht hinter ihm.

Auch Vaine warf einen nachdenklichen Blick in Richtung Himmel, er vergaß immer wieder wie wertvoll der Kristall um seinen Hals doch war. Er konnte sich ohne Probleme auch im Tageslicht bewegen, viele Vampire jedoch konnten von Glück reden, dass die Reflektion des Sonnenlichts durch den Mond nicht genügte um sie in Asche zu verwandeln ... René riss ihn aus seinen Gedanken.

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