39:Harry

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Die Worte von Lia sind unglaublich. Wie stark sie ist, es ist schön zu sehen das es solche Menschen noch gibt. 

Wir sitzen hier in der Cafeteria und die Blicke der andern sind deutlich spürbar. Es ist unverschämt was die hier sich erlauben, als wären ihren Familienmitglieder oder Freunde nicht selber krank.

Lia scheint es wohl echt schwer zu fallen das sie so beachtet wird, somit stehe ich auf und wir laufen einfach durch die Klinik. Sie soll sich wohlfühlen und nicht belästigt werden. "Lia, wieso bist du so dünn?" Frage ich.

Sie lächelt. "Das hängt an den Medikamenten und meiner Kraftlosigkeit, ich schaffe manchmal nicht mehr zu essen. Es ärgert mich und es enttäuscht mich, aber mehr kann ich manchmal einfach nicht essen. 

Die Ärzte geben mir Abends immer so ein Getränk das Dick macht. Ich gebe mir die größte mühe Gesund zu werden, aber manchmal fällt es einfach schwer."

Ich kann sie in dieser Hinsicht sehr verstehen. Wir laufen durch einen Gang und stehen dann wieder vor dem Aufzug. "Was ist wenn du entlassen wirst, was wirst du dann machen?" Lia zuckt die Schultern.

 "Ich habe keine Ahnung. Ich muss dann erstmal schauen wie das Leben da draußen funktioniert. Ich werde wahrscheinlich komplett überfordert sein und die Klinik nach einer Zeit vermissen."

"Lia, was wird passieren wenn du stirbst?" Sie schaut mich an. "Ich werde wahrscheinlich in Vergessenheit geraten und auf einem Friedhof landen und dort in einer Holzkiste liegen und vergammeln." 

Wir betreten ein Musikraum und Lia setzt sich ans Klavier. Ich setzte mich neben sie. Sie schaut aus dem Fenster und wirkt abwesend. "Was ist dein Wunsch?" Sie schaut mich an. "Leben, eine Familie, Sicherheit." 

Ich nicke. "Du siehst aus wie ein Teenager und bist schlauer wie wir alle." Lia grinst und spielt auf dem Klavier. Ich erkenne den Song und singe einfach. Queen hat schon immer gute Laune gemacht.

Wie Lia die Tasten vom Klavier benutzt ist einfach unglaublich. Musik hat schon immer Menschen verbunden und das Zusammengebracht was zusammen gehört. "Lia, wo hast du so spielen gelernt?"

Sie lächelt. "In der Schule. Ich habe die Schule gemocht, egal um welches Fach es ging. Es war immer etwas neues, jeden Tag und dann als ich mein Abschluss geschrieben habe, dachte ich, ich kann auf die Uni, aber daraus wurde nichts. 

Ich fiel ins Koma und ab da ging es mir noch schlechter. Jeden Tag versagt mein Herz mehr und mehr, klar ich habe eine Künstliches, aber dennoch. Sobald mein Herz komplett versagt hat, übernimmt das Künstliche, aber ich werde keinen Puls haben. Das ist so bei der Maschine, dann bin ich ein Lebender Toter. 

Weißt du, ich habe nie jemanden verurteilt. Niemand weiß was hinter dir steckt, welche Person du bist. Dich kann keiner beurteilen oder verurteilen. 

Niemand kann sagen was in dir vorgeht außer du selber, somit ist es nicht fair jemanden wegen etwas schlecht zu machen für was die vielleicht gar nichts können. In der Schule nennt man das Mobbing, ich nenne es einfach nur Feigheit. 

Ich wurde in der Schule gemobbt. Zwar nicht offensichtlich, aber die Mädchen waren die schlimmsten. Sie haben immer gelacht, weil ich so vieles nicht konnte. 

Die Jungs waren deutlich Toleranter, haben mich verteidigt. Es ist einer der Gründe warum ich Mädchen nicht vertraue, der andere ist meine Mutter.

 Sie hat mich aufgegeben, mir gesagt ich soll etwas Produktives tun. Ich habe alles versucht, ich studiere, versuche mir ein Leben aufzubauen. Ich habe mir das alles hier nicht ausgesucht und dennoch werde ich verurteilt. 

Briefe von Liam PayneWhere stories live. Discover now