16:Lia

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Bryan und ich sitzen seit Tagen an seinem Song. Ich habe immer wieder ihm erklärt das er einen Moment der für ihn Entscheident war, aufschreiben und beschreiben soll. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass er kaum einen Moment hat. 

Wir mussten sehr lange sprechen und überlegen bis wir endlich etwas gefunden haben, das länger als Drei Zeilen lang war. Diesen Moment den er in seinem Song beschreibt ist ziemlich gut auf seine Art zurückzuführen.

Es beschreibt wie er so geworden ist, wie er heute ist. Mit seinen Macken und seinen harten Seiten. Es ist ein sehr langsamer Song und sehr ruhig gesungen. Immer wieder streicht Bryan etwas durch und ersetzt es durch andere Wörter oder Floskeln. 

Ich habe mich auch dran gesetzt ein Paar Songs zu schreiben. Das mache ich aber auch nur, weil es für mich wie Tagebuch schreiben ist. Ich bin kein Mensch der alles in ein Buch schreibt und knall Rot im Gesicht wird, wenn ein anderer das Buch liest oder in der Hand hält. 

Ich bin ein Mensch der schreibt Dinge die wichtig für einen sind, in einen Song. Zwei Songs sind mir in den letzten Wochen eingefallen. Ich beschreibe meine Siutation in der Klinik und wie das Gefühl wäre am Ziel angekommen zu sein. 

Bryan hält mir die Zettel unter die Nase und ich nicke. Immer wieder lese ich mir die Strophen durch und lächle."Bist du den damit zufrieden?" Er nickt ganz stolz und damit holt er die Gitarre hevor und spielt die Noten. 

Er nimmt es mit dem Laptop und einem Mirko auf und spielt immer wieder die Strophen in einer sehr langsamen Version. Dahinter wird er noch ein Schlagzeug packen und dann hat er seinen Song. 

Als er den Song oft genug gespielt hat, hört er sich die Versionen an und lächelt dabei immer wieder. Er gibt mir die Kopfhörer und ich höre mir die Version an. Ich halte den Daumen nach oben. "Das klingt wundervoll." 

Er nickt und packt alles ein. "Alles gut?" Frage ich und er lächelt vor sich hin. "Geht schon. Habe nie so viel über mein Leben nachgedacht. 

Meist Lebe ich es nur, denke darüber aber nicht nach. Wenn ich dich jetzt so sehe, frage ich mich ob es fair ist so zu Leben und zu wissen du hast vielleicht nie die Chance dazu."

Ich nicke bloß. "Jeder hat sein Geschichte. Man lebt sie und man kann sie selbst schreiben. Vielleicht komme ich hier raus oder auch nicht. Niemand kann es wissen, aber du musst dich nicht schlecht fühlen nur weil ich hier liege. Das ist nicht deine Schuld."

Bryan nickt. "Tailor denkt oft an dich. Wegen dir will er Arzt werden. Eigentlich wollte er Anwalt werden, aber nach einem Praktikum in einer Kanzeil hat er das schnell über Board geworfen. Als er dann dich sah, wurde ihm klar das er Arzt werden will. 

Er würde dir das nie sagen, aber er hat großen Respekt vor dir. Er bewundert dich sehr, besonders deine Stärke und dein Durchhaltungsvermögen. Du bist mit einer der wenigen Frauen die er Respektiert und Akzeptiert, die auch ihre Meinung sagen kann und er hört drauf. 

Neben dir ist es nur noch seine Mutter und seine ungeborene Schwester. Sie wird sein ganzer Stolz sein. Das er dich nach Namen gefragt hat, zeigt wie viel er dir vertraut. 

Selbst seine Cousine durfte das nicht. Tailor hat sich nicht viel verändert seit der Schulzeit, aber in manchen Dingen bleibt er Treu."

Ich nicke. "Er meint er ist nicht der treuste was Frauen angeht." Bryan lacht. "Er ist noch keiner wirklichen Frau begegnet. Es waren für ihn ein Paar Erfahrungen, aber wirklich einer richtigen Beziehung ist er noch nicht begegnet. Ich auch nicht, aber ich lege drauf noch nicht wirklich viel wert. 

Ich mag mein Leben auch wenn es manchmal höhen und tiefen hat, die sehr unterschiedlich sind. Die letzte Meisterschaft haben wir veloren und das Haus hoch, dieses Jahr sieht es ganz gut aus. Ich mag Sport, es gleicht mich aus. 

Das ist wie das lernen für Psychologie. Ich studiere das, weil ich gerne hinter die Masken von Menschen schaue und ich es mag wenn sie mir ihre Geheimnisse und Gedanken verraten. Ich habe viel über dich gelernt. Du bist ein Lernfeld und gleichzeitig ein Beispiel."

Ich bin überrascht über seine Worte. "Okay, ich bin überrascht, aber freue mich. Ich bekomme nicht sehr oft zu hören das ich zu etwas zu gebrauchen bin." Bryan grinst fängt an mit meiner Hand zu spielen.

"Du bist doch nicht wertlos. Sag sowas nicht nochmal, du bist schlauer als jeder andere hier. Ohne dich wäre ich immer noch nicht fertig mit dem Song und außerdem ist keiner so erfahren in manchen Dingen wie du. Du hast viel durchgemacht und nie irgendwie normal gelebt. 

Marco kann man nicht als Freund zählen, was der dir an den Kopfgeschmissen hat ist ja echt schon unverschämt gewesen. Bis heute gibt er mit dir an, ist echt schon erbärmlich was er da macht. Ich meine ihr seid seit Vier Jahren nicht mehr zusammen und er spricht ständig von dir. 

Er soll dich sogar an seinem Geburtstag besucht haben. Ich meiner wer glaubt den so einen scheiß?" Ich lache. "Er war tatsächlich da. An dem Tag kam auch mein Cousin mich besuchen. An dem Tag haben mir meine Eltern gesagt das sie sich scheiden lassen. 

Meine Mutter dachte bis dahin immer noch das ich mit Marco zusammen bin. Dabei habe ich ihr schon tausend mal gesagt gehabt das wir nicht mehr zusammen sind, aber zu hören war noch nie ihre stärke." 

"Warte, warte. Deine Eltern lassen sich scheiden und was ist mir dir, wo sind den deine Eltern, wo ist deine Familie?" Ich lächle schwach. "Die kommen mich nicht mehr besuchen. 

Sie fühlen sich gezwungen mich zu besuchen. Ich habe dann irgendwann gesagt, wenn sie kein Bock auf mich haben, dann sollen sie auch nicht wieder kommen. 

Meine Eltern kamen alle Zwei Wochen aber seit dem sie sich scheiden lassen, habe ich sie beide nicht mehr gesehen. Ich habe sie rausgeschmissen, weil ich mich zu sehr aufgeregt habe und naja dann habe ich mein Cousin und Marco gleich mit rausgeschickt. Ich habe mein Cousin sowieso nie wirklich gesehen. 

Ich bekomme nie besuch. Es ist schon echt eine Ehre das sich Studenten mit uns abgeben. Wir sind so ziemlich die Station, die nicht wirklich oft raus geht. 

Wir haben nie viel Kontakt zu andern, außer den Gruppentherapien, aber da darf ich nicht mehr hin. Für mich wird es langsam ein Kampf. 

Irgendwann wird das Künstliche Herz mein schrottes ersetzten und wenn dann kein Herz für mich kommt, lasse ich irgendwann die Maschinen abstellen. 

Jeden Tag kämpfen zieht an den Nerven und Kräften. Wenn du keinen hast um den du kämpfen kannst, wird es dir nach einer Zeit egal ob du Lebst oder nicht." 

Bryan hat Tränen in den Augen. Er wischt sich immer wieder über seine Augen, doch höre sie nicht auf zu laufen. Er atmet tief durch, zittert. "Das aus deinem Mund zu hören ist einfach das schlimmste was ich jemals gehört habe." 

Ich nicke. "So ist es aber nun mal. Elf Jahre habe ich schon hinter mir. Ich hatte die Chance ein neues Herz zu bekommen und das schon Vier mal, habe ich sie ergriffen? 

Nein, das habe ich nicht. Ich habe Kindern das Herz gegeben, da sie viel Jünger waren wie ich. Das letzte mal ist erst Fünf Jahre her. 

Vier Kinder haben jetzt ein neues Leben und ich bin stolz drauf diesen Kindern ein Leben geschenkt zu haben. Ich bereue es nicht. 

Das ist mein Teil den ich zurückgeben konnte und das habe ich gerne gemacht. Leben und Tod, dass ist hier auf der Station ein schmaler Grad und jeden Tag Balanciere ich ihn auf und ab." 



Briefe von Liam PayneWhere stories live. Discover now