Von schwarzen Wäldern

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Nur Minuten später fanden sich die beiden in einem undurchdringlichen Wald wieder, umzingelt von meterhohen Laubbäumen, getaucht in das warme Licht der aufgehenden Sonne. Benommen schüttelte Vaine den Kopf und versuchte seine Orientierung wiederzugewinnen. Diese Teleportation vernebelte immer seine Wahrnehmung aber er begann nach und nach sich daran zu gewöhnen.

„Wo genau sind wir?" Er drehte sich nach Aya um, die sich bereits einige Schritte entfernt hatte.

„Schwarzwald."

„Der Schwarzwald ... in Süddeutschland?" Er schüttelte mit einem sachten Lächeln den Kopf.

„Du nimmst dir wirklich nie Urlaub, Süße."

„Für Urlaub haben wir keine Zeit, Vampir." Sie bedeutete ihm, ihr in Richtung eines kleinen Trampelpfades zu folgen.

„Silver wird auch keinen machen. Heute Nacht ist Vollmond, sprich wir haben nur zwei Nächte ihn zu finden, dann wird er weiterziehen."

„Machen die das so?" Die Frau drehte sich irritiert nach ihrem Begleiter um.

„Wie bitte?"

„Ob die das so machen, Werwölfe meine ich. Sich jeden Monat ein neues Revier suchen?" Es dauerte eine Weile bis Aya sachte den Kopf schüttelte und weiterging.

„Normalerweise nicht. Dieser jedoch schon. Er ist sehr bedacht darauf sich nie zwei Monate hintereinander am selben Ort zu verwandeln ... "

„Aber ... wenn er Angst hat, erkannt zu werden, müsste er dann in den drei Nächten um Vollmond nicht erst recht die Umgebung wechseln? Wenn die Leute sehen wie er sich verwandelt, wissen sie doch, wer - "

„Es ist nicht die Angst erkannt zu werden, die ihn weiter treibt: Damit ihn jemand erkennt müsste es Überlebende geben. Er fürchtet bloß, nicht genügend Beute zu finden ... war zumindest früher der Fall." Fügte sie noch kaum hörbar hinzu. Dem Vampir verschlug es für einen Moment die Sprache, so dass sie einen großen Teil des Weges schweigsam zurück legten. Was ihn beunruhigte war die Gleichgültigkeit, mit der die Jägerin die letzten Worte gesprochen hatte. Doch sie schien genau zu wissen wer dieser Silver war ... Vaine war sich nicht sicher ob es eine gute Idee war danach zu fragen, doch einen Versuch wollte er wagen.

„Dieser Silver - wo bist du ihm schon begegnet?"

Als Antwort bekam er vorerst nichts außer einem langen Schweigen. Er hatte sich bereits damit abgefunden auch den Rest des Marsches stumm zu verbringen, als Aya endlich zu sprechen begann ... jedoch nicht als Antwort auf seine Frage.

„Ist dir Long John Silver ein Begriff?" Sie drehte sich nicht einmal um als sie mit ihm sprach, was der Vampir als Anlass nahm etwas zu beschleunigen um auf einer Höhe mit der Frau zu gehen. Sein Versuch Augenkontakt herzustellen blieb erfolglos - die Jägerin starrte emotionslos auf den Weg vor sich.

„Dieser Schatzinsel-Pirat?" Sie nickte kurz.

„Er war der Schiffskoch im Roman von Robert Louis Stevenson. Auf seinen Einfluss hin meuterte die Crew, er hat sie Mann für Mann überzeugt auf seiner Seite zu stehen und diejenigen die nicht für ihn waren ... waren gegen ihn.

Dieser Werwolf - er hat sich nach ihm benannt. Nach seinem Vorbild hin will er einen nach dem anderen zu sich holen."

„Zu sich holen? Du meinst ... " Erneutes Nicken bestätigte ihn.

„Als er den Dörfler zu einem Werwolf machte, war dies kein Versehen. Er versucht möglichst viele zu verwandeln. Jene die sich wehren, sterben."

„Zu welchem Zweck?" Vaine zögerte zuerst zu fragen, er ahnte die Antwort und tatsächlich sprach die Jägerin es nicht aus, sie wandte ihm nur ihr Gesicht zu und nickte einmal mehr. „Eine Werwolf-armee. Und gegen wen will er in den Krieg ziehen?"

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