Kapitel - 23

1K 95 9


Ein neuer Arzttermin, bessere Ergebnisse und der Heilungsprozesses meines Beines lief mehr als nur perfekt – was jedoch gleich blieb, war diese Lücke in meinem Gedächtnis. Alles vor dem Unfall war einfach verschwunden.

Anfangs belastete mich dies sehr stark – zugegebenermaßen belastete es mich heute noch ein Wenig. Doch durch die neugewonnenen Menschen in meinem Leben, vergaß ich oft was eigentlich nicht mit mir stimmte. Ich vergaß, dass ich mich eigentlich gar nicht an mein Leben davor erinnerte und ganz wichtig, ich drängte die nächtlichen Alpträume in den Hintergrund.

Und die Person, die gerade vor mir saß, war einer dieser Gründe – Cater. Ich starrte ihn an und lächelte über beide Ohren, während er mir mit voller Euphorie von seinem abenteuerlichen Arbeitstag im Büro erzählte. Von seinem Kunden, der Faltschirmspringen sein Hobby nannte, bis zum Angehen des Rauchmelders, den sein rauchender Kollege in der Toilette verursachte.

„Also, irgendwelche Ideen?", fragte Carter mich.

Sofort holte er mich aus meinen Gedanken. Verdammt, ich verlor total den Faden! „Für?", klang ich total verwirrt.

„Wie ich aus der Faltschirmspringen-Sache rauskomme!", meinte er verzweifelt und nahm einen großen Schluck von seinem Kaffeebecher, dabei griff er aus Gewohnheit nach meiner Hand und spielte sich mit dem Anhänger meines Armbandes.

„Wieso möchtest du absagen? Wäre doch ein einmaliges Erlebnis! Von einer Skala von eins bis zehn, wie hoch ist deine Höhen- und Flugangst?", sah ich ihn an. Ich konnte nicht anders als zu Lächeln, als ich die Fältchen auf seine süßen Stirn sah. Irgendwie fand ich derzeit einfach alles an ihm toll.

„Wahrscheinlich eine 12", schenkte er mir einen todernsten Blick zurück.

„Ah Carter", fing ich an zu lachen und schüttelte den Kopf. „Wie schaffst du es immer in solche Sachen zu geraten?", fragte ich ihn und atmete tief aus, dabei sah ich ihn viel länger an – ich bewunderte alles an ihm. Von seinen Augen, bis zu seiner Nase und seinen Lippen.

„Ich wollte freundlich sein, weil das ein Kunde aus China ist und, wenn er mein Angebot annimmt, heißt es ich könnte geschäftlich nach China. Bao, du weißt wie gern ich dorthin möchte." Bei dem Wort Bao, erröteten sich meine Wangen leicht. Vor Kurzem erst erzählte er mir, dass er ein totaler China-Fan war und deswegen auch einige Kurse belegte um die Sprache fließend zu sprechen. Und Bao war das chinesische Wort für Schatz.

„Vielleicht möchte er in China mit dir Falschschirmspringen und sobald du dort bist, sagst du einfach ab!", grinste ich über beide Ohren.

„Ich wusste, dass du keine besonders große Hilfe sein wirst", lachte er und schüttelte den Kopf.„Hoffen wir einfach Mal, dass er darauf vergisst."

„Und, wenn nicht, dann springe ich – ich denke, dass ist so eine Sache die ich bestimmt schon einmal machen wollte!" Ich griff nach meiner Tasse und nahm ebenfalls einen Schluck.

„Oh ja und was erzähle ich meinem Kunden? Ich schicke meine Freundin, weil ich verdammte Höhenangst habe?", lachte Carter.

Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und starrte ihn mit großen Augen an. Zwar verbrachten wir die letzten Wochen sehr viel Zeit miteinander, jedoch war das Thema Beziehung noch nie wirklich gefallen. Irgendwie gefiel es mir so, wie es war. Wir zwangen Nichts auf – wir trafen uns und hatten eine schöne Zeit zusammen. War ich denn bereit für eine Beziehung? Ich war mir über die Gefühle, die ich gegenüber Carter bereits entwickelte, bewusst. Seine Art, sein Lächeln, seine Augen – ich mochte Alles an ihm und genoß jeden Moment neben ihm. Daran würde es also nicht scheitern. War ich jedoch bereit zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben, etwas Ernstes einzugehen?

Concussion h.sLies diese Geschichte KOSTENLOS!