Deadline

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Die kleine Lichtung war von dichtem Nebel bedeckt, nur an einzelnen Stellen drang das Mondlicht zu dem dicht bewachsenen Waldboden durch. Der Schnee hatte sich im Inneren des Gestrüpps kaum gehalten, nur hier und da fanden sich verstreut weiße Flecken.

Kaum eine Nacht war still gewesen wie diese und Vaine erinnerte sich nur allzu gut an das letzte Mal als er eine solche Stille erlebt hatte. Es waren jedoch keine allzu guten Erinnerungen. Vorsichtig bewegte er sich ein Stück unter dem Baum hervor, unter dem er kauerte, und streckte sich kurz. Schon eine gefühlte Ewigkeit verharrte er unter der kleinen Buche und ein jeder seiner Muskeln war bereits verspannt von der Warterei.

Beinahe hätte er aufgelacht, als er sah, wie Raul – wohl aufgrund seiner abrupten Bewegung – scharf einatmete. Nath klopfte ihm beschwichtigend auf die Schulter und er schien sich etwas zu entspannen. Doch auch ihr sah man den Stress der vergangenen Tage an: Ihre sonst so strahlend blonden Haare büßten ihren Glanz im Nebel ein und wirkten nun matt, auch das strahlende Lächeln, das sie sonst im Gesicht trug war ermattet einer trauernden Miene und Sorgenfalten gewichen.

Nun musste Vaine wirklich ein Lachen unterdrücken. Wenn das alles nicht so gefährlich gewesen wäre, so unfassbar traurig zugleich – es wäre einfach nur lächerlich. Nur Tage zuvor waren Raul und er wie Fremde gewesen. Nach Marics Angriff waren sie nicht mehr lange beisammen geblieben. Fast vierhundert Jahre hatte sein eigener Bruder ihn gemieden. Hin und wieder suchte Vaine ihn auf, verwandelte sich in seine Rabenform und beobachtete ihn aus der Entfernung, nur um zu sehen, ob es ihm gut ging. Ein Glück dass er zur Stelle war, als Maric auftauchte. Doch das Glück war schnell vergangen – es war der dritte Tag. 12 Menschen waren seiner Wut zum Opfer gefallen ... sie hatten viel zu lange gebraucht um alles vorzubereiten.

 sie hatten viel zu lange gebraucht um alles vorzubereiten

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„Ihr seht nicht unbedingt ausgeschlafen aus." Mit einem mitleidigen Blick stellte Nathalie zwei Tassen Kaffee auf den Küchentisch, tiefe Sorgenfalten prangten auf ihrer Stirn und dunkle Ringe zeichneten sich unter ihren Augen ab.

„Danke, gleichfalls, Prinzessin." Vaines Kommentar überging sie kurzerhand und setzte sich neben Raul, strich ihm liebevoll ein paar Haare aus der Stirn und schaffte es, ihm ein sachtes Lächeln zu entlocken.

"Wir sind die ganze Nacht wach gesessen und haben über Vaines Plan gebrütet", murmelte der jüngere Vampir und nicht zum ersten Mal wünschte Vaine sich, das Gerücht Vampire bräuchten keinen Schlaf wäre mehr als nur einfältige Spinnerei.

„Ihr hättet zumindest ein wenig schlafen können."

„Das Problem ist, uns läuft die Zeit davon. Die Leiche, die sie gestern im Wald gefunden haben, wird nicht die Letzte sein." Vaine überkam ein Schauer, als er an den Fund des Vortags nachdachte. Der tote Mann, genau auf der Stadtgrenze – genau dort, wo er die Stadt betreten hatte und wo nun unterirdische Flüße den Weg blockierten – verstümmelt und entstellt. Doch das Schlimmste war die Warnung, mit scharfen Krallen in seine Brust gerissen. „"Tri giorni" – drei Tage. Eine Deadline. Maric ist wahnsinnig und er will, dass wir von selbst zu ihm kommen. Tun wir das nicht, wird er anfangen, andere dafür leiden zu lassen. Was er tut, wenn wir uns zu lange Zeit lassen, weiß nur der Teufel. Wenn - "

HunterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt