Getrennt suchen

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Ramon entschied sich, diesmal effizient zu handeln und verkündete „Ich kann nicht immer den Feigling spielen, nur weil ich Angst habe, mal alleine zu sein, geh du rechts, ich geh links" und verschwand bereits im rechten Gang. „Äääh, Schlafmütze, ist ja toll, dass du so bestimmt ist, aber du hast gesagt, der rechte Gang sei mir", kicherte plötzlich Valerie und Ramon meinte beschämt „Ups, dann geh ich halt in den Linken Gang" und trottete davon. Das Lagerhaus war leer und ausgestorben und Ramon stieß immer wieder auf neue Gänge, bis er schlussendlich zu einer Treppe kam. Auf die Idee, dass sie eventuell im falschen Stockwerk waren, war Ramon gar nicht gekommen. Bevor er die Treppe hochging, wollte er aber Valerie Bescheid geben und folgte seinen Wachstropfen zurück zu ihrem Treffpunkt. Am Treffpunkt angekommen, traute er seinen Augen kaum, als er sah, wie der Typ, den er vorher den Hammer übergezogen hatte, schon wieder bei seiner Freundin rumlungerte. „Diesmal verschone ich ihn aber nicht", dachte Ramon bestimmt und nahm ein Stück Beton, das sich aus der kargen Wand gelöst hatte. Langsam schlich er sich an die beiden an, bereit, sich mit dem Stein zu wehren, als Valerie ihn bemerkte und ihm fröhlich entgegenrief: „Ach hier bist du, Ramon, wir wollten dich schon suchen gehen". Ramon war so verwirrt, dass er den Stein völlig vergaß, den er noch in der Hand trug, wurde aber schmerzhaft wieder daran erinnert, als dieser ihn am Fuß traf. „Ach man, du Schussel", lachte Valerie ihn an und der Typ ergänzte „Ich glaube, jetzt ist eine Erklärung fällig, übrigens, sei stolz auf deine Freundin, sie ist wirklich sehr nett und zuvorkommend, sei froh das du sie hast.". Ramon verstand nur noch Bahnhof, auch wenn der Typ kein italienisch konnte und das Wort Bahnhof wohl noch nie gehört hatte. Valerie übernahm wieder das Wort, „Jetzt stell dir mal vor, der arme Typ, den wir K.O. geschlagen haben, das war gar nicht der Mörder aus dem Radio, der arme Mann hat sein Dach über dem Kopf verloren und lebt nun im Versteck des Mörders, wo er sich als ihn ausgibt, um Fremde zu vertreiben, die sein letztes Hab und Gut stehlen wollen". Jetzt fiel ihm der Typ wieder ins Wort, „Ach ja, Sorry für diese Attacke unten in dem kleinen Raum, ich habe völlig vergessen, was ich euch damit wohl für eine Angst eingejagt habe, ihr wolltet ja nicht mal was klauen. Aber diese kleine Verletzung hier hat mir die Augen geöffnet, beziehungsweise erst mal geschlossen. Danke für deine Hilfe trotzdem, übrigens". Ramon wunderte sich trotz allem, wie es dazu kommen konnte, dass sich diese zwei sich völlig fremden Menschen, so plötzlich miteinander anfreunden konnten, vor allem nachdem er sie fast vergewaltigt hatte, hörte aber erst mal weiter ihren Erklärungen zu. „Keine Angst, ich wollte sie nicht wirklich vergewaltigen, ich hatte eher darauf gehofft, dass ihr das Regal umstößt oder so, falls ihr euch nicht gewehrt hättet, hätte ich einfach behauptet, es sei langweilig, wenn sie sich nicht wehrt. Einen Prozess wegen Vergewaltigung kann ich mir nicht leisten", meldete sich der Typ wieder zu Wort. „Sehr einfühlsam..." sage Ramon mit einem viel sarkastischeren Unterton als er eigentlich geplant hatte. „Ja, sorry, ich wollte nur, dass ihr wisst, dass ich euch nur Angst einjagen wollte, euch aber nie etwas antun würde." kam prompt die Antwort des Obdachlosen, der seinen Satz gleich weiterführte: „Auf jeden Fall habe ich, nachdem ich wieder zu mir gekommen bin, deine Freundin hier ganz alleine umherlaufen sehen. Ich habe mich also versteckt und sie überrascht, damit sie nicht sofort wegrennt, bevor ich alles erklären kann. Als ich ihr gegenüberstand rannte sie aber nicht weg, sondern entschuldigte sich für dich und die Sache mit dem Hammer und bat mich, sie doch einfach gehen zu lassen, sie würde versprechen, mich nicht zu verraten. Ein normaler Vergewaltigter hätte sie natürlich sofort gepackt und... du weißt schon, aber ich habe ihr meine Situation erklärt und mich entschuldigt. Eine normale Frau wäre jetzt böse auf mich und würde mich der Polizei melden, aber sie war echt nett zu mir und hat versprochen, mir zu helfen. Du hast wirklich eine sehr nette Freundin, das musst du wissen, komm nie auf die Idee, so ein herzensgutes Wesen zu verlassen.". „Jetzt hören Sie aber mal auf, ich werde ja noch ganz rot" meldete Valerie sich zu Wort und fuhr die Geschichte fort: „Auf jeden Fall kennt er den Ausgang aus dieser Halle hier, der eigentliche Weg wurde zugemauert, aber der Mörder hat sich ein Loch in die Wand geschlagen, als er über den Markt geflüchtet ist.". „Das ist auch der Grund, warum er überhaupt am Markt gesehen wurde, wie es im Radio hieß, weil er über den Markt flüchten musste, da er im Gegensatz zu euch kein brauchbares Boot hatte", fiel ihr der Obdachlose wieder ins Wort, „So und jetzt wo wir deinen Freund gefunden haben, lasst mich euch hier raus führen, ihr seid ja nicht hierhergekommen, nur um euch stickige kalte Räume ansehen zu müssen". Brav folgten sie dem Typen durch die Gänge, bis sie ganz in der Ecke der Lagerhalle auf ein kleines Loch stießen und raus an die frische Luft traten.

Sofort hörten sie wieder das Trubeln des Marktes, der noch immer in der Nähe war und blinzelten, bis sich ihre Augen an das grelle Licht gewöhnt hatten. Ramon wunderte sich noch immer, wie seine Freundin so nett zu dem Typen sein konnte, der sie vor einer halben Stunde noch fast vergewaltigt hatte, war aber froh, dass nichts schief gelaufen war. Der Typ wollte sich schon wieder verabschieden, als Valerie sagte „Halt, Sie können jetzt nicht einfach gehen, ich wollte Sie doch noch auf eine Bootstour einladen". Erst jetzt fiel es Ramon siedend heiß wieder ein, dass sie das Boot ja noch zurückbringen mussten, das hatte er vor lauter staubiger Höhlen und Lagerhäuser fast vergessen. „Ach ja genau, euer Boot, wartet, ich hole es euch kurz, kommt am besten runter an den Strand, ich fahre es euch dort hin". Bevor Ramon was einwenden konnte, sagte Valerie schon „Oh ja, das wäre sehr nett, wir sehen uns dort!" und warf ihm den Schlüssel zu. Als er wieder in der Lagerhalle verschwunden war, fragte Ramon Valerie „Du willst dem einfach unser Boot anvertrauen, was wenn er sich damit aus dem Staub macht?", aber Valerie erwiderte nur „Ach was, ich vertraue ihm, kommt, lass uns an den Strand runtergehen, ich will endlich ins Wasser, den ganzen Staub von meiner Haut waschen" und zog ihn schon an der Hand runter Richtung Felsen. Die Badegäste wunderten sich schon ganz schön, als 5 Minuten später ein zerlumpter und staubiger Mann mit dem Schnellboot ankam, aber davon ließen sie sich nicht beeindrucken. „Siehst du, ich sagte doch, ihm kann man vertrauen", meinte Valerie und sprintete schon fröhlich los Richtung Wasser. Auf dem Boot wurden sie direkt begrüßt, „Hallo Leute, bitte alle einsteigen, die Fahrt geht weiter". Der Typ schien sich in dem kleinen Städtchen gut auszukennen, denn er zeigte ihnen die schönsten Stellen des Dorfes, von denen sie im Reiseführer gar nichts gesehen hatten. Eine Stunde später und mit einer Menge schöner Fotos auf den SD-Karten ihrer Handys gaben sie das Boot fristgerecht zurück, schenkten dem Obdachlosen ihren restlichen Proviant samt Rucksack und begaben sich langsam wieder nach Hause, wo sie sich erschöpft auf die Liegestühle legten. Als er schon fast in der warmen Sonne eingeschlafen war, stand plötzlich Valerie vor ihm, ihrem Oberteil hatte sie sich schon entledigt, und meinte „Der einzige, der so tun darf, als wenn er mich vergewaltigen würde, bist du" und küsste ihm auf die Lippen, bevor sie sich auf ihn stürzte...

Geschafft!

Bravo, du hast nicht nur das Abenteuer überlebt, sondern sogar einen neuen Freund gefunden. Und jetzt genieße deine Ferien. (Eines von drei erfolgreichen Enden gefunden)

Mit dem Mörder in den Ferien - EntscheidungsgeschichteRead this story for FREE!