Links abbiegen

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Spontan entschied sich Ramon, links abzubiegen, wo sie herkamen. Evtl. kämen sie mit dem Boot schnell genug davon, dachte er. Ramon hastete dem Weg zum Boot entlang, dicht gefolgt von seiner Freundin und immer noch verfolgt von dem Typen. Plötzlich endete der Gang abrupt und von hinten drang ein hämisches Lachen zu ihnen, „Hahaha, jetzt hab ich euch, ihr miesen Teenies, den Gang habe ich hinter mir natürlich wieder verschlossen, bin doch nicht blöd". Er kam langsam auf die beiden zu. Ramon hätte sich am liebsten selbst dafür geschlagen, dass ihm diese Idee nicht gekommen war und gab die Hoffnung langsam auf, jemals wieder lebendig aus dieser Höhle zu kommen. Kaum hatte der Typ sie erreicht, legte er ihnen beiden Fesseln an und meinte: „So, so schnell rennt ihr mir nicht mehr davon". Er zwang die beiden, wieder mit ihm mit zu kommen. Der Weg führte zurück in dem Wellblech-Raum und er fesselte sie an ein Regal. Valerie ließ er erst mal in Ruhe, worüber Ramon unendlich froh war und dann ging auch schon das Licht aus und der Typ verschwand wieder aus dem Raum. Ramon blickte Valerie an, oder zumindest dort, wo er in der Dunkelheit ihr Gesicht vermutete, aber sie hatte genauso wenig Ahnung, was sie jetzt machen sollten und sagte nichts. Vermutlich hatte sie gar nicht gemerkt, dass er sie angeschaut hatte, also fragte er: „Kommst du evtl. an dein Handy ran?". Valerie antwortete mit einem laute „Okay Google", merkte aber, dass sie wohl vergessen hatte, SmartLock an ihrem Handy zu aktivieren und sagte resigniert „Nein, mein Handy will offenbar nicht so". 15 Minuten später kam der Typ zurück, offensichtlich hatte er sich etwas zu Essen besorgt, denn jetzt hatte er ein Sandwich im Mund, während er Valeries Fesseln löste. Unfreundlich blaffte er Valerie an: "Du kommst jetzt erst mal mit, wir gehen hoch zu meinem Bett, ist doch viel gemütlicher, dort angebunden zu sein" und grinste hämisch. Valerie wusste genau, was er vor hatte, er wollte nochmals probieren, was vorher nicht gegangen war und dieses Mal würde er garantiert keinen Respekt nehmen, genervt wie der von ihnen war. Ramon vermochte gar nicht daran zu denken und zog wie wild an seinen Fesseln, aber das half nichts und ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, verschwand der Typ schon wieder, während der Valerie mit seiner Waffe bedrohte. Ramon schlug wild um sich vor Wut und bemerkte erst dann, dass Valerie heimlich ihr Smartphone auf den Boden gelegt hatte. Mit seinem Fuß schaffte er es, das Handy nach hinten zu seinen Fesseln zu bringen, wo er zumindest seine Finger frei hatte, um das Handy einigermaßen zu bedienen. Glücklicherweise kannte Ramon ihr Passwort und tippte hektisch "RuV4e" ein, "Ramon und Valerie forever". Ein bisschen kitschig war es ja, aber für solche Probleme hatte er jetzt echt keine Zeit. Mit Entsetzen musste er feststellen, was er schon vorher vermutet hatte, hier unten hatte er keinen Empfang, er war hier also gefesselt, ganz alleine in dem düsteren Raum. Immerhin hatte er Licht, denn der Typ hatte sich keine Mühe gemacht, das Licht diesmal zu löschen, „der hatte wohl was ganz anderes im Kopf, der Mistkerl" dachte Ramon und begann langsam, innerlich zu brodeln. Nach 5 Minuten kam der Typ schon wieder zurück. Valerie weinte, es war das erste Mal, dass Ramon Valerie weinen sah. Ihre Hose hatte sie aber noch an, scheinbar hatte er wenigstens das nicht getan. Trotzdem war sie am ganzen Körper übersät mit Kratzern und roten Flecken. „Nervensäge hat sich gewehrt, gekratz und gebissen hat sie wie ein Tier, das war mir zu blöd, kannst sie zurückhaben" meinte dieser und begann, einige Dinge aus den Regalen zu nehmen. Valerie gab keine Antwort und schluchzte nur, ihre Verletzungen sahen teils echt übel aus. Tatsächlich befreite er auch Ramon von seinen Fesseln, drohte ihnen, erst 5 Minuten zu warten und rannte dann weg. Eine gefühlte Ewigkeit später wagte Ramon es, den Gang langsam zu verlassen. Vorsichtig näherten sie sich dem Ausgang, diesmal hatte der Typ sich gar nicht die Mühe gemacht, ihn korrekt zu verschließen und er stand weit offen. Ihr gemietetes Motorboot war nicht mehr da, nur noch ein altes, lotteriges Holzbötchen, das seine Tage wohl schon längstens gesehen hatte. Sprachlos setzen sie sich hinein, Valerie schluchzte noch immer, als sie langsam zurück zum Strand ruderten. Am Land angekommen suchten sie so schnell es ging ein Spital auf und fanden auch eines. Sofort wurde Valerie von mehreren Männern und Frauen in weissen Kitteln mitgenommen und Ramon wurde gesagt, er solle am Eingang warten. 15 bange Minuten später kamen sie zurück, Valerie hatte einige Verbände, sah sonst aber wohlauf aus und begrüsste Ramon resigniert: „War nichts schlimmes, nur paar Schürfungen und Prellungen, aber ich darf mich nicht mehr so viel bewegen, das mit dem Mark wird wohl nix..."

ENDE! Die Ferien sind jetzt wohl gelaufen und der Mörder ist sogar noch mit eurem Boot entkommen...

Mit dem Mörder in den Ferien - EntscheidungsgeschichteRead this story for FREE!