Rechts (Spuren verfolgen)

1 0 0

Mit einem Anflug von Mut, in Kombination mit der Angst, in den Lagerräumen zu verrotten, entschloss er sich, dem Typen an die 'frische Luft' zu folgen. „Gehen wir ihm hinterher, bevor er zurück kommt und uns noch erwischt", sagte er energisch und Valerie erwiderte spöttisch: „Ach, du kannst ja doch mutig sein", klopfte ihm dann aber auf die Schulter und meinte lachend: „Keine Angst, nur ein Scherz" und bog rechts ab. Ramon fragte sich, ob sie ihn für einen Feigling hielt, ignorierte den Gedanken aber und folgte ihr in den engen Gang und lief dann festen Schrittes weiter zu dem Licht, welches immer größer wurde. „Nein, geh nicht ins Licht am Ende des Tunnels" scherzte er und ging dann trotzdem selbst auf eben jenes Licht zu. Als sie draußen ankamen wurden sie beinahe von dem grellen Licht und der heißen Luft erschlagen und tasteten sich die ersten 5 Sekunden blind an der Wand entlang, bis ihre Augen sich an das Licht gewöhnen konnten. Sie standen in einer Art Einhöhlung im Fels, direkt vor ihnen das offene Meer und vom Typen nirgendwo etwas zu sehen. Die Wellen waren hier unerwartet laut, dabei kamen die fast gar nicht bis ans Ende ihrer Einmündung, was Ramon erst mal verwunderte. Als er näher ans Wasser stand, schreckte er sofort wieder zurück hinter die schützende Wand. Da unten im Wasser war der Typ und paddelte mit seinem Holzbötchen Richtung Meer.

Das war es, was vorher diese Geräusche gemacht hatte, dachte sich Ramon und warnte seine Freundin, leise zu sein. Heimlich beobachteten sie, wie das Boot zur Bucht rausschwamm und schlussendlich abbog und verschwand. Das Problem war, sie hatten kein eigenes Boot und wussten nicht, wie weit vom Land sie weg waren. Resigniert setzen sie sich auf den kühlen Stein und Valerie stöhnte. „Schon wieder eine Sackgasse? Langsam vergeht mir die Lust". Ramon fasste sich ein Herz und zog sich bis auf die Unterhose aus. „Hast du heiß, Schlafmütze?", fragte Valerie, als sie das ganze amüsiert beobachtete, dieser antwortete „Nein, du Dummerchen, ich schwimme raus und hole Hilfe, bleib du da und passe auf mein Zeug auf. Ach ja und falls er zurückkommt, verstecke dich hinter den Felsen". Damit sprang er mit einem Satz ins Wasser. „Ok, das Wasser ist tief genug, habe mir nichts angeschlagen", grinste er und schwamm zum Ausgang, wo das Bötchen vorher verschwunden war. Zu seinem Erfreuen kam er direkt unter dem Markt raus und konnte an der rauen Felswand entlangschwimmen, bis er zu einem öffentlichen Strand kam, wo er aus dem Wasser stieg. Relativ schnell war eine Polizeistation ausgemacht, er wusste zwar nicht, ob die Polizisten Zeit für ihre Einschließ-Story hätten, aber probieren könnte er es ja mal. Nach fünf minütigem Anstehen und unzähligen Blicken auf den nur mit Unterhosen bekleideten jungen Ausländer, die er aber ignorierte, kam er endlich an die Reihe und beschrieb sein Problem dem kleinen Polizeiposten. Diese waren hellauf begeistert von seiner Story, denn wie Ramon schockiert feststellte, war der Typ, der ihnen die ganze Zeit auf den Fersen war, der ausgebrochene Mörder aus dem Radio vom Morgen. Zusammen mit der Polizei fuhren sie in einem Polizei-Motorboot zurück zur Höhle, wo seine Freundin schon auf ihn wartete. „Er ist wieder drin", verkündete sie stolz und ein letztes Mal gingen sie, nachdem Ramon dankbar seine Kleider wieder angezogen hatte, in den Höhlenschlund. Offenbar wusste die Polizei nichts von dem Gang, der dem Mörder wohl als Versteckt gedient hatte. In diesem trieb er sich aber nicht herum, sodass sie weiter in das Lagerhaus gingen. Der Hauptkommissar machte wilde Handzeichen und schon teilten sich die 4 Polizisten auf und verschwanden in verschiedene Richtungen, alle stets durch ein Funkgerät untereinander verbunden. Ramon und Valerie wurden zurückgehalten und setzen sich auf das Bett, unter dem sie sich vorher versteckt hatten. 10 Minuten später kamen die 4 Polizisten mit dem Typen im Schlepptau zurück, sie hatten ihn wohl überwältigt und dann Handschellen angelegt, denn er leistete keinerlei Widerstand mehr.

Am nächsten Morgen wurde Ramon von seiner Freundin erneut geweckt. Sie hatten von dem Geld, das sie durch ihre Hilfe bekamen, kurzfristig ihre Ferien verlängert und Valerie stand schon wieder enorm früh auf. „Los Schlafmütze, die Sonne scheint schon", sagte sie gut gelaunt und bereitete das Frühstück vor. Nach dem gestrigem Tage wollte er erst gar nicht aufstehen, aber als seine Freundin ihn dann am Arm aus dem Bett zog und ihm einen Kuss auf die Stirn gab, stand er doch noch auf, setze sich draußen auf einen der Sonnenstühle und schnappte sich eine Banane, die in einer kleinen Schüssel auf dem Tischchen stand. Das Radio trällerte wieder fröhlich vor sich hin und erzählte von zwei heldenhaften jungen Touristen, die die Polizei geholfen hatten, den gesuchten Mörder zu fassen. Ramon hörte aber gar nicht richtig zu und beobachtete seine Freundin, die voller Freude ausmalte, was sie in den restlichen Ferien noch so machen könnten.

Geschafft! Bravo, du hast das Abenteuer lebendig überstanden und hast das gute Ende (Eines von Drei) erreicht! Und jetzt genieße deine Ferien.

Mit dem Mörder in den Ferien - EntscheidungsgeschichteRead this story for FREE!