Weiter rennen

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Bevor er sich überhaupt richtig entscheiden konnte, war die Abzweigung schon vorüber und an Umkehren war nicht mehr zu denken. Schnell kamen sie zu dem Wellblech-Raum und waren in der Sackgasse. Bevor sie sich irgendwie verstecken konnten, war auch schon der Typ angekommen und bedrohte sie mit seiner Waffe. „So ihr Bürschchen, hab ich euch, selber Schuld hier rumzuschnüffeln" sagte er genüsslich langsam, während er mit seiner Waffe abwechselnd auf Ramon und Valerie richtete. Ramon entschied sich, nachzuholen, was er vorher verpeilt hatte und warf ihm einen Schraubenschlüssel entgegen, der vor ihm am Boden rumlag. Dieser wich dem Schlüssel nur knapp aus und fackelte nicht lange, mit seiner Waffe einen Warnschuss abzugeben. Ramon schrie auf vor Schmerz, die Kugel hatte ihn direkt in die Schulter getroffen. „Selber schuld, ich hab euch doch klargemacht, dass ihr euch mich nicht wiedersetzen sollt", meinte der Typ bestimmt. Ramon gab nur ein Wimmern zur Antwort. „Ich denke mal das zählt als Ja", witzelte der Typ und wurde direkt wieder ernst. „So und jetzt fesselst du deinen kleinen Freund ans Regal" meinte er zu Valerie, als er ihr ein Seil zuwarf, das in einem der Regale rumstand. Valerie, die reichlich wenig Lust darauf hatte, auch eine Blei-Kugel in der Schulter zu haben, nahm das Seil und fesselte Ramon gehorsam an das Regal. „Fester anziehen!", schnauzte er sie an, schubste sie dann zur Seite und zog selber viel zu stark an den Seilen. Valerie, die jetzt plötzlich unbewacht war, rannte sofort in den Gang und verschwand in der Dunkelheit. Sofort schoss der Typ mit seiner Pistole hinterher, aber Ramon konnte keine Schreie, oder den Aufprall eines toten Körpers feststellen. Jetzt, da der Typ ihm gerade einige Sekunden keine Aufmerksamkeit schenkte, trat ihn Ramon mit all seiner Kraft, sodass dieser das Gleichgewicht verlor und Längs auf den Boden aufprallte. Die Waffe flog ihm aus der Hand und verschwand unter einem Regal. Ramon hechtete nach der Waffe und probierte sie mit seinem noch heilen Arm rauszufischen. Der Typ hatte sich allerdings schnell wieder aufgerichtet und trat zurück, genau in Ramons Arm, sodass ihm die Waffe direkt wieder entglitt. Ramons Arm fühlte sich überhaupt nicht mehr gesund an und wurde von einer Schmerzwelle nach der anderen durchfahren, während der Typ seine Waffe zurückerlangte und auf Ramon richtete. Diesmal fackelte er nicht lange, band ihm die Hände hinter dem Rücken zusammen und diese an das Regal-Bein. „So, das machst du mir jetzt nicht nochmal", schnauzte er ihn an und verließ mit seiner Waffe den Raum. Ca. eine Stunde später kam er zurück, in seinem Gesicht die pure Verzweiflung. „Irgendwie hat es deine Schlampe von Freundin hingekriegt, die Polizei zu rufen, die kommen jetzt an und wollen mich festnehmen" keuchte er hektisch und wirbelte seine Waffe durch die Luft. „Ich will aber nicht mehr ins Gefängnis" sagte er bestimmt und schnitt Ramons Fesseln durch. Die Hände ließ er aber immer noch zusammengebunden und zeigte ihm mit einer Bewegung, er solle loslaufen. „Wenn die mich wollen, müssen sie mich erst mal dazu bringen, dich nicht zu erschießen" murmelte er und jetzt merkte Ramon, was der Plan des Typs war, nämlich ihn als Geisel zu nehmen und so doch noch frei zu kommen. Ramon hatte Angst, im entscheidenden Moment einfach erschossen zu werden, „Geisel zu sein suckt!" dachte er sich insgeheim, folgte aber gehorsam dem Weg nach oben in die Lagerhalle, während seine Schulter noch mehr schmerzte als zuvor. Oben angekommen kehrte sich der Typ kurz um, um die Tür hinter sich zu schließen und ließ Ramon kurz unbewacht, das war seine Chance, dachte er sich und setzte zum Sprint an.

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Mit dem Mörder in den Ferien - EntscheidungsgeschichteRead this story for FREE!