*12. Arschloch Nr 1: Dr Egoschwein*

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Du scheinst dich gut eingelebt zu haben, Cynthia.« Es würde nie genug sein, um wirklich glücklich zu werden. Um glücklich zu sein und es zu bleiben. »Du bist sogar fast mit einem jungen Mann durchgebrannt, willst du nicht etwas über Mr. Dougness erzählen?«

Jay Dougness. Mir fiel ein, dass ich verdammt wenig über Jay wusste. Im Grunde wusste ich so gut wie nichts über ihn, bis auf die Tatsache, dass seine Mutter ebenfalls einen Therapeuten aufsuchte. Einen netteren als Dr. Egoschwein, einen besseren. Wobei ein Mensch nicht viel brauchte um netter zu sein, als der Mann vor mir.

»Deine Mutter war ziemlich besorgt darüber, dass der Junge sie auf ein zwei Meter hohes Dach setzte. Man könnte meinen, er wolle sie umbringen«, sprach Dr. Houls weiter.

Ich unterdrückte ein verbittertes Lachen. Nachdem ich Waschmittel getrunken hatte wie ein Verdurstender Wasser trinken würde, bezweifelte ich, dass mich ein solches Dach hätte umbringen können.

»Ich bezweifle, dass jemand mit solch familiären Hintergründen guter Umgang für dich wäre.« Erneut war ich kurz davor, in hysterisches Gelächter auszubrechen. Stattdessen allerdings griff ich nach meiner Tasche, holte meinen Collegeblock raus, nahm mir einen von Dr. Houls Stiften und begann zu malen. Dr. Houls hinderte mich nicht daran.

Ich malte ein Strichmännchen welches von der Decke hing. Etwas darunter malte ich eine Strichmännchen-Dame mit lockigem Haar. Ihr Arm war erhoben und in ihre Hand zeichnete ich eine kleine Pistole. Die Waffe hielt die Frau an den hängenden Mann gerichtet und mit schönster Schrift gab ich den Figuren Namen. Den Gefangenen taufte ich nach meinem Therapeuten, während ich neben die Locken der Dame meinen eigenen Namen schrieb. Unten rechts schrieb ich ein „Viel Glück", dann riss ich die Seite aus meinem Block, faltete sie in der Mitte und legte sie mit dem Stift auf den Schreibtisch. Dann steckte ich den Block lieblos in meine Tasche zurück, schulterte sie und verließ das Zimmer. Seine Reaktion reizte mich, doch im Moment war es mir wichtiger, so schnell wie möglich von ihm loszukommen.

Ich hatte keine Zweifel, dass er es meiner Mutter erzählen würde. Doch es würde ihr bloß verdeutlichen, wie sehr ich diesen Mann verabscheute, wie furchtbar ich ihn fand. Sie würde mir jemanden neuen suchen, um weiter um mich zu kämpfen. Mutter gab sich nicht gerne geschlagen.

Oder sie würde sich überzeugen lassen, dass ich bedingungslos alles auf diesem Planeten hasste und man mich einfach aufgeben sollte.

Kaum ging war ich am Wartezimmer vorbei, sah ich aus den Augenwinkeln wie meine Mutter aufsprang. Bis zum Ausgang würde ich es nie schaffen, also drehte ich mich auf der Stelle um und wollte zum anderen Ende der Praxis laufen, als ich gradewegs in meinen Therapeuten lief.

Er griff nach meinem Arm und seine kalten Finger drückten unangenehm gegen meine Haut. Ich wollte mich losreißen, doch verletzte ich mich nur selbst damit. »Miss Barrow, ich glaube wir sind mit unserer Sitzung noch nicht fertig«, bemerkte er freundlich. Ich blickte zu ihm hoch. Das Atmen fiel mir schwer und ich wusste, dass mein Blick puren Hass verströmte. »Wovor laufen Sie davon, Cynthia? Sie müssen zur Ruhe kommen, stark bleiben. Zusammen können wir ihre Ängste besiegen.« Ich blicke um uns herum, neugierige Blicke waren auf uns gerichtet.

Mir war nach weinen zumute. Blamage, ich war ein Grauen. Ich schloss meine Augen und schluckte schwer in der Hoffnung, es würde die Tränen endgültig unterdrücken.

»Cynthia.« Mutter kam auf uns zu und als ich meine Augen öffnete und in ihre Richtung sah, trafen sich unsere Blicke. Ich wollte emotionslos aussehen, so wie immer, doch die Wut kochte zu stark in mir, ergriff von meinem Körper besitz. Es war mir schon lange nicht so schwer gefallen, meine Sorgen einfach zu unterdrücken.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!