-Veins-

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Jenny POV

Ich stapfte ziellos durch die Straßen. Mein Magen brummte, doch ich hatte kein Geld mehr übrig. Keine Ahnung wohin ich sollte. Kevin war verschwunden und nun gab es niemanden außer meiner verdammten Mutter, die mittlerweile aber bestimmt schon aus der Wohnung rausgeschmissen worden war und irgendwo herumstreifte und zu dem ich hätte kommen können. Auch fürchtete ich mich vor fremden Menschen und mieht den Kontakt mit ihnen. Ich zog meine Jacke enger und bließ in meine holen Handflächen.  

Eins war sicher: Ich war verwirrt über Kevin's Worte. "Ich wünschte du wüsstest du Wahrheit, Jenny. Aber jetzt noch nicht, nicht von mir." 

Welche Wahrheit? 

Auch machte mich die Sache mit Wendy fertig. Es war alles so schnell gegangen: Kevin erzählte mir davon, ließ mich fragend stehen und flüchtete nach Irland. Ich fragte mich wo sie ihren Körper aufbewahrten. Ihren verwahrlosten, erfrohren Körper, das blonde kurze Haar, was man hätte durchbrechen konnte, weil die Wassertropfen darauf jede Strähne eingeschlossen hatten und eingefroren hatten, ihre Ängste und ihre letzten Gedanken. Es ließ mich nicht los. Ich beschloss sie irgendwann auf dem Friedhof zu besuchen. Während mein Blick nach rechts auf ein altes Ehepaar gerichtet war, die sich anschauten, kam mir die Idee. Regina Furgison, die ältere Dame. Vielleicht könnte ich bei ihr bleiben. Ihr Bungalow leuchtete matt durch die aufgegangene Sonne. Mir stieg Röte ins Gesicht, denn das Ganze war mir schon peinlich. Ich klingelte und es dauerte eine Weile bis  sie mir in Schürze aufmachte.

"Wer bist du?", lächelte sie etwas misstrauisch.

"Gin? Ich bin's Jenny.", sagte ich nervös.

Hinter ihr erschien eine jüngere blonde Frau. Wahrscheinlich die Frau, die wegen ihrer Liebe in den Osten gezogen ist. Sie zog Gin zurück in den Flur und schaute mich mit entschuldigender Geste an.

"Entschuldigung, wen suchst du? Ich bin Caytlin, ihre Tochter.", fragte die Frau.

"Ich wollte Gin besuchen.", erklärte ich.

"Sie kennt dich?", fragte sie ungläubig und ich nickte.

"Kommst du zurück?", schrie Regina Furgison.

"Gleich.", sagte die Frau.

"Ich gehe besser.", sprach ich.

"Nein, du musst verstehen ihr Altsheimer hat sich extrem verstärkt bemerkbar gemacht. Manchmal weiß sie nicht mal mehr wer ich bin und vielleicht erkennt sie dich auch nicht mehr.", lächelte sie traurig.

"Oh."

"Ja… Ich muss ihr beibringen, dass sie demnächst in einer Pflegeanstalt leben muss. Tut mir echt leid, Kleine."

"Schon okay. Tschüss."

"War nett dich kennengelernt zu haben." 

Mit diesen Worten schloss sie die Tür. Regina Furgison musste sich doch den Umständen beugen. Dabei war es ihr verdammter Wunsch in Freiheit leben zu können. Manchmal machte das Leben einem halt einen Strich durch die Rechnung. Ich stopfte die Hände in meine Hosentasche und setzte mich auf eine Bank in der Fußgängerzone.

"Was machst du denn hier?!", zischte eine Stimme.

Harry POV

Es war vielleicht schon Tage her. Ich verbrachte die ganze Zeit im Bett und lag im Halbschlaf auf der ungemachten Bettdecke. Hin und wieder hatte ich auf die Uhr geschaut: 2.19 am, 5.33 pm, 9.21 am. Zahlen machten für mich keinen Sinn mehr. Hin und wieder musste ich mich den menschlichen Bedürfnissen beugen und auf die Toilette gehen. Meine Vorhänge waren zugezogen, ich wollte das Sonnenlicht einfach nicht mehr sehen. Stattdessen beleuchteten wenige Lampen meine Wohnungen.  Ab und zu hatte es geklingelt, bis ich mein Handy ausschaltete. Doch dann fing mein Telefon auf der Station an auszuticken. Ich wagte nicht meine Mailbox abzuhören. Schließlich hatte ich es vom Netz genommen. Meine Einsamkeit war so groß, dass ich dann ins Bad stapfte. Vorsichtig drehte ich mich um und sah im Spiegel in schon fast matt grüne Augen, die von tiefen schwarzen Furchen umringt wurden. Meine Haut war so blass, dass ich ein Geist hätte sein können und mein Haar hatte jegliche Locke verloren und erstreckte sich fettig über meinen ganzen Kopf. Mein Blick huschte zu meinem Schränkchen. Sollte ich?

Du bist doch eh schon ein Loser. Schau dich an. Twitter war bestimmt schon lahm gelegt, weil alle sehen konnten, dass ich fehlte. Die Band würde wegen dem Skandal von Zouis leiden. Ich hatte schon zu viel von mir in diese Band investiert. Ich war aufgebraucht und jetzt  war der Punkt gekommen an dem ich nicht mehr konnte.

Mit zitternden Händen öffnete ich die Schublade des Schränkchens. Ich klappte die Klinge heraus. Sie war noch ganz neu. Dann setzte ich mich auf den Hocker und legte meinen Arm über das Waschbecken. Ich drückte die Klinge etwas weiter von meiner Armbeuge in meine Haut und zog sie über meine Haut tief in mein Fleisch. Sie hinterließ eine tiefe Schramme, die wie Hölle blutete. Es folgte die Aktion vier mal meinen Arm herunter. Ich sah wie die roten Tropfen in das weiße Waschbecken liefen und weinte. Ich weinte einfach. Warum tat die Scheiße nicht so weh wie ich es wollte? Direkt über meinem Handgelenk hielt ich inne, drückte sie tief in meine Haut. Ich hatte eine Ader getroffen. Schon spritzte das Blut heraus. Unkontrolliert. Ich spürte wie langsam alles anfing sich zu drehen. Doch dann hörte ich ein lautes Krachen an meiner Tür. Jemand drang in meine Wohnung ein.

"Scheiße!", schrie ich und schmiss die Klinge mit voller Wucht gegen eine Fliese. 

"Harry?!", riefen zwei Stimmen.

"Du suchst in diesem Teil Niall und ich in dem hier.", zischte Louis ängstlich.

"Ich hab Angst Louis. Er hat mich so verletzt...", flüsterte Nialls Stimme.

"Das ist es ja. Ich kenne ihn und es ist was mit ihm los. Er ist eigentlich einer der freundlichsten Menschen und hätte so etwas nie zu dir gesagt. Es ist richtig was wir hier tun. Man kann nicht so abgeschirmt leben. Aber los! Suchen wir jetzt.", zischte Louis rasch.

Schnell zog ich den Ärmel von meinem Shirt herunter und schaute mich hektisch im Bad um. Doch Louis stand schon in der Badezimmertür und rannte auf mich zu.

"Oh h-hi Louis.", stammelte ich. Der Saum meines Shirtes würde bald von Blut getränkt sein. Ich musste ihn abwimmeln bevor er es sah.

"Harry! Das ist das Einzigste was du sagst?! Man wir haben vier verdammte Tage nichts von dir gehört und du kommst an mit Oh hi Louis?", schrie er und fasste an meinen Arm.

Ich kniff die Augen zusammen, weil er genau auf die Wunden fasste und stöhnte. Niall stand auf einmal hinter Louis. Seine Augen waren weit aufgerissen. Louis schaute auf seine rote Handfläche. Oh shit. "Was zum Teufel hast du gemacht, Harry?!", rief Niall.

Louis zog den Ärmel hoch. Dann verwandelte sich ihr Blick in komplette Fassungslosigkeit. Sie sahen sich um, entdeckten wahrscheinlich die verschmierte Fliese und die Rasierklinge und dass dreckige Waschbecken. 

"N-Nein, oder?" Louis stotterte und strich sich die Haare aus dem Gesicht.

Ich zuckte nur mit den Schultern und brach zusammen. Sein Shirt war mitlerweile auch Blut besprenkelt.

"Lasst mich das einfach machen. Ich kann nicht mehr. Es ist zu viel.", schluchzte ich in Louis' Schulter.

"Scheiße.", hauchte Niall.

Doch Louis nickte Niall nur entschlossen zu und bat ihn nach Bandagen zu suchen. "Er hatte eine Ader getroffen Niall! Ruf einen Krankenwagen! Er verliert zu viel Blut!" Louis blaue Augen wurden wässrig als er versuchte mit den Bandagen und seinen Händen Druck auf die Stelle auszuüben. "Harry, wir wissen was zu tun ist. Vertrau uns einfach.", sagte Louis besorgt. "Es ist außerdem nicht deine Schuld, dass wir so leichtsinnig waren, nicht zu sehen, dass du das alles nur tust, weil du nicht mehr kannst... Aber es wird wieder alles besser, versprochen. Wir lassen dich nicht darein rutschen."

Dann wurde alles um mich herum schwarz. Ich hörte nur Louis Stimme. "Das ist alles unsere Schuld."

<Author's Note>

Ich bin echt schlecht im Updaten. Ich hoffe ihr verzeiht mir. Bald haben wir die 1k bei Hinterland  und das ist einfach nur so unfassbar. Vielen Dank! ♥︎ 

Eure Votes und Kommentare bedeuten mir viel und ich nehme mir jedes zu Herzen. Ich habe auch versucht einen Trailer zu machen… bin aber kläglich daran gescheitert. Aber das war kein Wunder, weil ich es echt nicht kann. 

Ich habe ein Bitte an euch: Ich liebe mein Cover aber ich habe meinen Namen aus verschiedenen Gründen, die ich nicht aufzählen möchte, geändert. Deshalb wollte ich fragen, ob einer vielleicht Zeit hätte ein so ähnliches zu machen? Das würde mir echt total viel bedeuten. :)

-Talisa

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