Tag vier

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Frieda schien darüber hinwegzukommen. Besser sogar, als ich gedacht hatte. Sie stand unbewegt da, ertrug mit immer gleicher Miene die Morgensonne, die Salzkörnchen, den Abend und die Nacht. Nicht einmal, als ich mir und Herrn Meurel erneut eine Kanne voll Filterkaffee zubereitete, zeigte sie, wie ich sie hintergangen hatte.

Herr Meurel kam am Vormittag des vierten Tages und ich fühlte mich verpflichtet, ihm, wie es sich nun mal gehört, eine Tasse anzubieten. Er nahm an. Wir setzten uns auf die sonnenbeschienenen Sessel in meinem Wohnzimmer und ich sah ihm zu, wie er eine Mappe aus seiner Tasche hervorholte und auf dem kleinen Tisch ablegte.

Wie es mir denn ginge, fragte er. Gut, antwortete ich, ohne auf Näheres einzugehen. Schön, sagte er.

Wir unterhielten uns ein wenig über unwichtige Themen, rutschten unruhig auf den Polstern hin und her und tranken unseren Kaffee in kleinen Schlucken, bis er kalt war. Dann kam ich auf den Punkt. Was denn in der Mappe sei, fragte ich und er griff danach. Seine wettergegerbten Hände ließen die Verschlüsse zurückschnappen und mit Bedacht griff er nach ein paar Blättern weißem Papier. Unterlagen, meinte er, Papierkram, alles nichts als Unterlagen und Papierkram. Er schaute auf und sah in meinen fragenden Blick. Sie wollten doch das Haus verkaufen, sagte er. Nein, meinte ich, ich wollte dieses Haus nie verkaufen und es sei auch jetzt nicht meine Absicht. Nun gut, schlug Herr Meurel nachdenklich einige Seiten um. Schließlich zog er ein Blatt hervor und reichte es mir. Aber Sie haben hier unterschrieben, sagte er. Ich ließ meinen Blick die Zeilen entlangwandern und blieb an einer nicht unbeträchtlichen Summe unten rechts hängen. Einen Augenblick verweilte ich bei dieser Zahl, dann sah ich auf die daruntergesetzte Unterschrift, die augenscheinlich die meinige war.

Ich kann mich nicht erinnern, hier unterschrieben zu haben, sagte ich. Ich verkaufe nicht, fuhr ich fort. Herr Meurel sah mich eine Weile mit einem undurchdringlichen Ausdruck an, dann legte er die restlichen Unterlagen, die er noch immer in der Hand hielt, auf dem Tischchen ab. Überlegen Sie es sich, sagte er, stellte seine Kaffeetasse auf die Papiere obenauf, packte seine Sachen und ging. 


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