*11. Etwas altes zur neuen Zeit*

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Vor genau sieben Tagen war ich mit Jay bei McDonalds essen. Vor einer Woche, hatte ich den schönsten Tag meines Lebens. Meine Liste hatte sich an diesem Tag um fünf Punkte erweitert, machbare, erfüllbare Wünsche.

Und heute, eine Woche später, waren genau vier Wochen seit meinem ersten Tag an der Schule vergangen. Achtundzwanzig Tage, es hatte kaum achtundzwanzig Tage gedauert und ich hatte mich in Jay verliebt. Hatte meine Prinzipien über Bord geworfen, meine Naivität hatte das Steuer übernommen und ich obwohl ich genau wusste, was während meiner letzten Beziehung alles geschehen war, konnte ich nichts gegen das aufkommende Gefühl machen.

Miss Luzy hatte mich vor ihm gewarnt. Meine Vergangenheit sprach dagegen. Selbst Kathrine hatte behauptet, er sei kein idealer Freund und trotzdem saß ich in der Kantine und starrte zu seinem Tisch herüber. Starrte ihn an, blöd und hilflos wie ein Reh in die Scheinwerfer eines heranrasenden Autos. Wie an den meisten Tagen der letzten vier Wochen, saß Kathrine mir gegenüber. Sie sagte nichts und erwartete auch keine Unterhaltungen von mir, weswegen ich meine Mahlzeiten in Ruhe verbringen konnte.

Mir war klar, dass es sowieso irgendwann passiert wäre. Ich kannte mich und wie ich mich gegenüber Leuten verhielt, die mir einmal etwas Nettes sagten, die einmal auf meiner Seite standen. Doch während Jay zu den Top Typen der Schule zählte, war ich bei der Nahrungskette ganz unten aufzufinden war.

Kathrin hörte auf mit ihrem Püree zu spielen und gab mir unter dem Tisch einen Tritt. Ich unterdrückte ein „Au" und sah stattdessen von Jay zu Kath.

»Wenn du was dagegen hast, musst du Jay wohl oder übel eins überbraten«, murrte sie und nahm einen Bissen von ihrem Schnitzel. Für einen Moment sah ich ihr beim Kauen zu, dann wanderte mein Blick zu dem Mädchen, welches neben Jay saß. Sie lehnte sich an ihn, lachte hin und wieder und ihre Gesichter waren einander nahezu pausenlos zugewandt.

In mir kochte die Eifersucht, doch ich versuchte mir einzureden, dass diese nicht berechtigt sei. Natürlich hatte ich etwas dagegen, dass ich nicht das Mädchen sein konnte, doch würde ich bestimmt nicht aufspringen und deswegen eine Szene machen. Ich hatte in meinem Leben mit weit mehr zu kämpfen gehabt als einer Eifersuchtsattacke. Er war bloß Jay und ich war ich. Während ich wieder meinen Gedanken nachhing leerte Kath ihren Teller und sah ebenfalls zu Jay und dem Mädchen.

»Wenn du willst, rede ich später mit ihm«, behauptete sie und schob ihren Teller von sich. Unsere Blicke trafen sich und als ich keine Reaktion zeigte, fragte sie: »Isst du den noch?«

Kraftlos schob ihr ihr die Salatschale zu und beobachtete, wie sie erneut anfing zu essen. Mit den Essstörungen die mit den Komplexen vor zwei Jahren über mich hergefallen waren, hatte ich schon lange nicht mehr zu kämpfen. Mein Essverhalten hing lediglich noch von meiner Stimmung ab und je tiefer diese war, desto weniger Appetit hatte ich auch. Nicht ideal, aber ein Fortschritt, behauptete jedenfalls meine Mutter. Einen Esswettbewerb gegen Kathrine würde ich vermutlich selbst an sehr guten Tagen verlieren.

Ehe ich mich versah, bildete sich in meinem Kopf ein zwanzigster Wunsch: Einen Ess-Wettbewerb starten.

Vielleicht hatte die Sache mit Jay mich in den Wahnsinn getrieben. Das Mädchen trieb mich in den Wahnsinn.

»Ich hätte nicht gedacht, dass dein Gesicht mal irgendeine Regung zeigt«, bemerkte Kath und ich sah wieder von Jay weg. »Ich habe dir doch gesagt, dass er ein Arsch ist, so ist er einfach und – shit, guck wieder neutral!« Die letzten Worte zischte sie mir zu, ehe sie selbst ein Lächeln aufsetzte. Im selben Moment erkannte ich Mirandas rotes Haar. Sie setzte sich nach einer kurzen Begrüßung zwischen Kathrine und mich und lächelte uns beide an. Es sah so falsch aus, wie Kaths Freundlichkeit ihr gegenüber.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!